Dienstag, 3. Dezember 2013

Greenpeace protestierte schon 2012 gegen die Arktis-Ölbohrpläne durch Gazprom. 08/24/2012 © Denis Sinyakov / Greenpeace

UPDATE

Abends beim Apero richtete sich eine als Gazprom-Repräsentantin verkleidete Greenpeace-
Aktivistin mit einer Rede an die Teilnehmer der Global-Energy-Veranstaltung. Sie wies die Gäste - Rohstoffhändlerinnen und Rohstoffhändler, Ölindustrielle, Bankerinnen und Banker sowie weitere Konferenzteilnehmende - auf die hohen Risiken von Ölbohrungen in der Arktis hin.

 

Weitere als Kellner verkleidete Aktivisten offerierten Black Swan Cocktails, erdölschwarze Drinks mit kleinen ertrinkenden Eisbären (als Black Swan bezeichnet die Ölindustrie einen katastrophalen Ölunfall).

Die elegante Rednerin wurde bereits nach den ersten Worten aus dem Saal verwiesen. Die Sicherheitsbeamten hatten bedeutend mehr Mühe damit, die daraufhin abgespielte und gut vor Eingriffen geschützte Tonaufnahme der Rede zu Arktis-Risiken zum Verstummen zu bringen.

 


«Arctic Spoil – brought to you by Gazprom». Mit diesem Bannerspruch und einem inszenierten Ölunfall aus Eis und Melasse demonstrierten Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten heute an der Global Energy Konferenz 2013 in Genf gegen die geplanten riskanten Arktis-Ölbohrungen des russischen Konzerns und Sponsors Gazprom. Diese sollen im Dezember beginnen.

 

«Gazproms bisherige Bemühungen um Ölbohrungen in der Arktis sind gekennzeichnet von Verzögerungen, hohen Sicherheitsrisiken und mangelhaften Notfall-Einsatzplänen», sagt Asti Roesle, Arktis-Spezialistin bei Greenpeace Schweiz. Gazproms Ausrüstung ist seit Jahrzehnten überholt. 2011 sank eine Gazprom-Bohrplattform beim Abschleppen durch das Meer von Ochotsk. Dabei wurden 53 Mannschaftsmitglieder getötet. «Wenn Gazprom in der Arktis nach Öl bohrt, wird es früher oder später zu einem Unfall kommen. Doch der Konzern ist ausserstande, eine Ölpest in dieser eiskalten Region einzudämmen. Gazprom sollte das Vorhaben aufgeben, bevor es zu spät ist», warnt Roesle.

 

© Greenpeace

Gazprom – ein Sponsor der Global Energy Konferenz 2013 in Genf – ist eines der weltgrössten Energieunternehmen und eine von nur zwei Gesellschaften mit einer Bohrlizenz für die russische Arktis. Während der Konzern eine erschreckende Umweltbilanz in Russland hat, versucht er jetzt überall in Westeuropa sein Image aufzubessern und Marktanteile zu gewinnen. «Gazprom braucht das Kapital und das Knowhow grosser internationaler Öl- und Gasgesellschaften. Doch Gazproms riskantes Geschäftsmodell setzt internationale Ölgesellschaften und ihre Aktionäre – darunter auch die Mitglieder von Pensionskassen – enormen Risiken aus», sagt Roesle weiter.

© Greenpeace

Der Start der Ölbohrungen ist für Mitte Dezember vorgesehen. Gazproms Priraslomnaja wäre dann die erste Bohrinsel überhaupt, die nördlich der arktischen Eisgrenze kommerzielle Ölförderung betreibt. Alarmiert durch die Bohrabsichten von Gazprom und den Mangel an Sicherheitsvorkehrungen protestierten Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten erstmals 2012 und dann erneut am 18. September 2013 bei der Priraslomnaja-Plattform. Bei diesem zweiten Protest wurden das Greenpeace-Schiff Arctic Sunrise beschlagnahmt und die ganze Besatzung festgenommen, inhaftiert und der schwerwiegenden Straftaten Rowdytum und Piraterie angeklagt. Unter den Angeklagten ist der Schweizer Marco Weber. Trotz Freilassung gegen Kaution drohen ihnen lange Haftstrafen.

Der Protest ist Teil einer internationalen Greenpeace-Kampagne gegen Arktis-Ölbohrungen. Schliessen Sie sich uns und weltweit fast 4,5 Millionen Menschen an.

Fordern Sie die russische Botschaft auf, dass die Anklagen gegen die Greenpeace-Arktisschützerinnen und -Arktisschützer fallengelassen werden damit diese endlich zu ihren Familien und Freunden heimkehren können.