Mittwoch, 6. Juni 2012 Zürich, 06.06.12. DETOX-Aktion bei der G-Star Raw Filiale. Greenpeace fordert den Modehersteller auf, ihre Produktionskette zu entgiften

© Greenpeace/ Matthias Gunsch Aktion vor einer Filiale des niederländischen Textilherstellers in Zürich

Schaufenster mit Gefahrensymbol «Totenkopf»

Heute haben Greenpeace Aktivisten die Schaufenster der G-Star-Filiale nahe der Zürcher Bahnhofstrasse mit Totenkopf-Symbolen zugeklebt. Totenköpfe werden bei Chemikalien als Gefahrensymbol für giftige Substanzen verwendet. Damit weisen die Greenpeace-Aktivisten auf die Gefahr des Einsatzes gefährlicher Substanzen bei der Herstellung von G-Star-Produkten in den Herstellerländern hin. Greenpeace kritisiert die mangelnde Transparenz des Unternehmens. «G-Star verkauft sich in der Öffentlichkeit als umweltfreundlich. Die Wirklichkeit sieht jedoch anders aus», sagt Chemie-Campaigner Matthias Gunsch. «Die Menschen haben ein Recht zu erfahren, welche gefährlichen Chemikalien verwendet werden. Greenpeace fordert von G-Star einen konkreten Zeitplan zum Ausstieg aus der Verwendung umwelt- und gesundheitsschädlicher Substanzen bei der Herstellung ihrer Produkte», so Gunsch. 



Chemie in Textilien

Greenpeace hat im August 2011 den Bericht «Schmutzige Wäsche» veröffentlicht: In 18 Ländern wurden insgesamt 78 Textilprodukte von 15 internationalen Herstellern gekauft und im Labor auf gefährliche Chemikalien getestet. Zwei Drittel der Produkte enthielten Nonylphenolethoxylate (NPE), darunter auch drei von fünf Produkten von G-Star. NPE wird bei Wasch- und Färbeprozessen eingesetzt. In der EU ist die Verwendung dieser Chemikalie verboten, der Import stark eingeschränkt. In den Produktionsländern der getesteten Textilien ist der Einsatz von NPE hingegen nicht geregelt.

Wer ist G-Star?

Die Jeans- und Modemarke G-Star wurde von Jos von Tilburg in den Niederlanden gegründet und befindet sich auf rasantem weltweitem Expansionskurs. Fast monatlich wird ein neuer Flagship-Store eröffnet. Die Entscheidungen bei G-Star trifft nach wie vor Jos van Tilburg, der immer noch Geschäftsführer und Eigentümer von G-Star ist. Er hat es bislang abgelehnt, sich persönlich mit Greenpeace zu treffen.

Greenwashing von G-Star

Aufgrund der Greenpeace-Kampagne «DETOX» haben Adidas, C&A, H&M, Puma und Nike konkrete Pläne zur «Entgiftung» der Produktion vorgelegt. Sie wollen bis 2020 mittels einer Roadmap ihre gesamte Produktionskette giftfrei gestalten. Auch G-Star hat eine Stellungnahme veröffentlicht, doch im Gegensatz zu den konkreten Schritten der anderen Unternehmen gab es von G-Star bislang nur schwammige Bekundungen, wie beispielsweise, dass die Freisetzung gefährlicher Chemikalien «so weit als möglich» reduziert werden solle. Gleichzeitig stellt sich jedoch das Unternehmen auf der eigenen Website als ökologisch vorbildlich dar.

Mittwoch, 6. Juni 2012 Zürich, 06.06.12. DETOX-Aktion bei der G-Star Raw Filiale. Greenpeace fordert den Modehersteller auf, ihre Produktionskette zu entgiften

© Greenpeace / Matthias Gunsch

 

Recht auf Wissen

Die KundInnen von G-Star, die ArbeiterInnen in den Herstellerländern und die Menschen in den angrenzenden Regionen haben das Recht zu erfahren, welche gefährlichen Stoffe eingesetzt werden und die Ökosysteme und womöglich die Gesundheit der Menschen vor Ort als auch in den Industrieländern gefährden. Daher muss G-Star dem Beispiel anderer Unternehmen folgen und darüber Auskunft geben, welche Substanzen bei der Produktion ihrer Mode eingesetzt und in die Flüsse in den Herstellerländern geleitet werden. Diese Informationen müssen öffentlich zugänglich gemacht werden.

Was G-Star tun muss

Das fordert Greenpeace von G-Star:

  • Ein Treffen mit dem G-Star Eigentümer und Geschäftsführer Jos von Tilburg, denn nur er ist in der Lage, schwammige Aussagen durch konkrete Massnahmen zu ersetzen.
  • G-Star muss sich öffentlich zum Vorsorgeprinzip und der Verantwortung für seine Produkte verpflichten
  • G-Star muss Informationen darüber veröffentlichen, welche gefährlichen Chemikalien bei der Herstellung seiner Produkte in den Herstellerländern eingesetzt werden.
  • G-Star muss einen konkreten Zeitplan mit dem Ziel eines Komplettausstiegs aus der Verwendung gefährlicher Stoffe wie NPE vorlegen. 

Was jeder tun kann

  • Schreiben Sie an G-Star. Fragen Sie das Unternehmen, welche chemischen Substanzen bei der Herstellung der G-Star-Produkte eingesetzt werden und wann das Unternehmen aus der Verwendung gefährlicher Chemikalien aussteigen wird. Senden Sie eine E-Mail oder einen Brief an G-Star, z. H. Carolien van Wersch, Postbus 121777, 1100 AD Amsterdam Zuidoost, Niederlande.
  • Sollte das Unternehmen antworten, senden Sie bitte diese entweder per E-Mail an oder per Post an Matthias Gunsch, Greenpeace Schweiz, Postfach, 8031 Zürich. Herzlichen Dank!