Die schmelzende Arktis wird bedroht durch Ölgiganten wie Shell und die russische Gazprom. Derzeit sind die beiden Greenpeace-Schiffe Esperanza und Arctic Sunrise im hohen Norden unterwegs, um jede Bewegung der Industrie vor Ort zu verfolgen.

Auch eine Schweizerin, die Greenpeace Mitarbeiterin Asti Roesle,  ist mit an Bord der Arctic Sunrise und berichtet:

Donnerstag, 16. August 2012

Asti Roesle an Bord der Arctic Sunrise in der Russischen Arktis © Denis Sinyakov / Greenpeace

Liebe Freunde

Ich befinde mich zur Zeit auf Arctic Sunrise in der Barentssee, im westlichsten Teil der russischen Arktis. Die Expedition nahm auf der norwegischen Insel Spitzbergen ihren Anfang.

Unsere jetzige Etappe startete in der russischen Hafenstadt Murmansk. Murmansk liegt nördlich des Polarkreises und ist Stützpunkt  der russischen Nordmeerflotte sowie der Eisbrecherflotte, welche auch nuklear betriebene Schiffe umfasst.  Diese Staft ist alles andere als ein einfaches Pflaster, um Unterschriften für unsere «Safe the Arctic»-Petiton zu sammeln, da viele Bewohner der Stadt von der Öl- und Gasindustrie im Norden Russlands leben. Trotzdem gelang es den unermüdlichen russischen Greenpeace-Aktivisten, zusammen mit einem heimatlosen Eisbären hunderte von Unterschriften in Murmansk zu sammeln. Das Potential in Russland wäre riesig, um in erneuerbare Energie und Energieeffizienz-Projekte zu investieren und damit unzählige neue Arbeitsplätze zu schaffen.

 

Laut Kapitän der Arctic Sunrise war Murmansk das bisher mühsamste Hafenerlebnis seiner Karriere. Die Hafenbehörde unternahm alles möglich, um uns Steine in den Weg zu legen. Zuerst versuchte man, dem Schiff die Landung zu verwehren. Danach gab uns die Behörde einen extrem abgelegenen Ankerplatz im äussersten Bereich der Hafenzone, nur erreichbar per halbstündigem Bootstransfer. Dadurch konnten wir nicht, wie geplant, die lokalen Bevölkerung aufs Schiffs einladen. Und schliesslich war das Passagierhafenportal plötzlich wegen Umbauarbeiten geschlossen, so dass unsere Besucher durch das dreckige Kohlehafenportal gelotst werden mussten. Wir waren alle sehr erleichtert, als wir den Murmansker Hafen endlich verlassen und in die Barentssee stechen konnten.

Die Arctic Sunrise ist ein kompaktes Schiff  mit ganz besonderem Charme. Als Eisbrecher hat es schon alle Weltmeere durchfahren und schlimme Stürme durchlebt.  Es ist berüchtigt für Seekrankheit, da es über keinen stabilisierenden Kiel verfügt.  Ich machte mich auf einiges gefasst – und tatsächlich waren die ersten zwei Tage geprägt davon, den Magen einigermassen unter Kontrolle zu halten. Die fantastische internationale Schiffscrew führt Etappengäste wie mich in die Schiffsdisziplin und alle wichtigen Regeln an Bord ein. Unter anderem wird jeden Morgen um acht Uhr geputzt.

Unser Ziel in der Barentssee ist die erste Offshore Öhlbohrplattform Prirazlomnaya des russischen Energiegiganten Gazprom in der Arktis. Sie hätte laut Plan eigentlich diesen Frühling den Betrieb aufnehmen sollen. Der Start wurde  jedoch wegen zu vielen gravierenden Mängeln bis mindestens Anfang nächsten Jahres verschoben. Die Plattform ist ein eindrückliches Beispiel dafür, warum Offshore Öl- und Gasbohrungen in der Arktis dringend verboten werden müssen. Vieles deutet darauf hin, dass diese Plattform den extremen Bedingungen in der Arktis nicht standhalten kann. Das Gebiet ist nur 110 Tage im Jahr eisfrei und die Temperaturen gehen bis über minus 50 Grad. Der Druck der gewaltigen, sich bewegenden Eismassen hat die Plattform scheinbar schon im ersten Winter leicht verschoben und  Schäden verursacht. Falls die Rohre schon installiert gewesen wäre hätte das erste Rohrbrüche zur Folge haben können. Das Risikomanagement von Gazprom scheint von einer haarsträubenden Fahrlässigkeit und von Kostendruck geprägt zu sein.

Donnerstag, 16. August 2012

Russische Ölplattform Prirazlomnaya © Denis Sinyakov / Greenpeace

Die Plattform befindet sich 60 km vor der Küste und ist umgeben von mehreren Naturschutzzonen, welche Tierarten wie Eisbären und Walrösser beheimaten. Ein Unfall hätte katastrophale Folgen für dieses sensible Ökosystem.

Auf dem Weg zur Plattform kamen wir an Schiffen vorbei, welche seismische Messungen zur Lokalisierung von weiteren Öl- und Gasreserven für den staatlichen russischen Konzern Rosneft und den italilienischen Konzern Eni durchführen. Das Geräusch dieser Tests schädigt die Meeresfauna, stört das sensible Gehör der Wale und vertreibt sie.  Per Funk informierte uns der Kapitän der Messflotte, dass wir uns gefälligst aus dem Messgebiet entfernen sollten.