Montag, 24. September 2012

Greenpeace blockiert in Estland den Giftfrachter Probo Koala. 09/25/2006 © Greenpeace / Christian Aslund

August 2006: Das Frachtschiff Probo Koala bringt hochtoxischen Abfall der Firma Trafigura zur Entsorgung an die Elfenbeinküste. Eine eben erst zugelassene kleine Entsorgungsfirma deponiert den Giftmüll in der Nähe von Wohnquartieren in Abidjan. Mit schlimmen Folgen für die lokale Bevölkerung. Kinder sterben,  über 100'000 Menschen werden krank. Trafigura, deren rechtlicher Sitz in der Schweiz ist, konnte sich bis heute der rechtlichen Verfolgung für ihre Rolle bei der Entsorgung des Giftmülls entziehen. Greenpeace hatte damals gegen den Frachter protestiert.

Drei Jahre lang haben Amnesty International und Greenpeace International recherchiert und legten nun in Dakar eine gründliche und umfassende Untersuchung des Giftmüllskandals vor. Der Titel des Berichts: «The Toxic Truth».

«Sechs Jahre sind seit dieser schrecklichen Tragödie bereits vergangen. Es ist an der Zeit, dass Trafigura dafür endlich die volle rechtliche Verantwortung übernehmen muss», sagt der Generalsekretär von Amnesty International, Salil Shetty. «Das sind wir den Menschen schuldig, die wie hier in Abidjan zu unschuldigen Opfern eines internationalen Konzerns werden, dem Profit wichtiger ist als die Gesundheit von Menschen.»

Greenpeace-Geschäftsleiter Kumi Naidoo fügt hinzu: «Dies ist eine Geschichte über Unternehmenskriminalität, über Verletzung von Menschenrechten und das Versagen von Regierungen, das eigene Volk und die Umwelt zu schützen. Es ist eine Geschichte über das Versagen der Systeme zur Durchsetzung internationalen Rechts, wenn es um die Kontrolle von Konzernen geht, die transnational arbeiten. Und es ist die Geschichte über ein Unternehmen, das Gesetzeslücken und juristische Unstimmigkeiten zu seinem Vorteil ausgenutzt hat - mit verheerenden Folgen.»

Der Bericht von Amnesty International und Greenpeace Netherlands wirft – basierend auf Aussagen von Betroffenen und medizinischen Experten – ein neues Licht auf die Folgen des Giftmüllskandals für die Menschen in Abidjan und ihren anhaltenden Kampf für Gerechtigkeit. Die beiden Organisationen haben umfassende Empfehlungen für die Internationale Gemeinschaft erarbeitet, damit sich eine solche Tragödie in Zukunft nicht wiederholen kann. Diese enthalten auch Richtlinien, wie transnational tätige Konzerne wegen Menschenrechtsverstössen und Umweltverschmutzung zur Rechenschaft gezogen werden können. Ausserdem fordern Amnesty International und Greenpeace die britische Regierung auf, eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung über die Rolle Trafiguras in dem Giftmüllskandal einzuleiten. Viele der Entscheidungen, die zu der Tragödie führten, wurden nämlich vom britischen Zweig der Trafigura Corporate Group getroffen.

Trafigura ist eines der Fallbeispiele der von Amnesty International, Greenpeace Schweiz, der Erklärung von Bern und rund 50 weiteren NGOs in der Schweiz geführten Kampagne «Recht ohne Grenzen». Darin werden Bundesrat und Parlament aufgefordert dafür zu sorgen, dass Firmen mit Sitz in der Schweiz weltweit Menschenrechte und Umwelt respektieren.

In Genf treffen sich vom 25. - 28. September 2012 die Vertragsparteien der Basler Konvention: Diese könnten darauf hinwirken, dass Giftmüll aus Industrieprozessen künftig nicht mehr an Bord von Schiffen in ärmere Länder verfrachtet und dort entsorgt werden darf.

Trafigura Report