Mikroskopisch kleine Feinstaubpartikel aus deutschen Kohlekraftwerken verursachen jährlich etwa 3100 vorzeitige Todesfälle in Deutschland und Europa – und somit auch in der Schweiz. Dies zeigt eine neue Studie der Universität Stuttgart im Auftrag von Greenpeace. Die neuen Kohlenkraftwerke, darunter auch jene in Lünen und Wilhelmshaven mit schweizerischer Beteiligung, werden zusätzliche Gesundheitsschäden anrichten.

Greenpeace-Aktivisten vor dem Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven

  

Das neue Kohlekraftwerk in Lünen (Betreiber Trianel), wo das Tessiner Elektrizitätswerk Azienda Elettrica Ticinese (AET) und die Regio Energie Solothurn investieren, wird laut Studie voraussichtlich 72 Todesfälle pro Jahr und 16'332 verlorene Arbeitstage verursachen. Das Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven (Betreiber GDF Suez) hingegen, wo die Bernischen Kraftwerke (BKW) beteiligt sind, wird 23 Todesfälle pro Jahr sowie 5'305 verlorene Arbeitstage zur Folge haben.

Das Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart untersuchte erstmals die atmosphärische Ausbreitung der Schadstoffemissionen und zeigt auf, welche Gesundheitsschäden die 67 leistungsstärksten deutschen Kohlekraftwerke verursachen. Grundlage für die Berechnungen lieferten Emissionsdaten aus dem Europäischen Schadstofffreisetzungs- und Verbringungsregister für das Jahr 2010 und bekannte epidemiologische Studien zu den Gesundheitsfolgen von Feinstaub.

Die 67 deutschen Kohlekraftwerke führten demnach zum Verlust von insgesamt 33’000 Lebensjahren. Dies entspricht einer statistischen Zahl von 3100 Todesfällen. Hinzu kommt der Ausfall von etwa 700’000 Arbeitstagen durch Atemwegserkrankungen, Herzinfarkte, Lungenkrebs oder Asthmaanfälle. Giftige Emissionen aus Kohleschloten wie Schwefeldioxid, Stickoxide, Russ und Staubemissionen bilden in der Luft Feinstaub. Die kleinsten Teilchen dringen beim Einatmen tief in die Lunge und Blutgefässe ein und können den Organismus schädigen.

Die Schadstoffe breiten sich europaweit über tausende Kilometer aus. „Bei Kohlekraftwerken kommt der Tod aus dem Schlot“, sagt Gerald Neubauer, Energie-Experte von Greenpeace.

Angesichts dieser verheerenden Folgen fordert Greenpeace einen vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung in Deutschland spätestens bis zum Jahr 2040. Mit diesem Ziel darf zudem keines der 17 in Bau oder Planung befindlichen neuen Kohlekraftwerke mehr ans Netz gehen. Für die Schweizer Elektrizitätswerke bedeutet dies, sich aus diesem schmutzigen Geschäft zurück zu ziehen und verstärkt in die erneuerbare Zukunft zu investieren.