Mittwoch, 10. April 2013

© Nick Cobbing / Greenpeace

Am frühen Mittwochmorgen sind zwei als Eisbären verkleidete Greenpeace-Aktivisten in Norwegen auf die Statoil-Bohrinsel West Hercules geklettert und haben mit «Save the Arctic»-Bannern gegen das Arktis-Projekt des Konzerns protestiert. Die Plattform ist Teil eines umfangreichen Bohrprogramms, das Statoil im Sommer in der nördlichen Barentssee durchführen will.

Die Bohrinsel liegt derzeit noch zu Wartungsarbeiten vor Ølen, Rogaland im Westen des Landes. «Statoil muss die Finger vom arktischen Öl lassen. Die Förderung dieser Ölvorkommen heizt das Klima weiter an. Es gibt keinen vernünftigen Grund dafür, dass Norwegen immer weiter in den Norden vordringt, um nach mehr Öl zu bohren», sagt Truls Gulowsen, Geschäftsführer von Greenpeace Norwegen.

Der norwegische Staat hält mit 67 Prozent Anteilen die Mehrheit an Statoil. Von den neun geplanten Bohrstellen in der Barentsee liegt eine am 74. Breitengrad im Norden. «Diese Bohrinsel soll Kurs nehmen auf eine der nördlichsten Bohrstellen der Welt», so Gulowsen weiter. Als umweltbewusstes Land darf Norwegen nicht Vorreiter bei einem neuen Ölrausch in der Arktis sein.»

Arktis-Ölbohrungen sind mit besonders hohen Sicherheitsrisiken behaftet: Extreme Wetterbedingungen und Temperaturen, einfrierende Ausrüstung und viele weitere Gründe führen dazu, dass das Arktis-Projekt Statoils nicht mit den anderen Bohrungen vergleichbar ist, die der Konzern in der Nordsee durchführt. «Kein Ölkonzern weltweit ist auf einen Ölunfall in der Arktis vorbereitet. Wir können nicht hinnehmen, dass Statoil die Sicherheit und die Umwelt in der Arktis aufs Spiel setzt», sagt Gulowsen.

Statoils Arktis-Pläne haben international grosse Sorge ausgelöst. Schon über 17'000 Bürger Russlands haben dem norwegischen Premierminister Jens Stoltenberg Protestbriefe geschickt, in denen sie ihn auffordern, ein Vordringen Statoils in die Arktis zu unterbinden. «Wenn Statoil keine Vernunft zeigt, muss Stoltenberg einschreiten», fordert Gulowsen in Oslo.

Statoil ist nicht der einzige Ölkonzern, der es auf die arktischen Ölreserven abgesehen hat. An vorderster Front mit dabei sind die beiden Ölgiganten Shell und Gazprom, neuerdings sogar zusammen. Greenpeace fordert ein internationales Schutzgebiet in der so genannten Hohen Arktis, wo  sämtliche Ölbohrungen und die industrielle Fischerei verboten sind. Eine Petition zum Schutz der Arktis auf savethearctic.org haben bis heute weltweit 2,7 Millionen Menschen unterzeichnet. Ein Greenpeace-Team ist seit dem 7. April auf einer Expedition unterwegs zum Nordpol, wo es die Namen der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner in einem symbolischen Akt auf den Meeresgrund absenken will.

UPDATE (11.04.2012, 10 Uhr): Statoil hat erklärt, in diesem Jahr keine Bohrungen an den zwei bis drei nördlichsten Bohrstellen durchzuführen. Die «West Hercules» wird in etwa zwei Wochen zu den übrigen Bohrstellen aufbrechen. Truls Gulowsen kommentiert diese Entscheidung: «Statoils Entscheidung ist eine gute Nachricht für die Arktis: Hinter ihr steht die Erkenntnis, dass die Ölindustrie die Risiken von Ölbohrungen unter den extremen Bedingungen der Arktis nicht beherrschen kann.» Doch damit ist die Gefahr noch nicht gebannt. Statoil hat weitere Projekte vor Grönland, Alaska und Russland in der Pipeline. Greenpeace fordert, dass der Konzern auch diese stoppt.

Zudem legte der US-Ölkonzern ConocoPhillips seine für 2014 geplanten Arktis-Ölbohrungen vorläufig auf Eis.