Aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und des zunehmenden Wohlstandes werden die negativen Folgen des Klimawandels zukünftig stark zunehmen. Um das Schlimmste zu verhindern, müssen die erneuerbaren Energien in den Entwicklungsländern massiv mehr gefördert werden.

Die Welt hat ein Wachstumsproblem. Die Zahl der Menschen auf der Erde hat sich in den letzten 44 Jahren verdoppelt. Ihr Energieverbrauch wurde sich im gleichen Zeitraum verdreifacht und der Ausstoß  an Treibhausgasen nahm im gleichen Masse zu. Halten diese Trends an, so haben sie das Potenzial das ökologische Gleichgewicht der Erde soweit zu stören, dass die Lebensgrundlagen eines grossen Teils der Menschheit ernsthaft bedroht sind.

Klaus Töpfer und Reiner Klingholz* haben zusammen ein Diskussionspapier zu diesem Thema geschrieben mit dem Titel „Das Trilemma des Wachstums“. Neben den bekannten Fakten zum Thema Energie und Klima enthält ihr Artikel sehr interessante Informationen zur Weltbevölkerung und zu den Entwicklungen, die eine Gesellschaft typischerweise durchläuft. Die Grundidee dieses Artikels soll hier kurz beleuchtet werden.

Während in den sogenannt entwickelten Ländern die Geburtenraten sinken, wächst die Bevölkerung in vielen armen Staaten geradezu explosionsartig. Nach den gängigen Szenarien der UNO rechnet man bis 2050 mit ca. 9 Milliarden Menschen. Nimmt man die politisch ausgehandelte 2 Grad Celsius Erwärmung als obere Limite (die Wissenschaft geht davon aus, dass eine Erwärmung von über 2 Grad unvorhersehbare schwerwiegende Folgen haben kann), so kann die Menge an CO2 errechnet werden, die maximal noch ausgestossen werden darf. Bei genauerer Betrachtung der Zahlen wird schnell klar: bei 9 Milliarden Menschen, die weiterhin auf fossile Energien setzen, ist diese Menge CO2 schon viel zu bald in der Atmosphäre.

Die Bevölkerungsentwicklung mit politischen Massnahmen einzudämmen, ist weder ethisch vertretbar noch durchführbar. China ist bislang der einzige Staat, der eine wachsende Bevölkerungsentwicklung mit Zwangsmassnahmen verhindert hat. Dies kann und darf die Weltgemeinschaft jedoch von einem souveränen Staat nicht einfordern. In allen anderen Staaten hat sich aber gezeigt, dass Bildung, wirtschaftliche Entwicklung und die Besserstellung der Frauen in der Gesellschaft sehr schnell zu sinkenden Geburtenraten führen. So wurde beispielsweise ein starker statistischer Zusammenhang zwischen dem Prozentsatz von Frauen mit einem Sekundarschulabschluss und einer sinkenden Geburtenrate festgestellt.

Dieser Weg über Bildung, Gleichstellung und Wohlstand ist aber zwangsläufig mit einem steigenden Energieverbrauch verbunden. Die einzige Möglichkeit eine massive Überschreitung der 2 Grad Limite zu verhindern ist, dass arme Länder in ihrer Entwicklung die CO2 intensive Phase überspringen und ihre wirtschaftliche Entwicklung direkt über erneuerbare Energien vorantreiben. Einen ähnlichen Entwicklungssprung haben viele der wenig entwickelten Staaten beim Telefon gemacht. Während in Europa sich zuerst das Festnetztelefon etabliert hat und danach langsam vom Mobiltelefon abgelöst wurde, hat die Bevölkerung vieler Staaten Subsahara-Afrikas das Festnetztelefon übersprungen und sich direkt von einer weitgehend telefonlosen Gesellschaft zu einer Mobiltelefongesellschaft gewandelt.

Die schnelle Verbreitung von erneuerbaren Energien in den armen, bevölkerungsreichen Ländern des Südens ist also keineswegs ein Nice To Have sondern ein absolutes Muss für unseren Planeten. Die Unterstützung dieser Entwicklungen ist nicht eine grosszügige Geste von wohlhabenden Staaten, sondern passiert in unserem ureigenen Interesse und sollte eine viel grössere Priorität geniessen.

Noch wichtiger als die Installation von Anlagen ist die Verbreitung von Know-how im Bereich erneuerbare Energien und die Sensibilisierung für Umweltprobleme. Nur damit wird ermöglicht, die wachsende Energienachfrage zu einem grossen Teil CO2-neutral zu decken. Die Klima-Karawane hat neben dem Schutz des Regenwaldes das Ziel, die Nutzung von erneuerbaren Energien im ländlichen Afrika zu verbreiten. Im Zuge der Klima-Karawane wurden viele Leute in Solartechnik ausgebildet und breite Bevölkerungsschichten für Umweltthemen sensibilisiert. Wenn die Klimaerwärmung die 2 Grad Grenze nicht massiv überschreiten soll, führt kein Weg um Projekte wie dieses herum.

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* Klaus Töpfer ist ehemaliger UNEP Exekutivdirektor und deutscher CDU-Umweltpolitiker; Reiner Klingholz ist Direktor des Berlin Instituts für Bevölkerung und Entwicklung

Reiner Klingholz, Klaus Töpfer; „Das Trilemma des Wachstums; Bevölkerungswachstum, Energieverbrauch und Klimawandel – drei Probleme keine Lösung?“; Diskussionspapier Nr. 8, März 2012; Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung, Berlin

http://www.berlin-institut.org/publikationen/discussion-paper/das-trilemma-des-wachtums.html