Blauflossenthunfische, die vor der Küste Kaliforniens gefangen wurden, sind mit radioaktiven Stoffen belastet. Forscher sind sich einig: Die Verstrahlung stammt von der Reaktorkatastrophe in Fukushima im März 2011, bei der grosse Mengen radioaktiver Stoffe ins Meer gespült wurden.

Mittwoch, 30. Mai 2012

© Greenpeace /Gavin Newman Blauflossen Thunfische im Mittelmeer

Im Vergleich zu Proben aus dem Jahre 2008 sind die bereits im August 2011 untersuchten Fische deutlich höher mit Cäsium 137 belastet. Ausserdem fand sich ein weiterer radioaktiver Stoff, Cäsium 134. Die Laichgebiete des Blauflossenthuns liegen in den Gewässern des westlichen Pazifiks vor der japanischen Küste. Auf Nahrungssuche wandern die Jungfische dann nach Osten und erreichen schliesslich die kalifornische Küste.

Marc-Oliver Aust, Wissenschaftler am Thünen-Institut für Fischereiökologie in Hamburg zufolge ist der Verzehr des strahlenbelasteten Blauflossenthuns für den Menschen nicht gefährlich. In einer Portion Fisch von 200 Gramm wären 0,064 Mikrosievert Cäsium 134 und 137 enthalten. Durch die natürliche radioaktive Strahlung nimmt man in Deutschland pro Jahr eine Dosis von rund 2300 Mikrosievert auf.

In Lebensmittel gehören radioaktive Stoffe natürlich dennoch nicht, deshalb fordert Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace Deutschland, Kontrollen. So stammt der in Deutschland beliebteste Speisefisch, Alaska Pollack, aus der Beringsee. Die nordweisende Strömung entlang der japanischen Küste hat möglicherweise auch einen Teil der Radioaktivität in die Gewässer der Beringsee gebracht. «Standardmessprogramme müssen sicherstellen, dass wir in Deutschland keine Speisefische mit radioaktiver Belastung auf dem Teller haben», so Maack.

Quecksilber und andere gute Gründe, den Thunfisch vom Speiseplan zu streichen

Neben der Radioaktivität gibt es auch noch andere Argumente, die gegen Thunfisch auf dem Teller sprechen. In Presseerklärungen rät das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) seit Jahren vom Verzehr grosser Thun- und Schwertfische ab, weil die Tiere stark mit Schwermetallen und chlororganischen Verbindungen belastet sind. Gerade grosse Raubfische am Ende der Nahrungskette, tragen oft gesundheitsschädigende Stoffe wie Quecksilber in sich. Die Verschmutzung der Meere führt dazu, dass sie die Giftstoffe über ihre Nahrung aufnehmen. Besonders bei grossen Fischen, die ein hohes Alter erreichen, wie dem Blauflossenthun, reichern sich die Schadstoffe mit der Zeit an.

Neben der Gefahr für den Menschen gibt es einen weiteren guten Grund, beim Fischkauf genau hinzusehen: Viele Bestände beliebter Speisefischarten sind überfischt oder werden mit einer Methode gefangen, die den Meeresboden zerstört oder den Tod vieler ungewollt mitgefangener Meerestiere billigend in Kauf nimmt. Dazu gehört auch die Mehrzahl der Thunfischarten sowie weitere beliebte Speisefischarten wie der Nordseekabeljau.

Quelle: Greenpeace Deutschland