Die giftige Schlammlawine, welche diese Woche aus einem Werk der ungarischen Aluminumfabrik MAL AG entwichen ist, hat nun offensichtlich die Donau erreicht. Dies ergaben Messungen am Zusammenfluss von Raab und Donau. Dieser Giftunfall stellt eine der grössten Umweltkatastrophen in der Geschichte Ungarns dar. Die Gefahr für Mensch und Tier ist längst nicht gebannt. Die stark ätzende, schwermetallhaltige Schlacke ruft Verbrennungen an der Haut hervor und kann Schäden am Nervernsystem sowie dem Erbgut hervorufen. Experten gehen davon aus, dass die Natur langfristig Schaden nehmen wird.

Häuser im von der Schlammlawine verseuchten Gebiet. ©Greenpeace/Waltraud Holzfeind

Häuser im von der Schlammlawine verseuchten Gebiet. ©Greenpeace/Waltraud Holzfeind

Greenpeace hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Umweltkatastrophe ein Experten-Team zur Abklärung der Schäden vor Ort entsandt. Wir fordern von den Eigentümern der MAL AG die volle Übernahme aller Kosten für die Schadensbeseitigung und Schadenersatzzahlungen für die betroffene Bevölkerung in Ungarn. Die beiden Hauptaktionäre der Firma zählen zu den dreissig reichsten Ungaren. Dagegen ist die Ankündigung der Firma, den Menschen eine Entschädigung von lediglich 110'000 Euro zu zahlen, nicht nur inakzeptabel, sondern angesichts der Todesfälle, der Verletzten und der Schäden vor Ort hochgradig zynisch. Wir fordern zudem sowohl von der Aluminium-Firma als auch von den ungarischen Behörden volle Transparenz sowie die lückenlose Aufklärung der Giftschlamm-Katastrophe.

Bei den beiden Hauptaktionären handelt sich um den bekannten Ungarn Lajos Tolnay und die Industriellen-Familie Bakonyi, deren Sohn Zoltan Bakonyi auch als Geschäftsführer der MAL AG tätig ist. Gemeinsam haben Tolnay und die Familie Bakonyi die ehemals staatliche ungarische Aluminiumindustrie im Jahre 1995 zu günstigen Konditionen übernommen und sind seit damals in den Klub der reichsten Ungarn aufgestiegen.

Den beiden werden beste Beziehungen zur ungarischen Spitzenpolitik nachgesagt. «Angesichts der Tragödie wäre es mehr als angebracht, wenn die beiden Eigentümer die seit fünfzehn Jahren angesammelten Gewinne aus ihren Aluminium-Geschäften den Opfern des Unfalls zur Verfügung stellen»,  fordert Greenpeace-Chemiker Herwig Schuster.


Weitere Informationen zur Umweltkatastrophe in Ungarn
Greenpeace-Team untersucht giftigen Schlamm vor Ort
Erster Hintergundbericht vom 5. Oktober 2010
Wikipedia-Seite zur Umweltkatastrophe