Mittwoch, 12. September 2012

Das Shell-Bohrschiff Noble Discoverer 29.08.2012, © U.S. Coast Guard Air Station Kodiak.

 

Shells Versuch in der Arktis nach Öl zu bohren, hat einen erneuten Rückschlag erfahren. Die am vergangenen Sonntag an Bord des Bohrschiffes Noble Discoverer gestartete erste Bohrung in der Chukchi See, nördlich von Alaska, musste unterbrochen werden. Bereits nach einem Tag kam das vorläufige Aus: Nach Angaben des Konzerns bewegt sich eine 50 mal 12 Kilometer grosse Meereisfläche auf die Bohrstelle zu.

Diese Entwicklung zeigt, wie gefährlich es ist in der Arktis nach Öl zu bohren. Schon der Start musste von Juli auf September verschoben werden, da sich dieses Jahr das Meereis in dieser Region sehr spät zurück gezogen hat. Das ist aber nicht der einzige Grund für die Verzögerungen des 4,5 Milliarden US Dollar teuren Ölabenteuers des Ölgiganten. Ein wesentlicher Baustein im so genannten Notfallplan für Ölunfälle ist, dass das zur Ölbekämpfung umgebaute Schiff Arctic Challenger bis heute nicht die notwendige Erlaubnis der US-Küstenwache hat, um in der rauen arktischen See agieren zu dürfen. Das Schiff liegt noch immer tausende Kilometer entfernt im US-Bundesstaat Washington.

Doch Shell lässt nichts unversucht, um noch in diesem Jahr zum Zuge zu kommen. Ihr abstruser Vorschlag an die zuständigen Behörden: Shell fängt mit den Bohrungen an, stoppt aber rechtzeitig, bevor sie auf ölführende Schichten treffen. Erst wenn die Arctic Challenger mit den notwendigen Papieren eintrifft und einer Verlängerung der Bohrerlaubnis über den genehmigten Zeitraum hinaus zugestimmt wurde, dringen die Bohrer tiefer in den arktischen Boden, um an das heiss begehrte Öl zu gelangen. Gefragt, genehmigt, seit Sonntag umgesetzt…

Nun kommt das Meereis auf das Bohrschiff zu und durchkreuzt schon nach wenigen Stunden die Bohrpläne. Ich frage mich, was braucht es noch, um zu zeigen, dass die Arktis kein Ort ist, um nach Öl zu bohren?

Es ist wie ein schlechter Horrorfilm mit einer realen Tragödie als Kern. Shells laufende Fehlschläge sollten endlich alle Beteiligten – Behörden, Investoren und andere Ölkonzerne mit ähnlichen Absichten – wachrütteln. Das Projekt arktische Ölbohrungen muss umgehend beendet werden!

Historische Eisschmelze in der Arktis

Die Folgen des Klimawandels zeigen sich in diesen Tagen in grösster Deutlichkeit. Noch nie seit Beginn der Messungen war die Eisfläche in der Arktis derartig klein. Bereits vor wenigen Tagen ist sie unter die Marke von 4 Mio. km2 gefallen. Damit war die Eisfläche vor 30 Jahren im Sommer noch doppelt so gross wie heute. Wissenschaftler sagen voraus, dass die Arktis im Sommer künftig komplett eisfrei sein wird. Dabei ist das Abschmelzen der Arktis ein gefährlicher, sich selbst verstärkender Effekt, welcher den Klimawandel weiter anheizt. Das Greenpeace Schiff Arctic Sunrise reist derzeit an den äussersten Zipfel des verbliebenen Meereises. Gemeinsam mit renommierten Forschern des US National Snow and Ice data Centre  (NSIDC) und der Cambridge Universität wird Greenpeace vor Ort Zeugnis vom vollen Ausmass der Klimakatastrophe ablegen.

Weiteres Öl aus der Arktis treibt den Klimawandel weiter an und verhindert die Umsetzung einer nachhaltigen Energiepolitik! Helfen Sie uns, die Arktis zu schützen!