Gemäss einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage sind über 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung gegen Atomenergie. Alles nur eine Frage der Kommunikation, sagt das ENSI.

Trotz rosa Brille kann sogar das ENSI nicht über die Meinung der
 Schweizer Bevölkerung hinwegsehen. Statt aber das Gefahrenpotential
 der Atomkraft ernst zu nehmen und endlich zu handeln, sieht es darin
 nur ein Kommunikationsproblem und will mit PR-Aktionen dafür sorgen,
 dass sich die Bürger sicherer fühlen. Das ist ein Trugschluss, denn
 die Sicherheitsmängel der Atomkraftwerke sind eine Realität und
 können nicht einfach schöngeredet werden.

Umfragen sind nützlich,  wenn sie korrekt interpretiert werden. Am Mittwoch wurde bekannt, dass über 60% der Schweizer Bevölkerung gegen die Atomenergie ist – seit der Katastrophe in Fukushima Tendenz steigend. Dies hat ein Bericht der Universität Zürich zuhanden des eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI klar und deutlich festgestellt http://static.ensi.ch/1354616741/unizh_bevoelkerungsbefragung_atomenergie_ensi.pdf. Die Aufsichtsbehörde des Bundes findet es allerdings nicht erschreckend, dass jeder Fünfte in der Schweiz die Atomkraftwerke als nicht sicher beurteilt. Und erteilt sich selbst gute Noten, obwohl 4.4 auf einer Skala von 1 bis 7 sicher kein rühmliches Zeugnis darstellt.

Interessant ist übrigens, dass gemäss Umfrage der Wissensstand im Bereich Atomenergie das Vertrauen in die regulierende Instanz nicht wesentlich steigert. Trotzdem sieht das ENSI keinen Grund, sich zu hinterfragen, und beabsichtigt stattdessen, das Alter Ego der AKW-Betreiber zu spielen, indem es die Jungen, die Frauen sowie die französische und italienische Schweiz besser bearbeiten will.

Informations- und Öffentlichkeitsarbeit sollte aber das ENSI lieber den Medien und der Zivilgesellschaft überlassen. Statt mit diesem blinden Fleck seinem geringen Vertrauenskapital noch zusätzlich zu schaden, sollte die Aufsichtsbehörde das Augenmerk auf das Wesentliche richten: die Sicherheitsmängel der Atomkraftwerke, Mühleberg zuallererst. Denn schon der amerikanische Wissenschaftler Dennis Meadows brachte es auf den Punkt, als er sagte, bezüglich Haltung zur Atomenergie gäbe es nur zwei Gruppen von Menschen: Gegner und solche, die nicht genug nachgedacht haben.