Montag, 25. Februar 2013

© Greenpeace / Pieter Boer

Imker haben heute zusammen mit Aktivistinnen und Vertretern von Greenpeace Schweiz vor dem Bundeshaus Bienenkästen deponiert. Darin befanden sich ein Brief an Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des Bundesamtes für Landwirtschaft, sowie die seit Februar 2012 gesammelten 80'103 Unterschriften besorgter Bürgerinnen und Bürger für sofortige Massnahmen gegen bienenschädliche Pestizide.

Im Januar 2013 hatte die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mitgeteilt, dass die Insektizide Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam der Gruppe der Neonicotinoide eine Gefahr für Honig- und Wildbienen darstellen. Neonicotinoide sind Nervengifte der Agrokonzerne Syngenta oder Bayer und werden zur Saatgutbeizung eingesetzt oder direkt auf die Kulturpflanze gespritzt. Sie sind um ein Hundertfaches giftiger als andere Insektizide. Diverse Studien belegen, dass schon eine geringe Dosierung bei Bienen zu Flug- und Navigationsproblemen führen, die Fortpflanzungsfähigkeit sowie die Fähigkeit für eine effiziente Nahrungssuche reduzieren. Es wird vermutet, dass Neonicotinoide sich in der Kombination mit einer artenarmen Umwelt negativ auf die Widerstandsfähigkeit von Bienen auswirken.

In der EU wird demnächst über ein partielles Verbot von Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam abgestimmt. Während auf EU-Äckern schon bald bienenfreundlicher produziert werden könnte, sind diese Produkte in der Schweiz noch immer zugelassen. Gebeizt sind laut Bundesrat in der Schweiz praktisch 100 Prozent des Rapssaatguts, 95 Prozent der Zuckerrüben, 5-10 Prozent des Maissaatguts und viele Gemüsesorten mit Neonicotinoiden. Kulturen werden auch damit bespritzt. In Deutschland, Italien, Slowenien und Frankreich sind diese Mittel teilweise verboten.

Es herrscht dringender Handlungsbedarf: Vor allem Imker aus Europa und Nordamerika vermelden seit den späten 1990er-Jahren ungewöhnliche hohe Verluste von Bienenvölkern. Stark davon betroffen sind mittel- und südeuropäische Länder – auch die Schweiz mit einem 50-prozentigen Völkerverlust im letzten Winter.

Wenn Bienen als Bestäuber ausfallen, schadet dies nicht nur der Umwelt, sondern auch der Nahrungsmittelproduktion. Der volkswirtschaftliche Wert der von Bienen erbrachten Bestäuberleistung wird jährlich mit rund 260 Mio. CHF veranschlagt. Diese wertvolle Bestäubungsarbeit muss auch in Zukunft gewährleistet sein. Die Hauptursachen für das Bienensterben sind Parasiten, schwindende artenreiche Lebensräume und ein entsprechend monotoneres Nahrungsangebot, die bei Honigbienen schmale genetische Basis, aber eben auch die chemieintensive Landwirtschaft. Der Einsatzstopp von bienenschädlichen Insektiziden ist ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Bienen, der sofort umsetzbar ist.

«Das Verschwinden der Bienen ist ein Symptom einer fehlgeleiteten Landwirtschaft, die intensiv Chemikalien einsetzt und die Artenvielfalt reduziert», sagte Marianne Künzle, Landwirtschaftsexpertin bei Greenpeace Schweiz. «Davon profitieren in erster Linie mächtige Konzerne wie Syngenta oder Bayer. Die einzige zukunftstaugliche Lösung ist ein Paradigmenwechsel hin zu einer ökologischen Landwirtschaft.»

»» Hier gibts Bilder der Übergabe der Unterschriften