Sechs Monate nach einer erfolgreichen Greenpeace-Kampagne im Indischen Ozean 2012, ist Greenpeace erneut in jenen Gewässern mit einem ihrer Schiffe unterwegs. Wieder soll die illegale Fischerei bekämpft werden. Greenpeace setzt sich gleichzeitig mit und bei lokalen Fischern für eine nachhaltige Fischerei ein.

Eine Flotte von lokalen Fischerbooten begleitet das Greenpeace Schiff Esperanza in den Gewässern vor Mauritius. Gemeinsam protestieren sie gegen die Überfischung im Indischen Ozean.
© Jiri Rezac / Greenpeace

 

In diesem Jahr ist es die «Esperanza», mit der Greenpeace in der Region rund zwei Monate unterwegs ist, um gegen Fischfangflotten vorzugehen, die illegal fischen oder mit zerstörerischen und verschwenderischen Fangmethoden operieren.

Schätzungsweise 21% des weltweiten Thunfischfangs stammt allein aus dem Indischen Ozean. Damit ist der Indische Ozean, nach dem Pazifik, das zweitgrösste Fanggebiet für Thunfisch. Allerdings setzt dies den Indischen Ozean und die darin lebenden Thunfischbestände entsetzlich unter Druck. Immer mehr Fischereifirmen aus aller Welt wollen ein Stück vom Multimillionen-Dollar-Kuchen für sich abschneiden und gehen auf Jagd nach dem begehrten Fisch.

Fischereifangflotten aus weit entfernteren und wohlhabenderen Industriestaaten wie Frankreich, Spanien, Korea, China, Japan und anderen Nationen sind im Indischen Ozean für rund 50% der Thunfischfänge verantwortlich. Dabei setzen sie in der Regel destruktive Fangmethoden wie die Ringwadenfischerei unter Verwendung von so genannten FADs (Fish Aggregating Devices) ein.

Diese Fischereipraxis führt zu riesigen Mengen an Beifang. Denn die FADs ziehen Thunfische instinktiv an. Aber auch Haie, Rochen, Schildkröten, Wale, Delphine und Jungfische sammeln sich rund um diese künstlichen schwimmenden Plattformen und werden mit dem ringförmig ausgelegten Fangnetz mitgefangen. Tot oder verendend wird dieser Beifang dann wieder über Bord geworfen. Aber auch andere Fangmethoden wie die weitverbreitete Langleinenfischerei bringen eine ähnliche Beifangproblematik mit sich und müssen dringend einer Reform unterzogen werden.

Thunfischumladung im Indischen Ozean

«Transshipping», das Umschlagen von Ladung auf offener See, ist eine verbreitete Praktik, bei der Fisch von einem Schiff zum anderen umgeladen wird. Fisch aus illegalem Fang kann auf diese Weise unkontrolliert in die Verarbeitungskette gelangen.
© Jiri Rezac / Greenpeace

 

Konfrontiert mit der Überfischungsproblematik, investieren die betroffenen Küstenregionen mehr und mehr in die Expansion ihrer eigenen Flotten, was das Problem der Überfischung weiter verstärkt. Allerdings ist die Anzahl dieser kleinen, lokalen Fischerboote, die im Indischen Ozean operieren, kaum dokumentiert, was eine Schätzung der Fangmengen unmöglich macht.

Da die Fischereinationen bislang daran gescheitert sind, die Fangmengen zu reduzieren und ihre Fischereiflotten einzudämmen, zeigen alle Thunfischarten im Indischen Ozean Zeichen der Überfischung. Um aber auch in Zukunft eine nachhaltige Fischerei zu gewährleisten, muss heute gehandelt und das Fischereimanagement in den Küstenregionen signifikant verbessert werden.

Weltweit ist die Kapazität an Fischfängern dann auch um ein 2.5-faches höher als die Weltmeere Fisch beheimaten. Würden also sämtliche Fischerboote auf einmal fischen, würden sie die Meere 2.5mal komplett leeren. Im Indischen Ozean bietet sich uns jedoch ein kleines, zeitlich begrenztes Handlungsfenster, um eine Veränderung herbeizuführen und die exzessiven Auswüchse der Überfischung, wie sie in anderen Regionen der Welt bereits vorangeschritten ist, zu verhindern.

Dies ist einer der Gründe, weshalb die Esperanza und eine Greenpeace-Delegation bei der diesjährigen Thunfischkommission für den Indischen Ozean (Indian Ocean Tuna Commission (IOTC)) in Mauritius vertreten war. Sie lieferte eine deutliche Botschaft ab: Endlich damit zu beginnen, alle Fischereiaktivitäten zu managen und nicht die Zukunft des Lebens im Meer zu riskieren. 

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