Rio+20, 20. bis 22. Juni 2012

«Neues schaffen heisst Widerstand leisten»

Informationsseite - 7. Juni, 2012
Im Juni dieses Jahres werden sich die Leader dieser Welt in Brasilien zur Umweltkonferenz «Rio+20» treffen. Schon jetzt überwiegen die pessimistischen Stimmen, welche dieser Konferenz kaum eine Erfolgschance geben.

Dabei hatte es so hoffnungsvoll begonnen, 1992, als sich in Rio de Janeiro unter der Schirmherrschaft der UNO die Mächtigen trafen und die Agenda «Rio 21» verabschiedeten. Sie wollten gemeinsame Wege suchen, wie der globale Wohlstand mit dem Schutz unseres Planeten zu vereinbaren sei. Nun, 20 Jahre und einige gescheiterte Umweltkonferenzen später, wagt kaum jemand mehr daran zu glauben. Damals wollten die Politiker die Führung übernehmen, und das Wort «Nachhaltigkeit» galt als das Zaubermittel der Zukunft. Heute sieht die Politik ratlos zu, wie eine Krise der nächsten folgt, und zu den Umweltproblemen, die schon vor 20 Jahren erkannt worden waren, sind neue, bedrohlichere hinzugekommen. «Nachhaltigkeit» ist zur Worthülse verkommen, die multinationalen Konzernen hilft, wenn sie ein grünes Feigenblatt brauchen. Die globalen Wirtschaftsvertreter haben das Sagen, und sie werden auch in «Rio+20» ganz vorne sitzen. Nur: Wieso sollten jene, deren Reichtum auf ungebremstem Wachstum beruht, plötzlich auf neue Lösungsmodelle setzen? In stärkerem Masse als vor 20 Jahren bleibt die Zivilgesellschaft die letzte Hoffnung: Die Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und vor allem die bewegten Menschen, die sich zum Teil unter grossen Gefahren und mit bescheidenen Mitteln gegen Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung zur Wehr setzen.

Mit den alten Denkmustern lassen sich die Probleme von morgen nicht verstehen, geschweige denn lösen. Dies gilt für die Politik und für die Wirtschaft, trotz aller Innovation, die in Unternehmen entsteht. Umso mehr sind wir in der Zivilgesellschaft gefordert, neue Wege zu suchen! Greenpeace ist von einer Handvoll unentwegter und idealistischer AktivistInnen gegründet worden und hat sich erst später zu einer professionellen Umweltorganisation entwickelt, ohne jedoch ihre Wurzeln zu verleugnen. Genau darin liegt unsere Stärke: im Spannungsfeld von Organisation und Bewegung, von Institutionellem und Unberechenbarem.

Die heutige Zeit ist von Verunsicherung und Hoffnungslosigkeit geprägt, birgt aber auch die Chance für Veränderung, wie es neue Bewegungen wie der Arabische Frühling oder Occupy Wallstreet gezeigt haben. Um «Rio+20» und anderen globalen Initiativen für eine gerechtere und achtsamere Welt zum Durchbruch zu verhelfen, müssen es noch viel mehr bewegte Menschen wagen, die Zukunft zu denken und Neues auszuprobieren. Greenpeace braucht Menschen, die diese Welt verändern wollen – oder wie es der 93-jährige Widerstandskämpfer und Schriftsteller Stéphane Hessel ausdrückt: «Den Männern und Frauen, die das 21. Jahrhundert gestalten werden, rufe ich aus ganzem Herzen und voller Überzeugung zu: Neues schaffen heisst Widerstand leisten, Widerstand leisten heisst Neues schaffen.»

 

Markus Allemann und

Verena Mühlberger,

Co-Geschäftsleitung