Eigentlich sollte die Konferenz gestern abgeschlossen werden. Und so war Freitag auch der letzte gemeinsame Tag der internationalen SolarGeneration-Delegation. Die meisten Jugendlichen aus anderen Ländern sind daher heute morgen abgereist. Doch die Konferenz geht heute Samstag - über den ursprünglich vorgesehenen Rahmen hinaus - weiter. Die USA, zusammen mit Russland, taten ihr bestes, um den Abschluss zu verhindern und brachten am drittletzten Tag inakzeptable Textentwürfe ein. So nahm die Spannung immer mehr zu, es gab am Freitag keine Einigung und auch nicht während den Verhandlungen in der Nacht auf Samstag. Schliesslich entschied sich die indonesische Konferenzleitung unter dem Umweltminister Witoelar, die Schlussverhandlungen im Plenum öffentlich durchzuführen.

So begann also um zwei Uhr die denkwürdigste UNO-Session, die ich bisher erlebte. Es ging zuerst um die Roadmap, den Rahmen, worüber bis 2009 verhandelt und verbindliche Ergebnisse erzielt werden sollte.  Der Saal ist voll, hunderte von NGO-Repräsentanten stehen oder sitzen in den Korridoren. Dem Konferenzleiter Witoelar und dem Generalsekretär der Rahmenkonvention UNFCCC, de Boer, ist die Müdigkeit und Erschöpfung mehrerer durchwachter Naechte anzusehen. Der chinesische Vertreter bemängelt die chaotische Leitung, de Boer ringt um Fassung, bricht in Tränen aus, verlässt den Saal. Die Nerven liegen blank. Der Reihe nach ergreifen Pakistan, Indien, Bangladesh das Wort und billigen die Roadmap in der aktuellen Form. Es wird applaudiert. Portugal, im Namen der EU, unterstützt die Roadmap ebenfalls. Japan windet sich, sagt aber ebenfalls zu.

Dann ergreift die amerikanische Verhandlungsführerin Dobriansky das Wort. Sie teilt relativ sec mit, dass die USA den vorliegenden Text nicht akzeptieren kann. Sie erntet Buhrufe im ganzen Saal. Südafrika spricht sich für die Roadmap aus und fordert die USA auf, ihre Position hier zu überdenken, weil sie verantwortungslos ist und von der ganzen Welt nicht verstanden wird. Papua Neu-Guinea braucht sehr undiplomatische Worte: “Die Welt braucht Leadership, um diese Krise zu bewältigen. Die Welt hat die USA immer wieder um ihr Leadership gebeten. Aber offensichtlich ist dieses Land nicht gewillt, dies zu tun. Deshalb sage ich den USA, wenn Ihr schon nicht führen wollt, dann macht den Weg frei, dass es andere tun können!”

Papuas und Südafrikas Statement werden frenetisch gefeiert. Alle stehen wir auf, klatschen und rufen – es erinnert mich an einen Fussballmatch, in dem die eigene Mannschaft angefeuert wird. Nach weiteren Statements, die sich für die Roadmap aussprechen und gleichzeitig die USA auffordern, ihr Nein zu überdenken, scheint Dobriansky weichgeklopft. Sie teilt mit, dass die USA sich nie in den Weg stellen wollten und sie immer schon dafür waren, harte, verbindliche Ziele zu setzen. Das wird als Aufgabe der Opposition und indirekt als Zusage gesehen, die Roadmap zu unterstützen. Dobriansky erntet frenetischen Applaus, die Leute stehen auf und es wird 5 Minuten lang geklatscht.

Selbst wenn also die Worte von Dobriansky nicht als Zusage hätten verstanden werden sollen, so werden sie als solche wahrgenommen. Die folgenden Statements von Pakistan und anderen Ländern sind Gratulationen an die USA für ihre Einsicht und Kooperation. So, also mit Hilfe einer anfeuernden Zuschauerschaft der NGOs und mit Hilfe mutiger und herausfordernder Statements einiger besonders hart betroffenen Länder, gelingt es, die USA in den Prozess einzubinden. Das Kalkül der Konferenzleitung, die USA öffentlich zu bearbeiten, hat seine Früchte getragen. Das Psychodrama endet mit einem Happyend.

Klar, dass damit die Sache noch lange nicht geregelt ist, aber mindestens sind alle mit dabei.  Für mich ist es sehr beeindruckend, hier zu sehen, wie die ganze Welt endlich zusammensteht und entscheidende Schritte für die Zukunft unseres Planeten Erde unternehmen will. Dieses Feeling ist für mich neu, jenes einer Global Community. Wahrscheinlich haben wir auf dieser immer kleineren Welt keine andere Wahl. Wir müssen unsere Differenzen im Dialog beilegen und gemeinsam handeln, wenn diese Welt auch noch für unsere Kinder und Enkel lebenswert sein soll.