Die Leute an Bord der Arctic Sunrise sind am Dienstagabend zu Verhören an Land gebracht worden, nachdem das Schiff von der russischen Küstenwache in die Nähe der Küstenstadt Murmansk geschleppt worden war.

Die Arctic Sunrise Arrives am Tau des Schiffs der russischen Küstenwache.
09/24/2013, © Igor Podgorny / Greenpeace

Ein Greenpeace-Team ist vor Ort und konnte mit einem Teil der Crew sowie der Aktivistinnen und Aktivisten - darunter ein Schweizer - kurz in Kontakt treten. Juristische Unterstützung ist organisiert. Zum 28-jährigen Schweizer Aktivisten Marco Weber haben wir im Moment keinen Kontakt.


Derweil hat der internationale und unter anderem auf Seerecht spezialisierte Rechtsberater Professor Dr. Stefan Kirchner das russische Vorgehen in einer persönlichen Einschätzung kritisiert: «Ausgehend von den derzeitig verfügbaren Informationen scheint es, dass Russland etliche seiner internationalen Verpflichtungen missachtet hat, um Umweltaktivisten zu zwingen, ihre friedlichen Proteste zu beenden». Auch Amnesty International hat das Verhalten der russischen Behörden kritisiert und die Freilassung der Aktivistinnen und Aktivisten gefordert. 

Greenpeace hat eine 40-jährige Geschichte des friedlichen Protestes für den Schutz der Umwelt und ihrer Bewohner. Unter diesen starken Prinzipien stand auch die Aktion gegen die Arktis-Ölbohrungen von letzter Woche. Unsere Aktivistinnen und Aktivisten taten nichts, das die russischen Behörden zu ihrer brachialen Reaktion berechtigt hätte. Es ist jetzt mehr als vier Tage her, seitdem das Greenpeace-Schiff geentert wurde. Es gab viele Anschuldigungen. Uns erreichten bisher aber keine offziellen Anklagepunkte. Die involvierten Arktischützerinnen und Arktischützer waren da, um eines der letzten intakten Ökosysteme der Erde vor rücksichtslosen und hochriskanten Ölbohrungen und den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen. Greenpeace verlangt ihre sofortige Freilassung.

Ursprung der Auseinandersetzung ist das Arktis-Projekt des russischen Staatskonzerns Gazprom. Dessen Ölbohrungen in der Petschorasee sind hochriskant. Die Plattform Prirazlomnaya besteht aus ausrangierten Teilen und entspricht nicht einmal den tiefen russischen Sicherheitsstandards. Der Beginn der Ölproduktion wird seit Jahren immer wieder hinausgeschoben. Einzelne Teile der Plattform sind bereits 1984 gebaut und in den späten 1990er-Jahren gegen Eisgang verstärkt worden. Gazprom hat keine ausreichenden Notfallpläne für einen eventuellen Ölunfall. Die grossen Entfernungen zu jeder Art von Rettungsmittel und die rauhen Wetterbedingungen können jeden Ölunfall zur Umweltkatastrophe werden lassen. In den drei Naturschutzgebieten der Region leben Eisbären, Walrosse und seltene Meeresvögel.

Greenpeace fordert die russischen Behörden dazu auf, die Aktivisten sofort freizulassen. Dieser Aufforderung haben sich weltweit bereits über 400'000 Menschen im Rahmen einer Protestmail-Aktion an russische Botschaften angeschlossen. Setzen Sie sich für die Freilassung der Arktisschützerinnen und Arktisschützer ein.

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