Blick vom Dach der Unterkunft in Kinshasa: genau der richtige Ort für WaldcampaignerSeit Mittwoch bin ich nun in Kinshasa, Hauptstadt der DR Kongo, für die Afrika-Waldkampagne. Da der Internetzugang nicht unproblematisch ist, werde ich wenige – dafür längere Blogposts produzieren.

Ziel meines Aufenthaltes ist, mir ein Bild der Probleme rund um den Forstsektor vor Ort zu machen, mit so vielen Akteuren wie möglich über unsere Anliegen zu diskutieren und neue Daten zu sammeln.

Schon der Weg vom Flughafen ins Zentrum von Kinshasa erinnert einem an die schwer fassbare Tragödie, durch welche dieses Land insbesondere seit den 90er Jahren geschlittert ist: die Strassen sind gesäumt von Abfall und zahlreichen schwarz-angekohlten Müllberge, zwischen welchen sich das öffentlich Leben abspielt. Es fällt mir schwer, hier nicht weiter auszuholen und mit einem Schnitt auf den Forstsektor und die Wälder zu schwenken.

Der Forstsektor der DR Kongo befindet sich in einer sehr spannenden Phase. Dieser Sommer findet nämlich eine Legalitätsüberprüfung aller Einschlagskonzessionen der Forstindustrie statt. Eigentlich müssten über 100 der 150 bestehenden Konzessionen als ungültig erklärt werden, da seit 2002 ein gesetzlich erlassenes Moratorium auf neue Einschlagsrechte existiert. Die Forstindustrieseite argumentiert dass das Moratorium erst im 2004 öffentlich bekannt gemacht wurde und deshalb erst ab diesem Zeitpunkt gültig ist.

Wir sehen das natürlich anders. Unser Ziel und auch das einiger weiteren lokalen und internationalen NGOs ist, dass der Prozess der Konzessionenüberprüfung unter anderem möglichst transparent, partizipativ und mit Einbezug der lokalen Waldbevölkerung verläuft. Auch muss unbedingt eine soziale und ökologische Überprüfung mit der rein rechtlichen einhergehen. Die Legalitätsüberprüfung darf insbesondere nicht darin resultieren, dass das Moratorium auf neuen Einschlagskonzessionen aufgehoben wird.

Auch hier in der DR Kongo interessieren sich momentan alle für die Bedeutung der Wälder fürs globale und regionale Klima. Mehrere Industrieländer haben schon grosse Geldsummen angekündigt, welche sie in Wälder für den Klimaschutz investieren wollen. Die grosse Knacknuss darin besteht, wie das angekündigte Geld zum Wohle der lokalen und indigenen Waldbevölkerung und zum effektiven Schutz und Erhalt der Artenvielfalt und Klima eingesetzt wird – und nicht von Regierung sowie Forstkonzernen verschluckt wird. Wir mischen in dieser Diskussion fleissig mit und versuchen, Regierungsvertreter und weitere Akteure von unseren Lösungsvorschlägen zu überzeugen und notwendige Kriterien ins Bewusstsein zu rufen – ein anstrengendes Unterfangen!