Die Arktis wird zum Tummelplatz für Ölkonzerne: Auch der russische Konzern Gazprom will noch in diesem Jahr mit der Förderung auf der Plattform Prirazlomnaya in der Barentsee beginnen. Doch eine neue Studie von Greenpeace und dem WWF warnt eindringlich: Ein Ölunfall an der Plattform könnte weiträumig zu irreversiblen Schäden führen; Betreiber Gazprom verletzt in großem Stil das Vorsorgeprinzip.

Mittwoch, 15. August 2012

Die Gazprom-Ölplattform Prirazlomnaya in der Barentssee. Aufgenommen am: 14.08.2012 Copyright: © Denis Sinyakov / Greenpeace

 

Um die Studie der Öffentlichkeit zu präsentieren, hat Greenpeace-Chef Kumi Naidoo gestern gemeinsam mit Vertretern des WWF und Experten des Wissenschaftszentrum Informatica Riska eine Pressekonferenz in Moskau abgehalten. Im Auftrag von Greenpeace und dem WWF haben die Experten die Fläche berechnet, die nach einem Ölunfall in der Barentsee kontaminiert werden könnte. Dafür haben sie Daten für Tausende von möglichen Szenarien herangezogen. Das Ergebnis: Insgesamt befinden sich 140.000 Quadratkilometer offenen Gewässers in der Risikozone - das entspricht der Größe Irlands.

Die extrem rauen Seewetterbedingungen der Petschorasee - wie der östliche Teil der Barentsee auch genannt wird - und Gazproms unzureichender und überholter Notfallplan machen Bohrungen in dieser Region zu einem unverantwortlichen Spiel mit dem Feuer. In der Risikozone befinden sich in fünfzig bis sechzig Kilometer Entfernung von der Plattform drei Schutzgebiete, darunter das Naturschutzgebiet Nenetsky.

Für ihre Berechnungen haben die Experten eine breite Palette verschiedener Variablen berücksichtigt: das Volumen des austretenden Öls, meteorologische Bedingungen bei einem Unfall (d.h. Windstärke und -richtung, Wellengang, Eis) und Gazproms Unfall-Maßnahmen. Für die Menge an auslaufendem Öl wurden 1.500 Tonnen Öl für einen Unfall an den Bohrlöchern und 10.000 Tonnen für ein Tankerunglück zugrundegelegt. (Zum Vergleich: Beim Exxon Valdez-Unglück sind 1985 40.000 Tonnen ausgelaufen). Nach Darlegungen der Informatica-Experten wäre Gazprom unter bestimmten Umständen nicht dazu in der Lage, auslaufendes Öl wieder einzuholen - zum Beispiel bei extremem Wetter oder wenn sich ein Unfall in der Nacht ereignen würde.

Nach Expertenmeinung gibt es keine Möglichkeit, die bewiesenermaßen geeignet wäre, um ausgelaufenes Öl aus vereisten Gewässern zu entfernen, sagte Naidoo auf der Pressekonferenz in Moskau. Alarmierend ist angesichts dessen die Liste der Werkzeuge, die auf der Prirazlomnaya für eventuelle Aufräumarbeiten an den Küsten bereit liegen: diese Liste umfasst 15 Schaufeln, 15 Eimer und einen Vorschlaghammer.

Gazprom ist für eine Notfallsituationen nicht bloß unzureichend gerüstet: Das russische Ministerium für Krisen hat Recherchen von Greenpeace Russland bestätigt, dass die fünfjährige Geltungsdauer für Gazproms Notfallplan bereits im Juli abgelaufen ist. Sollte Gazprom - wie zu befürchten ist - dennoch in diesem Jahr Bohrungen in der Petschorasee durchführen, wären diese nicht nur hochriskant, sondern auch illegal.

Setzen Sie sich mit Greenpeace für ein internationales Schutzgebiet in der Arktis und für Verbote gegen Ölförderungen und industrielle Fischerei in arktischen Gewässern ein: Unterzeichnen Sie auf savethearctic.org und werden Sie Arktisschützer!