Donnerstag, 25. Oktober 2012 Auch in Jacken von Kaikkialla und Mammut wurden im Greenpeace-Test hohe Konzentrationen von schwer abbaubaren Schadstoffen nachgewiesen. © Greenpeace

Bilder von waghalsigen Klettertouren und abenteuerlichen Tiefschneefahrten: Mit solchen Bildern und unberührter Natur bewirbt die Outdoor-Kleidungsbranche ihre Produkte. Doch weit gefehlt: Wetterfeste Marken-Kleidung enthält Schadstoffe, die Umwelt und Gesundheit belasten können. Die Gifte befinden sich nicht nur in der Kleidung selber, sondern weltweit in der Umwelt, in den Flüssen und Seen, sowie im menschlichen Blut. Das belegen neue Kleidertests. Betroffen sind auch die Schweizer Qualitätsmarken Mammut und Kaikkialla (Transa). Und eine eigens für Greenpeace produzierte Jacke von Zimtstern.

Zwei unabhängige Labors haben für Greenpeace Deutschland 14 Outdoor-Artikel für Damen und Kinder auf per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) und weitere Schadstoffe überprüft. Greenpeace hält die Resultate im Bericht «Chemie für jedes Wetter» fest. Die Labors fanden erhöhte Konzentrationen von PFC: In den Produkten von Kaikkialla (Eigenmarke von Transa),  The North Face, Patagonia, Jack Wolfskin, und Marmot fanden sie besorgniserregende Konzentrationen von Perfluoroktansäure (PFOA). In den Jacken von Mammut und Vaude stellten sie hohe Konzentrationen von Fluortelomeralkohole (FTOH) fest. Ein eigens für Greenpeace Deutschland produziertes Jackenmodell der Marke Zimtstern enthält ebenfalls geringe Mengen PFC.

Alle untersuchten Marken setzen PFC für Beschichtungen oder Membrane (zum Beispiel Gore-Tex®) ein. Die Fluorverbindungen können in der Umwelt kaum abgebaut werden und gelangen über Nahrung, Luft und Trinkwasser auch in den menschlichen Organismus. Jüngste Studien stellen einen Zusammenhang mit verminderter Fruchtbarkeit, Schilddrüsenerkrankungen und Immunstörungen her.

Besorgniserregend sind auch die Ergebnisse der Untersuchung auf hormonell wirksame Nonylphenolethoxylate (NPE) und Weichmacher (Phthalate): Der höchste NPE-Gehalt wurde in einer Kinder-Regenjacke von Seven Summits gefunden. Der höchste Wert an Phthalaten wurde in einem Kinder-Poncho von Northland festgestellt.

«Die Outdoor-Branche wirbt mit spektakulären Bildern und Leistungssportlern – obwohl die meisten Kunden keine Ausnahmeathleten sind, sondern Städter, die bei einer Radtour oder Herbstwanderung warm und trocken bleiben wollen», sagt Mirjam Kopp von der Chemiekampagne bei Greenpeace Schweiz. «Auch Kinder tragen bei Regen und Matsch auf dem Spielplatz oft eine 'High-Performance'-Ausrüstung mit perfluorierter Chemie. Die Outdoor-Branche hat sich vom Spezialanbieter zum Hersteller angesagter Alltagskleidung entwickelt.»

Konsumentinnen und Konsumenten sollten prüfen, ob sie eine Regenjacke für den Gipfelsturm oder einen Spaziergang benötigen. Einige Hersteller bieten bereits fluorfreie Alternativen an. Zu den wetterfesten Alternativen zählen Textilien mit Membranen aus Polyester (zum Beispiel Sympatex®) und Polyurethan. Auch diese Kleidung ist winddicht, atmungsaktiv und hält einem Wolkenbruch stand. Nur bei der Ölabweisung sind die umstrittenen PFC den fluorfreien Textilien noch überlegen.

Der Report «Chemie für jedes Wetter» ist Teil der mehrjährigen Greenpeace-Detox-Kampagne für eine giftfreie Kleiderproduktion. Erst letzte Woche hatte der britische Kleidergigant Marks & Spencer nach Puma, Nike, Adidas, H&M, C&A und Li-Ning als siebte Marke bekannt gegeben, Schadstoffe gänzlich aus seiner Produktions- und Lieferkette zu entfernen. Ob die Schweizer Outdoorfirmen sowie Supermarkt- und Modeketten nachziehen?

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