Das EU-Parlament hat heute über das Herzstück der Reform der gemeinsamen EU-Fischereipolitik abgestimmt. Es hat der Überfischung sowie dem Beifang erfreulicherweise den Kampf angesagt. Meeresexperte Thilo Maack von Greenpeace Deutschland kommentiert diesen wichtigen Schritt in eine nachhaltigere europäische Fischerei:

Mit Spannung haben wir und die ganze Meeresschutzszene die Abstimmung erwartet (auf Twitter nachlesen), und bis zuletzt hatte die Gegenseite alle Hebel in Bewegung gesetzt. Aushebeln liess sich dieser dringend notwendige Paradigmenwechsel jedoch nicht.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Es wurde für Massnahmen gestimmt, die den Fischereidruck auf die Fischbestände verringern und sie bis zum Jahr 2015 zu einer nachhaltig nutzbaren Grösse aufbauen sollen.
  • Rückwürfe sollen schrittweise verboten werden.
  • Für europäische Schiffe, die in aussereuropäischen Gewässern unterwegs sind, sollen die gleichen Regeln gelten wie für die Schiffe in EU-Gewässern.
  • Die EU-Staaten sollen ihre zu grossen Flotten abbauen und in Einklang mit den Fangmöglichkeiten bringen.
  • Die nachhaltige, kleinskalige und handwerkliche Fischerei soll bevorzugte Zugangsrechte zu den Fangmöglichkeiten erhalten. (Mehr Informationen auf der Seite des EU-Parlaments)

Bisher hat besonders die Überfischungsindustrie von der EU-Fischereipolitik profitiert – und ohne Rücksicht auf den Schutz der Ozeane oder kleine Fischereibetriebe die Meere geplündert. Gerade haben meine Kollegen von Greenpeace UK einen Report veröffentlicht, der am Beispiel Grossbritannien zeigt, wie die Fischereipolitik von industriellen Lobbyisten gelenkt wird. Doch zurück zur heutigen Entscheidung: Mit einer angemessenen Fangquote und dem Verbot, unerwünschten Fang im Meer zu entsorgen, werden sich bedrohte Fischbestände, wie zum Beispiel der Nordseekabeljau, erholen können.
Was das Rückwurf-Verbot allerdings für die deutsche Krabbenfischerei bedeutet, ist nach wie vor ungeklärt. Dieser Fischereizweig ist bekannt für seine hohen Beifänge, in denen zahlreiche Meerestiere wie Muscheln, Krebse und Seesterne, aber auch Jungschollen und andere Speisefische verenden. Das muss aufhören.

Jetzt liegt der Ball wieder im Feld des Rates der Fischereiminister, der zu den Parlamentsvorschlägen Stellung beziehen muss. Das wird in den nächsten Wochen passieren. Es ist davon auszugehen, dass Spanien und Frankreich die Argumente der Überfischungsindustrie massiv im Rat vertreten werden und es dort zu hitzigen Debatten kommen wird. Die irische EU-Ratspräsidentschaft strebt den Abschluss des Reformprozesses für Ende Juni 2013 an.


Mittwoch, 6. Februar 2013

© Alex Hofford