Eine Fläche von mindestens 40 Quadratkilometern wurde überflutet.

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Aus der Aluminiumfabrik MAL AG im Westen Ungarns fließt seit Montag ungehindert giftiger Rotschlamm in die Umwelt, der Staat reagiert erst 24 Stunden später mit dem Einsatz von Katastrophenteams und die Firma MAL AG spricht auf ihrer Website  lediglich von einer „bedauernswerten Naturkatastrophe“. Ein Greenpeace Team befindet sich vor Ort.

 Am Montag mittag brach die giftige Schlammwelle in die Ortschaften Kolontár und Devecser ein. Mittlerweile ist von einem Million Quadratkilometer des Schlamm-Wasser-Gemischs und einem überfluteten Gebiet von 40 Quadratkilometer die Rede.
Vier Menschen sind bisher durch die Chemiekatastrophe ums Leben gekommen, über 120 sind verletzt und sieben werden noch vermisst. 400 weitere mussten evakuiert werden. Das seit Tagen bestehende Hochwasser dramatisiert die Lage zusätzlich, der austretende Schlamm hat sich sofort mit dem Wasser vermischt und ist in die naheliegenden Gewässer geflossen, die es nun ungehindert weiterleiten.
Auch die Raba und Donau sind von einer Kontaminierung bedroht.
Ungarns Umweltstaatssekretär Zoltán Illés spricht von einer "ökologischen Katastrophe" und das Militär versucht durch Verteilen "neutralisierender" Flüssigkeiten und provisorischer Abdichtung der gebrochenen Dämme die Lage zu kontrollieren.

 "Es ist zu befürchten, dass die Umwelt durch den giftigen Schlamm erheblichen Schaden nehmen wird. Sickert der Schlamm in den Boden, ist nicht nur die Vegetation, sondern auch das Trinkwasser gefährdet“, beschrieb Zsolt Szegfalvi, Präsident von Greenpeace Ungarn die Lage. Selbst wenn die Flutwelle gestoppt werden kann und das Hochwasser aufhört, ist die Lage noch nicht unter Kontrolle, denn „Wenn der giftige Schlamm trocknet, wissen wir immer noch nicht, wie es mit der Abtragung und Verteilung durch den Wind aussieht“, so Szegfalvi. Auch die ökonomischen Folgen, der Katastrophe für die Agrarwirtschaft der Region sind nicht abzuschätzen.

Facts:
Rotschlamm ist ein Abfallprodukt der Aluminiumproduktion und enthält neben giftiger Natronlauge auch Anteile von Blei. Aufgrund seiner toxischen Eigenschaften für Natur und Umwelt muss die Masse in Auffangbehältern gesammelt und neutralisiert werden. Zum Größenvergleich: Bei einer Produktion von einer Tonne Aluminium fallen etwa 1,5 Tonnen Rotschlamm an. In Ungarn hat eine Schlammlawine den Damm eines solchen Auffangbehälters gebrochen und sich mit dem seit Tagen bestehende Hochwasser vermischt.

 


Weitere Informationen zur Umweltkatastrophe in Ungarn
Greenpeace-Team untersucht giftigen Schlamm vor Ort
Wikipedia-Seite zur Umweltkatastrophe