Der japanische Nuklearingenieur Masashi Goto war in den letzten Tagen in der Schweiz, um über die Ursachen und Folgen der Atomkatastrophe in Fukushima zu berichten. Seine Botschaft: Bei Reaktoren gibt es nur eine Sicherheit: Sie können explodieren. 

Der Nuklearingenieur Masashi Goto

Greenpeace / Nicolas Fojtu

 

Goto hat 20 Jahre lang bei Toshiba gearbeitet und sich als Planer und Forscher vertieft mit Siedewasserreaktoren befasst,  wie sie es in Fukushima und Mühleberg gibt.  Nun ist er einer der prominentesten Atomkritiker in seinem Land und doziert an verschiedenen Universitäten. Gestern hat er in Zürich einen öffentlichen Vortrag gehalten und minutiös dargestellt, dass es bei AKWs keine vollständige Sicherheit geben kann.

"Externe Faktoren wie Erdbeben, technische Fehler bei Maschinen und das menschliche Versagen können jederzeit und überall dazu führen, dass wir die Nukleartechnologie nicht mehr im Griff haben", sagte der Ingenieur, der mit wenig Emotionen und viel Fachkompetenz dem Sicherheitsmythos der Atomindustrie widersprach.

Diese Lehre aus Fukushima hat in der Schweiz noch nicht das nötige Echo gefunden. Am Vortrag dabei für eine anschliessende Podiumsdiskussion war auch Stefan Müller-Altermatt, CVP-Nationalrat aus dem Atomkanton Solothurn. Der Energiepolitiker versucht zurzeit einen Kompromissvorschlag einzufädeln, damit die Betreiber der AKWs selber die Laufzeiten der Anlagen beschränken können. „Wir müssen schauen, dass die Ausstiegsallianz nicht zerbröckelt“, begründet er seine Salami-Taktik. In der Zwischenzeit könne man dem ENSI vertrauen, dass es die Sicherheit der Anlagen garantiere.

Nichts gelernt aus Fukushima? Wie eine unabhängige Untersuchungskommission aufzeigte (siehe hier), hatte man auch in Japan ein blindes Vertrauen in die Aufsichtsbehörde; zwei Jahre nach dem GAU haben die japanischen Atombefürworter sogar wieder Wind in den Segeln. Masashi Goto will trotzdem (oder gerade deswegen) seine Aufklärungsarbeit beharrlich weiterführen. Ein zweites Fukushima dürfe es nicht geben. Niemals. Nirgendwo.

Masashi Goto vor dem zahlreich erschienenen Publikum

Greenpeace / Nicolas Fojtu