Illegal gefangene Haie im Indischen Ozean © Paul Hilton / Greenpeace

Seit einer Woche nun, ist das Greenpeace Schiff, die Rainbow Warrior, auf der Überfahrt von Mauritius zu den Malediven, um dort eine der nachhaltigsten Fangmethode, Pole& Line, zu dokumentieren.

Die Wolken hängen schwer im grauen Himmel und die Wellen kräuseln sich im Wind als wir im marinen Schutzgebiet der Chagos, das 2010 von der Britischen Regierung etabliert wurde, ankommen. In dem gesamten Gebiet, das zu den grössten marinen Schutzgebieten der Welt zählt, ist es strengstens untersagt zu Fischen.

Es war kurz vor der Mittagspause als uns der Kapitän zu sich auf die Brücke rief. Eine dunkle Silouhette war am Horizont erschienen. Schnell griffen wir zu den Ferngläsern und liessen das Objekt nicht mehr aus den Augen. Schon bald entpuppte es sich als Schiff -  nur wenige Meilen entfernt.

Sein automatisches Identifikationssystem (AIS) war ausgeschaltet. Genug, um auf das gesamte Kampagnen-Team verdächtig zu wirken und die Crew in Alarmbereitschaft zu versetzen. Immerhin befanden wir uns nach wie vor in Mitten des Hochrisiko-Gebiets für Piratenangriffe. Doch wir blieben auf Kurs. Und am Horizont erschienen zwei weitere Schiffe.

Als wir nahe genug an dem Schiff waren, um die Identifikationsnummern zu lesen, stellte sich heraus, dass es sich um kleine Fischerboote aus Sri Lanka handelte. Zwei davon waren nicht auf der Liste der Indian Ocean Tuna Commission (IOTC) zu finden und hatten demzufolge keine Berechtigung überhaupt in diesen Gewässern zu sein geschweige denn zu Fischen.

Es waren also Piraten. Nicht die Art Piraten, die uns gefährlich werden könnten sondern von der Sorte, die illegal die Meere plündern.

Jetzt musste es schnell gehen und eine Entscheidung auf den Tisch. Und da sich die Boote sowieso auf unserer Transit-Route befanden, entschieden wir sie genauer zu untersuchen.

Dienstag, 25. September 2012

Illegal gefangene Haie im Indischen Ozean © Paul Hilton / Greenpeace

Wir schlüpften schnell in unsere Rettungswesten und sprangen in eines der beiden Zodicas. An Bord des kleinen Schiffes, sprachen wir kurz mit dem Kapitän, und nachdem wir die Erlaubnis bekamen an Bord zu kommen, inspizierten wir den Kühlraum. Wie befürchtet, war er voll mit Dutzenden von Haien. Darunter auch Fuchshaie, eine, geschützte und bedrohte Art in dieser Region.

Ein weiterer Hinweis, dafür, dass Haie weltweit gnadenlos gejagt werden. Der asiatische Markt für Haiflossen boomt und das Geschäft damit ist extrem lukrativ.

Jede Stunde werden 8'000 Haie getötet, nur damit ihre Flossen als getrocknetes Statussymbol in einer Suppe enden können. Das sind 73 Millionen Haie pro Jahr. Und ich frage mich, ob ich wohl jemals einen Fuchshai lebend sehen werde und was es für die Ozeane bedeutet, wenn die Haie einmal vollends verschwunden sein werden.

Mit diesen Bildern und Gedanken im Kopf näherten wir uns dem zweiten der beiden illegalen Fischerboote. Es begann zu regnen -  ein Regen den man nur auf dem offenen Meer erleben kann – und innerhalb von Minuten waren wir komplett durchnässt. Die freundliche srilankanische Crew half uns an Bord des rutschig gewordenen Holzbootes und zeigte uns ihre Fracht: Thunfisch. Echter Bonito. Die grössten die ich je gesehen habe.

Kein ganz so spektakulärer Fund wie auf dem ersten Boot also, da aber wahrscheinlich im marinen Schutzgebiet gefangen und ohne Lizenz der IOTC, nicht weniger illegal.

Zurück an Bord der Rainbow Warrior, übermittelten wir die GPS Koordinaten und sämtliche Details wie Namen und Fracht ans Aussenministerium in London, zuständig für diese Region. Mit Nachdruck verlangten wir von den Briten, ihr ganz in der Nähe bei der nur 60 Seemeilen entfernten Militärbasis Diego Carcia vermutete vor Anker liegende Patroullienschiff «Pacific Marlin» loszuschicken, um die drei Fischerboote genauer unter die Lupe zu nehmen und die notwenigen Schritte einzuleiten.

Das zuständige Amt, versprach sie dem Vorfall anzunehmen. Doch noch ist nicht klar, ob und auf welche Weise dies tatsächlich geschehen wird. Einen Tag später jedenfalls, war das Patroullienschiff «Pacific Marlin» nach wie vor in Diego Carcia.

Illegale und Piratenfischerei ist einer der Hauptgründe für die Plünderung der Fischbestände im Indischen Ozean. Es ist Diebstahl an den Küstenregionen und die Fischerboote, die wiederholt die Auflagen missachten, müssen endgültig gestoppt werden. Unsere Ozeane brauchen bessere Kontrollen und verschärfte Fischereiregulierungen.

Das Chagos-Archipel ist Teil des britischen Territoriums im Indischen Ozean und daher verantwortlich für den Schutz dieses marinen Schutzgebietes vor Piratenfischerei.

Ohne das in Kraft treten der Schutzmassnahmen ist dieses Schutzgebiet nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben steht und illegale und Piratenfischerei wird ungehindert weiter fortschreiten. Dies ist inakzeptabel und kann so nicht weitergehen.


Es ist an der Zeit, dass etwas geschieht. Es ist an der Zeit, dass die britische Regierung etwas unternimmt.

Mittwoch, 26. September 2012

Illegales Fischerboot aus Sri Lanka © Paul Hilton / Greenpeace