02/12/2004. Greenpeace fordert von Novartis die Totalsanierung ihrer Chemiemülldeponien / © Greenpeace / Ex-Press / David Adair

 

Das BAFU scheint aus dem Unfall- und Altlastenstandort Schweizerhalle nicht gelernt zu haben. Statt Chemiegefahren mittels geeigneter Untersuchungsmethoden zu erkennen und beseitigen, schaut das Bundesamt für Umwelt (BAFU) lieber weg. Deshalb lehnen Greenpeace sowie die Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz die vom BAFU in die Vernehmlassung gegebene Revision der Altlastenverordnung ab und wehren sich gegen einen Abbau von Standards im Umgang mit belasteten Standorten wie Schweizerhalle & Co.

Matthias Wüthrich, Chemieexperte von Greenpeace, sagt: «Greenpeace setzt sich seit Jahren für die Lösung des Altlastenproblems auf Kosten der Verursacher ein – auch beim Unfall- und Altlastenstandort Schweizerhalle. Um Verschmutzungen durch Giftstoffe überhaupt zu erfassen und die Schadstoff-Vielfalt bei komplexen Altlasten in den Griff zu bekommen, sind Screening-Analysen zwingend notwendig. Dies zeigen auch die Erfahrungen von Greenpeace bei Chemiemülldeponien in Monthey (VS), Bonfol (JU), Elsass (F) oder Südbaden (D). In Muttenz (BL) wurde die Belastung des Trinkwassers von über 200'000 Menschen in und um Basel nur dank Screenings entdeckt. Indem das BAFU aber Grenzwerte erhöht und Analysemethoden weiter einschränkt, statt sie mit Screenings zu erweitern, bleiben in der Schweiz zukünftig weiträumige Verschmutzungen von Grund- und Trinkwasser unerkannt – dies ist ein unhaltbares Geschenk an die Industrie mit kostspieligen Folgen für die Bevölkerung und die Umwelt.»

«Die vorliegende Verordnungsänderung bedeutet zudem eine Abkehr von der bisherigen BAFU-Politik, so genannt persistente Altlasten auf Kosten der Verursacher zu beseitigen. Diese Revision widerspricht auch dem Vorsorgeprinzip des Umweltschutzgesetzes und dem Verursacherprinzip. Das komplexe Altlasten-Problem kann nicht mit einer Erhöhung von Grenzwerten und einem zunehmend beschränkten Fokus auf ein paar wenige gelistete Schadstoffe gelöst werden. Dadurch ignoriert das BAFU, dass im Untergrund über die Jahrzehnte neue Gifte entstehen können – diese können weitaus gefährlicher sein als der ursprüngliche Schadstoff», führt Wüthrich weiter aus.