Mittwoch, 5. September 2012

AktivistInnen demonstrieren heute früh vor den Gazprom-Hauptsitzen in Moskau und Berlin. Grund für die Proteste liefern erneut die Pläne des russischen Konzerns, in der Arktis nach Öl zu bohren.

In Moskau haben AktivistInnen aus fünf Ländern, darunter auch eine Österreicherin, ein Arktis-Schutzgebiet vor dem Firmengebäude errichtet, sich an Zelte gekettet und den Zugang zum Gebäude blockiert. Zur gleichen Zeit bauten Greenpeace-AktivistInnen in Berlin einen rund drei Meter hohen undichten Öl-Bohrturm vor dem deutschen Gazprom-Hauptquartier auf.

«Die rücksichtslosen Pläne von Ölgiganten wie Gazprom und Shell in der Arktis nach Öl zu bohren, könnten zu einer schweren und langfristigen Verschmutzung des sensiblen Ökosystems führen, das ohnehin schon unter der Gefährdung durch den Klimawandel leidet. Nur ein generelles Verbot aller Bohrungen in der Arktis und die Errichtung eines Schutzgebietes kann dieses einzigartige Gebiet vor einer gigantischen Ölpest schützen», erklärt Wladimir Tschuprow, Leiter der Energiekampagne bei Greenpeace Russland.

Der friedliche Protest folgt auf mehrere Greenpeace-Aktionen, die sich gegen die zu Gazprom gehörige Ölplattform Prirazlomnaya in der Pechorasee gerichtet haben. Erst vor wenigen Tagen hat sich Gazprom dazu entschlossen, die umstrittenen Entwicklungspläne des Gasfelds Shtokman Arctic in der Barentsee einzustellen. Damit bestätigte der Ölriese, dass die Pläne wirtschaftlich nicht durchführbar sind.

Der russische Energieriese Gazprom will am Anfang des nächsten Jahres mit gewerblichen Ölbohrungen in den arktischen Gewässern der Pechorasee beginnen und damit die allererste Firma sein, die Erdöl aus der Arktis fördert. Noch ist die gigantische Ölplattform Prirazlomnaya aber alles andere als bereit für diesen Einsatz. Erst vor kurzem hat Greenpeace herausgefunden, dass die Plattform ohne offiziell genehmigten Notfallschutzplan arbeitet. Forschungen haben jedoch gezeigt, dass es nahezu unmöglich sein wird, das sensible arktische Gebiet von Ölverschmutzungen zu reinigen. Und so ist auch die einzigartige Tierwelt dieser entlegenen Region stark gefährdet.

Die technischen Herausforderungen und die damit verbundenen Kosten, um unter Extrembedingungen wie in der Arktis arbeiten zu können, sind enorm. Der Stopp des viel gepriesenen Shtokman Projekts sollte für Investoren und Firmen eine deutliche Warnung vor dem enormen Risiko sein.