Weltweit protestierten am Freitag Greenpeace-Arktisschützerinnen und Arktisschützer an russischen Botschaftsgebäuden und Konsulaten gegen die ungerechtfertigte Untersuchungshaft für die 30 Besatzungsmitglieder der Arctic Sunrise, darunter der Schweizer Marco Weber. Greenpeace wird gegen die Entscheidung der russischen Justiz Berufung einlegen und hat ein Appell an die russische Regierung lanciert, der in wenigen Tagen bereits von mehr als eine halbe Million Menschen unterschrieben wurde.

 


In Hamburg protestierten Mitarbeiter und Aktivisten von Greenpeace Deutschland am Freitagvormittag vor dem russischen Konsulat. Unter Bezugnahme auf die UN-Seerechtskonvention kritisieren Greenpeace International und Rechtsexperten den Piraterie-Verdacht als völlig ungerechtfertigt. In Bulgarien sind sechs Greenpeace-Aktivisten am Donnerstag wegen der Blockade einer Gazprom-Tankstelle festgenommen worden. Am Wochenende werden weltweit weitere friedliche Solidaritätskundgebungen stattfinden, darunter am Sonntag in Bern.

 

Solidarität mit den "Arctic 30"

Ein Amtsgericht in Murmansk hatte für 22 Aktivisten am Donnerstag eine zweimonatige Untersuchungshaft angeordnet, acht weitere Aktivisten müssen bis zu einer neuerlichen Voranhörung am Sonntag hinter Gitter bleiben.

Die Arctic Sunrise-Aktivisten - im Internet ist die Rede von den "Arctic 30" - hatten in der vergangenen Woche friedlich an der Gazprom-Ölplattform Prirazlomnaya in der russischen Petschorasee protestiert. Mit der Bohrinsel will Gazprom in Kürze als erster Konzern die Ölproduktion aus arktischen Gewässern aufnehmen - unter Inkaufnahme eines hohen Unfallrisikos. Der Geschäftsführer von Greenpeace International, Kumi Naidoo, sagte zu den Anschuldigungen, die 28 Aktivisten und einen freiberuflichen Fotografen und einen freiberuflichen Videofilmer betreffen:

"Gemeinsam mit Millionen Menschen auf der ganzen Welt solidarisiere ich mich mit den 'Arctic 30'. Ihr Handeln ist dadurch gerechtfertigt, dass Regierungen auf der ganzen Welt kläglich dabei versagen, die Menschen vor der Gefahr des Klimawandels zu schützen. Wir lassen uns nicht einschüchtern, wir werden die Untersuchungshaft anfechten und uns gemeinsam durchsetzen!"

 

Journalismus als kriminelle Handlung?

Unter den festgenommen Besatzungsmitgliedern aus 18 Nationen ist auch der freiberufliche Fotograf Denis Sinyakov aus Russland. Er kommentierte die Anordnung zur Untersuchungshaft mit den Worten: "Die kriminelle Handlung, der ich beschuldigt werde, heisst Journalismus. Ich werde sie fortsetzen". Ebenfalls zwei Monate Untersuchungshaft wurden für den Kapitän der Arctic Sunrise, Peter Wilcox aus den USA angeordnet. Wilcox war 1985 Kapitän der Rainbow Warrior, als diese vom französischen Geheimdienst versenkt wurde.

Weltweit haben sich Menschenrechtler, Politiker und Journalisten dem Protest angeschlossen: In Russland haben Online-Medien wie www.novayagazeta.ru Bilder auf ihren Webseiten mit einem schwarzen Kasten versehen, um gegen Sinyakovs Inhaftierung zu protestieren. Bereits am Mittwoch hatte zudem das niederländische Aussenministerium die Freilassung der Aktivisten gefordert und die Prüfung rechtlicher Schritte vor dem Seegerichtshof angekündigt. Die Arctic Sunrise fährt unter niederländischer Flagge.

Auch Sie können sich für die Arktisschützerinnen und Arktisschützer einsetzen: Schreiben sie an die russische Botschaft und fordern Sie die sofortige Freilassung von Marco und die ganze Crew der Arctic Sunrise!