Der Fukushima-Effekt ist nicht verpufft: Weltweit haben in den letzten Tagen zehntausende von Menschen an die Atomkatastrophe erinnert, die vor genau zwei Jahren stattgefunden hat. In der Politik stösst diese Botschaft aber auf taube Ohren.

Am 11. März 2011 ereignete sich in Japan der grösste Atomunfall seit Tschernobyl: Ein Erdbeben und ein Tsunami rissen 19'000 Menschen in den Tod und führten dazu, dass mehr als 300'000 Bewohner der kontaminierten Gebiete immer noch nicht zurück nach Hause können. Ganze Familien und Gemeinden wurden auseinandergerissen und werden langfristig mit gesundheitlichen Problemen konfrontiert sein.

 

„Die Katastrophe ist noch nicht zu Ende", sagte Nuklearingenieur Masashi Goto während eines Besuchs in der Schweiz. Trotzdem will der japanische Regierungschef Shinzo Abe zahlreiche Atomkraftwerke wieder in Betrieb nehmen. Dagegen sträubt sich sogar die von einer autoritätsgläubigen Kultur geprägte Bevölkerung in Japan: Zehntausende protestierten am Wochenende auf der Strasse, darunter der Literatur-Nobelpreisträger Kenzaburo Oe.

Auch in der Schweiz ist der Widerstand immer noch beachtlich gross: Am Montag Mittag haben in Genf Dutzende von Personen einen Brief an das japanische Konsulat überreicht, um die Regierung von Shinzo Abe aufzufordern, definitiv aus der Atomenergie auszusteigen. Und am Samstag errichteten 300 Atomgegner einen anti-AKW-Turm auf dem Münsterplatz in Bern: „Ein GAU kann auch hier passieren" und „Die Sonne scheint gratis", war auf dem Holz-Mahnmal zu lesen.

 

Es ist zu hoffen, dass Politik, Aufsichtsbehörden und Betreiber diese Botschaft endlich wahrnehmen. Denn die Folgekosten von Fukushima (Schätzungen gehen von über 250 Milliarden Dollar aus) und des Atommülls werden auf die Allgemeinheit abgewälzt. Dessen ungeachtet wiegt sich die politische Schweiz weiterhin in trügerischer Sicherheit – genau wie Japan vor der Katastrophe – und möchte die bestehenden AKWs weiter laufen lassen. Es geht nicht um Angstmacherei: Wie ein kürzlich von Greenpeace publizierter Bericht aufzeigt, sind die Sicherheitsmängel all zu offensichtlich, insbesondere in Mühleberg.

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