In Doha/Katar ist heute die 18. UN-Klimakonferenz gestartet. Während zweier Wochen werden die Staatsoberhäupter erneut darüber beraten, wie der Klimawandel in den Griff zu kriegen ist. Greenpeace fordert, das Kyoto-Protokoll um fünf Jahre (bis 2017) zu verlängern und die ungenutzten Emissions-Rechte aller Länder erlöschen zu lassen.

*Alex Hauri ist Klimaexperte bei Greenpeace Schweiz

Klimawandel ist längst keine Bedrohung der Zukunft mehr, sondern tägliche Realität: mit Dürren, wie diesen Sommer in den USA und immer stärker im Sahel. Mit extremem Monsun, wie in Assam im Nordosten Indiens oder mit Überschwemmungen wie in Peking, Manila und aktuell in Gross-Britannien. Klar ist: nur mit einem drastischen weltumspannenden Richtungswechsel in der Klimapolitik kann die Erderwärmung auf maximal zwei Grad noch erreicht werden.

Das geht auch aus den kürzlich erschienenen Berichten der Vereinten Nationen The Emissions Gap Report 2012 und der Weltbank Turn Down the Heat hervor.

Eine besondere Verantwortung kommt der Europäischen Union und der Schweiz zu. Die EU ist nach China und den USA die weltweit drittgrösste Verursacherin von klimaschädlichen CO2-Emissionen. Die Schweiz hat sogar noch einen massiv höheren CO2-Ausstoss pro Kopf als die EU, und muss daher als international respektiertes und hoch technologisiertes Land als Vorbild in den Verhandlungen vorausgehen.

Von  der Schweiz erwartet Greenpeace eine Reduktionsverpflichtung von minus 40% bis 2020, die EU muss im gleichen Zeitraum um 30%  reduzieren (immer gegenüber Stand 1990). Am UN-Klimagipfel muss das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll bis 2017 verlängert werden. Aus der ersten Vertragsperiode 2008 bis 2012 sind noch ungenutzte Emissionszertifikate in der Grössenordnung von weltweit 13 Milliarden Tonnen CO2 im Umlauf. Dies entspricht etwa 40 Prozent des jährlichen weltweiten Treibhausgas-Ausstosses. Diese dürfen auf keinen Fall in die nächste Verpflichtungsperiode übernommen werden. Ansonsten würde das Koyoto-Protokoll massiv geschwächt. 

 

Industrienationen müssen Grünen Klimafonds flott machen

Ein weiterer Schwerpunkt der Verhandlungen ist die finanzielle Unterstützung von Entwicklungs- und Schwellenländern. Ihnen soll ermöglicht werden, eine klimafreundliche Energieversorgung weg von Kohle und Öl aufzubauen, die Entwaldung zu stoppen und sich gegen die Folgen des Klimawandels zu rüsten.

Doch ist der Grüne Klimafonds der UN weiterhin leer. Greenpeace fordert von den reichen Nationen ab  2013 bis 2015 Beiträge von jährlich 60 Milliarden Dollar. Zudem braucht es einen Plan, wie das an früheren Verhandlungen gesteckte 100-Milliarden-Ziel bis 2020 erreicht werden kann. Die Schweiz, die EU und die übrigen wichtigen Industrieländern müssen klare finanzielle Zusagen machen.

Wirkungsvollen Klimaschutz zu gestalten – das bedeutet vor allem auch, die verbleibenden tropischen Wälder zu schützen. Rund 20 Prozent der globalen CO2-Emissionen sind auf die Zerstörung von Wäldern zurück zu führen. Die Regierungen müssen in Doha einen funktionierenden Modus vereinbaren, damit Waldschutz in Entwicklungsländern Fuss fassen kann und belohnt wird.

 

Eisbären in der Arktis

© Daniel Beltrá / Greenpeace