Palmöl ist das preisgünstigste Speiseöl der Welt und Hauptbestandteil einiger Biospritsorten. Die weltweite Nachfrage boomt und so verleiben sich immer mehr Agrarkonzerne grosse Landstriche ein, um ein neues Gebiet für die Palmölproduktion zu erschliessen: Afrika.

Einer dieser Konzerne ist Herakles Farms, ein Agrarunternehmen mit Sitz in New York, das Verbindungen zu Blackstone, einem der weltweit grössten Private-Equity-Unternehmen, unterhält. In Kamerun ist der Aufbau der Palmölplantagen von Herakles bereits in vollem Gange – Plantagen, die das Leben von Zehntausenden von Menschen in Dutzenden Dörfern schlagartig verändern würden und für die rund 70.000 Hektar Waldfläche gerodet werden müssten, die sich zwischen vier Schutzgebieten erstrecken. Dies entspricht einer Fläche grösser als Manhattan Island.

Herakles Farms selbst hingegen präsentiert sich als grosser Heilsbringer und erklärt, man verfolge das Ziel, den weltweiten Nahrungsmittelbedarf durch die Entwicklung nachhaltiger und ökologisch wertvoller Projekte zu decken und wisse dabei die volle Unterstützung der einheimischen Bevölkerung hinter sich. In Kamerun dürfte das jedoch wohl kaum der Fall sein.

Bei einer Greenpeace Exkursion nach Kamerun in diesem Monat wurde ich Zeuge, wie breite Teile der lokalen Bevölkerung gegen die Palmölplantagen von Herakles Farm protestierten, die einerseits höchst umstritten, andererseits potenziell lukrative Einnahmequellen sind.

Montag, 6. August 2012

 

Die Menschen befürchten, dass sie von SG Sustainable Oils Cameroon (SGSOC), der kamerunischen Tochtergesellschaft des US-Unternehmens, ihres Landes und somit ihrer Lebensgrundlage beraubt werden. Viele Bauern der Gegend sind selbstständig und bauen Kakao, Taro und Mais sowie andere Früchte und Gemüsesorten an. SGSOC hat bislang keinen Bebauungsplan vorlegt, auf dem die inneren Grenzen der geplanten Palmölplantagen eingezeichnet sind, sodass die Bauern weiterhin im Dunkeln darüber gelassen werden, wie viel Ackerland sie tatsächlich verlieren würden.

Von der selbsterklärten breiten Unterstützung durch die lokale Bevölkerung kann im Falle von Herakles Farms nicht die Rede sein.

Als der Gouverneur der kamerunischen Region Sud-Ouest am 6. Juni in Fabe und Toko zu Besuch war, trugen die Einheimischen T-Shirts mit dem Slogan «SGSOC raus  - keine Plantagen in unserem Land» und hielten Banner hoch mit der Aufschrift «Willkommen in Toko, Herr Gouverneur. Wir sagen Nein zu SGSOC/Herakles Farms». Einige Dorfbewohner von Fabe legten zudem traditionelle Symbole des juju-Voodoo-Zaubers wie Palmblätter vor dem Eingang der Plantage ab, um die Arbeiter von SGSOC davon abzuhalten, die Palmölfelder zu betreten.

Infolge der Proteste kam es zu massiven Einschüchterungsversuchen und Verhaftungen. Die Demonstranten wurden zum Polizeirevier von Mundemba gebracht, wo einige der Dorfbewohner mehrere Tage lang festgehalten wurden.

Entgegen landläufiger Behauptungen wird die Palmölfarm dem Land zudem nicht den erhofften Geldregen bringen. Herakles Farms hat es irgendwie geschafft, einen Vertrag auszuhandeln, der extrem vorteilhaft für das Unternehmen ist. Beispielsweise profitiert das Agrarunternehmen von umfangreichen Steuervergünstigungen und die Bodenpacht ist so niedrig (1 US-Dollar pro Hektar), dass die Staatseinnahmen quasi gegen Null laufen, während SGSOC ganze 99 Jahre lang weder Abgaben auf den Import noch auf den Export zahlen muss. Ungewiss ist auch, ob auf den Plantagen die arbeitsrechtlichen Bestimmungen von Kamerun Anwendung finden.

Herakles Farms setzt alle Hebel in Bewegung, um zu verhindern, dass Meldungen dieser Art in Umlauf geraten, und spricht stattdessen weiterhin lieber von «Zusammenarbeit», «Unterstützung in der Bevölkerung» und «Wirtschaftswachstum». Fakt ist jedoch, dass für Herakles Farms ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen hat. Schon bald könnten tausende seiner Ölpalmen-Setzlinge zu alt sein, um eingepflanzt zu werden – für das Unternehmen ein immenser Verlust an Zeit und Geld.

Herakles setzt zudem alles daran, sich auch weiterhin die Unterstützung durch den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO), der Herstellern Nachhaltigkeitszertifikate verleiht, zu sichern. Dieses Zertifikat nicht zu erhalten, wäre für das Unternehmen mit einem Glaubwürdigkeitsverlust bei seinen potenziellen Käufern und Investoren verbunden.

Eine unabhängige Untersuchung durch das High Conservation Value Resource Network Technical Panel hat ergeben, dass das von SGSOC in Auftrag gegebene Gutachten zur Ausweisung schützenswerter Lebensräume (High Conservation Value, HCV) eklatante Mängel aufwies. Der RSPO sieht sich nun mit zwei förmlichen Beschwerden durch den WWF und SAVE konfrontiert und wurde von kamerunischen und internationalen Organisationen und Wissenschaftlern heftig kritisiert. Greenpeace bleibt nur zu hoffen, dass der RSPO so bald wie möglich bestätigt, dass das von Herakles Farms geplante Palmölprojekt für eine Zertifizierung schlichtweg ungeeignet ist.

Das geplante Palmölprojekt von SGSOC ist das falsche Vorhaben am falschen Ort. Dieses Projekt muss gestoppt werden. Anstatt ein Vorbild für nachhaltige Palmölproduktion in Kamerun zu sein, schürt dieses Vorhaben ernste soziale Konflikte und könnte dazu führen, dass in einem der ökologisch sensibelsten Gebiete Afrikas Regenwälder grossflächig für immer zerstört werden.

Aus diesem Grund hat Greenpeace an potenzielle Investoren wie die Afrikanische Entwicklungsbank (ADB) appelliert, sich nicht an diesem umstrittenen Palmölprojekt von SGSOC finanziell zu beteiligen.

Filip Verbelen ist Waldcampaigner bei Greenpeace International