Am Samstagabend legte die Rainbow Warrior III nach einer viertägigen Erprobungsfahrt wieder am Dock der Fassmer Werft bei Bremen an. Das neue Greenpeace-Schiff hatte auf der Reise nach Helgoland und zurück eine lange Reihe von Tests absolviert und war dabei auch zum ersten Mal einen ganzen Tag gesegelt.

Von Thomas Jucker / an Bord der RW3

Kurz nach Sonnenaufgang lief die „Rainbow Warrior“ am Samstag aus dem kleinen Hafen der Nordsee-Insel Helgoland aus. Es war der vierte Tag einer Erprobungsreise, in deren Verlauf so unterschiedliche Manöver wie Rückwärtsfahren, Fahren unter Elektromotor oder das Landen eines Helikopters auf dem Helideck getestet wurden. Teil der Erprobung war auch das Setzen und Bergen der fünf riesigen Segel. Am Donnerstag waren vier der Segel zum allerersten Mal für kurze Zeit ausgerollt worden. Tags darauf wurden die Segeltests fortgesetzt, und am Samstag fuhr das Schiff unter Segeln von Helgoland zurück zur Wesermündung, nur zeitweise und zu Testzwecken unterstützt vom Diesel- oder vom Elektromotor.

RW3 vor Helgoland

Die neue Crew

An Bord des 58 Meter langen Schiffes waren Ingenieure und Techniker der Werft und verschiedener Zulieferfirmen, wie Mastenbauer und Segelmacher, sowie der Hersteller der Diesel- und Elektro-Antriebe. Auch Gerard Dijkstra, der holländische Yacht-Designer, der das ungewöhnliche Schiff entworfen hat, sowie mehrere am Bau beteiligte nautische und technische Berater waren gekommen, um das Seeverhalten der neuen Konstruktion selber erfahren zu können. Gesegelt wurde das Schiff bei diesem Törn von einer Mannschaft der Werft, die auch den auf Testfahrten spezialisierten Kapitän John Marcus angeheuert hatte. Das Ganze fand unter den wachsamen Augen von drei Experten des Germanischen Lloyd statt, der Klassifizierungs-Gesellschaft, die das Schiff und seine Sicherheitsausrüstung beurteilen und abnehmen muss.

Unter den mehr als 50 Personen, die auf dieser ersten Seereise an Bord waren, befanden sich auch die beiden – sich später alternierenden – Greenpeace-Kapitäne Derek Nichols und Joel Steward, zwei Greenpeace-Radio-Offiziere und fünf Mitglieder der künftigen Greenpeace-Decksmannschaft: Sie werden das Schiff künftig über die Ozeane segeln.

Am 14. Oktober wird getauft

Projektleiter Uwe Lampe, bei Fassmer für den Bau der Rainbow Warrior zuständig, hatte die Leitung der Versuchsfahrt. Er ging am Samstagabend zufrieden von Bord: Das Schiff hatte die Erwartungen und Vorgaben auf der Reise erfüllt. Viele dieser Vorgaben, wie etwa die zu erreichende Geschwindigkeit unter Elektroantrieb, sind im Bauvertrag zwischen Greenpeace und der Werft festgehalten: Ihre Nichterfüllung hätte für die Schiffsbauer finanzielle Konsequenzen gehabt.

Nun liegt die Rainbow Warrior wieder am Quai der Werft in Berne, einer kleinen Ortschaft an der Weser zwischen Bremerhaven und Bremen. Hier werden in den kommenden Wochen verschiedene Details überarbeitet und viele kleinere Anpassungen vorgenommen, bevor das neue Schiff am 14. Oktober getauft und definitiv an Greenpeace übergeben wird. Wechseln wird dann auch die Flagge am Heck des Schiffes. Während der Erprobungsfahrt flatterte hier die Flagge des derzeitigen Besitzers und das ist nach wie vor die deutsche Fassmer Werft. Ist das Schiff schliesslich voll bezahlt und damit formell im Besitz von Greenpeace, wird die holländische Fahne am Flaggenstock gehisst.