Was ist ein Oeko-Star? Wir kommen der Sache vielleicht über das Äussere der Akteure näher: Ein Oeko-Star scheint eine kurlige Mischung aus 3 Personen und ihrem Auftreten zu sein. So jedenfalls schien es mir gestern Freitag (29.2.), als ich zum ersten Mal in der TV-Sendung «leben live» des Schweizer Fernsehens auftrat.

Wer näheres erfahren will, liest weiter unten von Raben und Romanen. Wer jedoch direkt rausfinden will, ob sie oder er der sagenumwobene Ökostar ist, schaut beim Schweizer Fernsehen rein. Dort gibt es einen Online-Test, der einem mit ein paar Mausklicks zeigt, wie gut man ganz persönlich der Erde Sorge trägt.

Und wer es wirklich wissen will, meldet sich als KandidatIn beim TV an. Wer sich statt um einen stolzen TV-Titel um echte ökologische Wirkung bemühen willl: Die Jungen Grünen sammeln für ihre Anti-Offroader-Inititative und brauchen dringend noch ein paar Unterschriften, um den Schützenpanzern im Vorstadtverkehr den richtigen Weg zu weisen: ins Landesmuseum.

Der VCS serviert einem die komplette, hochaktuelle Übersicht über die in der Schweiz erhältlichen Neuwagen gratis auf den Bildschirm. Die besten Wagen verbrauchen noch um die 4 Liter auf 100 Kilometer und produzieren auf 1 km rund 100 Gramm CO2. Und Greenpeace bringt einem zu spannenden Bekanntschaften, auch wenn Vincent und sein Rabe oder Federica und ihre sechzig Romanheldinnen und Helden noch nicht auf dieser Community- und Dating-Homepage von Greenpeace sind. Oder doch?

Leben live oder: die Personen und Ihre Darsteller

Erstens eine charmante, hagere, hellwache, humorvolle Schriftstellerin mit kleiner knöcherner, fein verzierter Adlerfeder um den Hals. Hinter den Kulissen erzählt sie von einem persönlichen Freund, der sich in Tokyo an Strassenkreuzungen aufstellen lässt, gut verpackt in einen schwarzen Sarg, aus dem er plötzlich hervorbricht und rot gewandet durch die Menge der Passanten tanzt. Das jedenfalls hat mir Frederica de Cesco mit verschmitzter Faszination erzählt, als wir mucksmäuschenstill hinter den «Leben live-Kulissen» auf der Kamera dem Talk im Studio lauschten.

Vorne sass derweil ein schwarzgewandeter Kerl mit Plateauschuhen wie ein Gothic-Fan, archaisch breit und klar geschnittenen Gesichtszügen wie ein nordamerikanischer Indigener, mit einem luftig frisierten Blondschopf wie ein keltischer Dandy sowie wacker langen Fingernägeln und einem durchdringenden, manchmal harten blauen Blick.

Ein spannendes Gesicht hat er, Vincent Raven, der Magier aus Bern mit Millionenpublikum in Deutschland, mit Rabe im Gepäck und einem Kollegen als Fahrer, der sich auf dem Weg ins Zürcher TV-Studio verfuhr, Okkultismus, Magie und Illusionismus hin oder her. Vielleicht fehlte ihm auch einfach das GPS.

Vincent ist eine Art okkulter Stuntman, lässt sich vor laufenden Kameras in einen von drei aufgebahrten Särge nageln und verlässt sich drauf, dass der Gast aus dem Publikum schon die richtigen zwei Holzkisten abfackelt, nur nicht jene mit ihm drin. Gestern hat er diesen Trick leider nicht gebracht.

Der Dritte ist der amtierende Mr. Schweiz, also ein Fortsetzungs-Star mit vorgegebenem Ablaufdatum, ein schwieriger Job für einen sympathischen, offenen Mann mit Grips und modischem Stil sowie der Behutsamkeit desjenigen, der weiss, dass interessierte Aufmerksamkeit der erste Schritt zum echten Erlebnis in jeder Begegnung ist.

Wirklich, Tim Wielandt eignet sich vorzüglich als Botschafter. Nimmt mich Wunder wofür er dieses Talent künftig einsetzen wird. Ende April läuft seine Amtszeit ab.

Aber eigentlich, zutiefst ging es in dieser Sendung von «Leben live» ja um Sinn und Unsinn von Öko-Sparlampen, den Benzinverbrauch von übermotorisierten Kleinwagen und der Weigerung der Schweizer Autoimporteure sich auf möglichst sparsame Motoren und tiefe Abgaswerte zu verpflichten.

Oder liegt das Abgase-Malaise doch nur und ganz allein bei den KonsumentInnen, die so viele grossspurige Autos kaufen, dass die jährliche Neuwagen-Flottenbilanz der Schweiz zur ökologisch schlechtesten in ganz Europa (!) wird? Nirgendwo werden so viele Spritsäufer und Abgasschleudern jedes Jahr neu immatrikuliert wie bei uns. Industrie, Händler und PolitikerInnen schieben sich den schwarzen Abgaspeter hin und her, derweil alles beim Alten bleibt, d.h. einer freiwilligen Vereinbarung zwischen Autoimporteuren und Bundesverwaltung, die die CO2-Bilanz um fast gar nichts verändert. Im Gegenteil, der Schadstoffausstoss der Automobile nimmt zu und zu..

Da gilt es Gegensteuer zu geben. «Leben live» sucht nun den Öko-Star. Gesucht ist jene Person, die einen möglichst kleinen, leichtfüssigen ökologischen Fussabdruck hat, auf der lieben Welt möglichst gar nicht rumtrampelt sondern nur behutsam ihr leicht räudiges Fell krault.

Wer hat soviel Mut wie Mr. Schweiz und lässt sich und seinen Lebensstil unter die Öko-Lupe nehmen?