Dienstag, 9. Juli 2013

© Greenpeace

Überlegen Sie sich manchmal, ob das Holz, mit dem Sie tagtäglich in Berührung kommen -  aus dem die Gartenmöbeln in ihrem Lieblingscafé sind, die Parkettfussböden in ihrer Wohnung, die Boote die sie vom Ufer aus betrachten, die Gitarre oder der Flügel am letzten Konzert auf dem Sie waren  - aus legalen und nachhaltigen Quellen stammt?

Die Frage ist alles andere als unangebracht: Es ist ein offenes Geheimnis dass jährlich beträchtliche Mengen an illegalem und nicht nachhaltigem Holz nach Europa  gelangen. Um zumindest der Illegalität die Stirn zu bieten ist deshalb seit dem 3. März 2013 die EU-Holzverordnung in Kraft. Sie verbietet neu, Holz und Holzprodukte, die aus illegalem Holzeinschlag stammen, in die EU zu importieren und auf dem EU-Markt in den Verkehr zu bringen.

Wie wichtig die Umsetzung der neuen Gesetzgebung ist, zeigt der neuste von Greenpeace aufgedeckte Fall von illegalem Tropenholzhandel aus dem Kongobecken. Der Fall zeigt ebenso auf, wie in der Schweiz basierte Firmen involviert sind und dass auch die Schweiz möglichst schnell handeln muss.

Greenpeace hat die Reise einer Ladung illegalen Holzes verfolgt (siehe auch Grafik unten). Sie beginnt in der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo), wo illegaler Holzeinschlag und illegal ausgestellte Abholzlizenzen keine Seltenheit sind. Das Wenge-Holz der Firma «Bakri Bois Corporation» (BBC) macht Zwischenhalt im Hafen von Antwerpen. Auf dem Lieferschein ist als Adressat der in Luzern basierte Holzhändler «Bois d’Afrique Mondiale» (BAM) vermerkt. Das Holz wird am 24. April in Antwerpen entladen und zwischengelagert bis ein Käufer gefunden ist. Fast zwei Monate später entdeckt Greenpeace das Holz im Furnierwerk «Danzer Bohemia Dýhárna» in Horní Pocaply, Tschechien. Die Fabrik gehört der Danzer-Group, einem weltweit agierenden Holzunternehmen mit Sitz in Baar, Zug, das bereits mehrfach in fragwürdige Geschäftspraktiken verwickelt war.

Dies wäre nun die letzte Station, bevor das illegale Holz schliesslich in Europa oder weltweit verkauft würde. Das teure Holz wird in Luxusprodukten wie Yachten oder Möbeln, aber auch in Türen oder Parkett verarbeitet. Doch die wahren Kosten dafür tragen die indigenen Gemeinden im Kongo. 

Dienstag, 9. Juli 2013

© Greenpeace

Greenpeace Tschechien hat die tschechischen Behörden dazu aufgerufen, das Holz in Gewahrsam zu nehmen und den Hergang zu untersuchen.

Auch die Schweiz muss handeln: In der Schweiz besteht eine Gesetzeslücke was den Import von illegalem Holz betrifft. Auch wenn ein Grossteil des importierten Holzes über EU Länder in die Schweiz gelangt, gibt es Direkt-Importe aus Drittländern. Auch die Rolle der in der Schweiz basierten Holzhändler und -abnehmer muss untersucht werden. Da es drei bis vier Jahre dauern kann bis eine gesetzliche Grundlage erstellt ist, muss die Schweiz so schnell wie möglich eine Übergangsregulierung ausarbeiten.

Illegales Holz

Der Handel mit illegalem Holz ist kein Kavaliersdelikt. Die UNEP/Interpol-Studie «Green carbon, black trade» schätzt, dass zwischen 15 und 30 Prozent des weltweit gehandelten Holzes aus illegalen Quellen stammt.  Illegaler Holzeinschlag ist besonders problematisch in Konflikt-Regionen mit hoher Korruption. Besonders betroffen ist der Handel mit Tropenholz. Zwischen 50 und 90 Prozent der Holzernte aus dem Amazonas und dem Kongo-Becken sowie aus Indonesien werden illegal geschlagen. Damit «erwirtschaftet» die Holzmafia einen Umsatz von 30 bis 100 Milliarden Dollar pro Jahr! Die Straftäter gehen dabei laut UNEP/Interpol ein geringes Risiko ein, profitieren gleichzeitg jedoch von hohen Gewinnmargen  – deswegen sei das Geschäft für Investoren aus aller Welt, auch aus Europa und Nordamerika, interessant. Und wer zahlt den Preis? Die sozialen und ökologischen Folgen des illegalen Holzeinschlags sind verheerend. Leidtragende sind meist die Ureinwohner in verschiedenen Teilen der Welt, denn ihre traditionellen Lebensweisen beruhen auf ökologisch intakten Wäldern.

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