Liebe Indonesien-Fans,

Heute moechte ich von Jakarta und Java sprechen und nicht von Greenpeace. Java, die Hauptinsel des indonesischen Archipels, ist durchzogen von etwa 40 Vulkanen, die um die 3000 Meter hoch sind. Mit einer Fläche von 130'000 km2 (entspricht der Grösse von Österreich und der Schweiz) beherbergt die Insel ca. 100 Mio Menschen (zum Vergleich: die Schweiz und Österreich zusammen kommen nur auf 16 Millionen Einwohner), und ist damit einer der dichtbesiedeltsten Orte der Welt.

Jakarta, die Hauptstadt Indonesiens, wird fast allen Clichés einer explodierenden 20 Mio-Menschen-Metropole der Südhemisphäre gerecht: Lärmig, schmutzig, geschäftig, sozial und kulturell kontrastreich, mit wenigen grünen Oasen, Slums an den Ufern kloakenähnlicher Flüsse und moderne futuristische, in den Himmel schiessende Geschäftsviertel.

Es gibt viele Leute, die auf Bänken am Strassenrand sitzen und dich beim Vorbeigehen mustern, wie in einem kleinen Dorf. Es gibt immer ein Lächeln zu erwidern und ein paar nette Worte zu verteilen, wie „Selamat pagi“, Guten Morgen, „Selamat siang“, Guten Tag, „Selamat sore“, Schönen Nachmittag, „Selamat malam“, Guten Abend oder auch „Selamat makan“, Guten Appetit. „Selamat“ ist eigentlich immer positiv und lässt sich mit allem kombinieren. Ich habe daher nie das Gefühl, mich in einer anonymen Stadt zu bewegen.

Jakarta – eine sichere Stadt?

Und was ist mit der Kriminalität, die in Grossstädten bekanntlich gedeiht? Als abgehärteter Brasilienreisender staunte ich in Jakarta nicht schlecht: Nirgends sieht man Gitter vor den Fenstern, keine hohen Mauern, keine Glasscherben auf der Mauerkrone. In den ärmeren Quartieren ist Kriminalität kein wirkliches Thema. Velos stehen herum, Topfpflanzen, sogar funktionstüchtige Fernseher übernachten unter dem Vordach. Wird jemandem etwas gestohlen, genügt schon ein lautes „tolong“, Hilfe, und die Menschen rundherum stürzen sich auf den Dieb und verprügeln ihn so, dass es ungewiss ist, ob der Übeltäter lange genug überlebt, um zur Polizei geführt werden zu können. In den reichen Quartieren, wo die Solidarität in der Nachbarschaft schwach ist, haben es die Diebe einfacher, weil sie es „nur“ mit der Polizei zu tun haben.

Mit herzlichen Gruessen aus dieser verkehrten Welt! Christian