Dienstag, 16. Juli 2013

© Fred Dott / Greenpeace

Die EU-Mitgliedstaaten unterstützen den Vorschlag der EU-Kommission, das Bienenkiller-Pestizid Fipronil des deutschen Chemiekonzerns BASF vorläufig teilweise verbieten zu wollen.

Das ist ein weiterer wichtiger Schritt zu einer bienenfreundlicheren Landwirtschaft. Befristete Teilverbote genügen jedoch nicht, um das Bienensterben zu beenden. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte davor in ihrer Bewertung von Fipronil akute Risiken und chronische Effekte für die Bienen identifiziert. Fipronil ist für Bienen hochgradig giftig.

Fipronil gehört zur Substanzklasse Phenylpyrazol und wird unter dem Handelsnamen Regent in Europa unter anderem zur Beizung von Mais-Saatgut eingesetzt. In der Schweiz ist die Bewilligung als Saatbeizmittel auf Gerste, Hafer, Dinkel, Roggen, Triticale und Weizen am Auslaufen (Aufbrauchfrist 11. April 2014). Als Biozid ist es aber beispielsweise zur Verhinderung von Zeckenbefall bei Haustieren weiterhin zugelassen.

Unlängst setzte die EU-Kommission eine Mehrheitsentscheidung der Mitgliedsstaaten für ein vorübergehendes Teilverbot dreier bienenschädlicher Insektizide aus der Gruppe der so genannten Neonicotinoide um. Die Schweiz zog mit einer Suspendierung nach.

Allerdings versäumte es der Nationalrat Mitte Juni, die Bienen umfassend zu schützen. Zwar beschloss die grosse Kammer ein Massnahmen-Paket zum reduzierten Pestizid-Einsatz, verbot aber keine weiteren bienengiftige Pestizide wie beispielsweise Fipronil, das die EU-Länder jetzt vorläufig und teilweise verbieten wollen. Dies wäre dringend nötig, um unsere Bienen zu schützen. In der Schweiz sind seit dem letzten Herbst über ein Viertel der Bienenvölker verendet. Es ist nicht einzusehen, warum Fipronil in der Schweiz noch benutzt werden darf. Greenpeace fordert das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft (BWL) dazu auf, den Wirkstoff Fipronil auch hierzulande per sofort zu verbieten.

Mehr dazu im Greenpeace-Report «Bye Bye Biene. Das Bienensterben und die Risiken für die Landwirtschaft in Europa».

Bei 75 Prozent der wichtigsten Kulturpflanzen führt die Bestäubung durch Bienen und andere Tiere zu verbesserten Erträgen. Bienen sind für die Nahrungsmittelproduktion unerlässlich. Erfahrungen in Italien und Frankreich zeigen, dass ein Verbot von bienenschädlichen Pestiziden nicht zu Ernteeinbussen führt.

Langfristig kann nur die konsequente Umstellung von der aktuell chemiebasierten industriellen auf eine an ökologischen Prinzipien orientierten, chemiefreien Landwirtschaft eine Lösung sein. Gifte wie Fipronil werden seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft eingesetzt, sie reichern sich in der Umwelt zunehmend an und gefährden Umwelt, Artenvielfalt und Grundwasser.

Jeder und jede kann etwas für die Bienen tun. Wie, das erfahren Sie unter www.bienenschutz.ch.