Bienenschutz

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Informationsseite - 13. Februar, 2013
Für die Lebensmittelproduktion sind vor allem Honig- und auch Wildbienen von grosser Bedeutung. Auch andere Insekten wie Schmetterlinge oder Fliegen sind für die Bestäubung vieler Nutzpflanzen unentbehrlich. Ohne diesen «gemeinnützigen Dienst» wären die Menschen und zahlreiche Tierarten eines Teils ihrer Nahrungs- und Lebensgrundlage beraubt. Die globale Nahrungsmittelproduktion hängt zu 35 Prozent von Pflanzen ab, die von Insekten bestäubt werden. Beeindruckend auch diese Zahl: Von 100 Kulturpflanzen, die 90 Prozent der globalen Nahrungsmittelproduktion decken, werden 71 von Bienen bestäubt. Zum Glück gibt es sehr wichtige Kulturpflanzen wie Mais, die sich ohne Bienen fortpflanzen können, sonst wäre die Abhängigkeit von den freundlichen Tierchen noch grösser. Aber die 4000 in Europa angebauten Gemüsesorten gibt es ausschliesslich dank fleissiger Bienen. Seit mehreren Jahren sterben allerdings weltweit auffällig viele Bienenvölker. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Zum einen wird unsere Landschaft immer mehr von Monokulturen bestimmt. Dadurch verlieren Bienen ihre Lebens- und Futtergrundlage. Immer weniger blühende Blumen, Gräser, Sträucher und Bäume bedeuten weniger vielfältige Nahrung. Parasiten und Krankheiten machen Bienen zusätzlich das Leben schwer. Auf Äckern und in Gärten werden zudem giftige Chemikalien zur Schädlingsabwehr oder Unkrautbekämpfung eingesetzt. Viele davon sind für Bienen giftig.

Was du tun kannst

  • Konsumiere lokale und biologisch produzierte Lebensmittel.
  • Kaufe Honig aus lokaler, möglichst biologischer Produktion.
  • Bienenschutz ist ein grosses ökologisches Thema: Informiere dich, beteilige dich an der Debatte und unter- stütze Kampagnen, wo du kannst, lokal wie überregional.
  • Wenn immer sich dir Möglichkeiten bieten: Schaffe Lebensraum für Bienen. Leg einen blüten- und artenreichen Garten an (mit einheimischen Pflanzen und unterschiedlichen Strukturen wie Wildblumenwiesen, Sträuchern, Asthaufen, Nisthilfen («Wildbienenhotels»). Vermeide Golfrasen und übertriebene schweizerische Ordentlichkeit. Auch auf dem Fenstersims und in Kisten auf dem Balkon danken dir die Bienen für einheimische Blumen und Kräuter!

Bienensterben stoppen

Im Winter 2011/2012 sind rund die Hälfte der 100 000 Bienenvölker in der Schweiz am Befall durch die Varroa-Milbe und an von ihr übertragenen Viren gestorben. Es sind die schlimmsten Verluste seit Beginn der Zählung. Die Forschung konzentriert sich deshalb momentan darauf, die Ausweitung der Varroa-Milbe zu stoppen.
Obwohl das Bienensterben ein globales Phänomen ist, können die Chancen auf ein Überleben der Bienen mitgezielterFörderungeinheimischerSträucher,Blumen oder Kräuter in städtischen und ländlichen Lebensräumen massiv gesteigert werden. Massnahmen zur Förderung der Artenvielfalt im Kulturland und der Schutz von intakten Ökosystemen bieten Bienen den Lebensraum, den sie zum Leben brauchen. Hecken, Buntbrachen und möglichst vernetzte Lebensräume tragen dazu bei.
Der Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel muss zur Norm werden. Im Gegensatz zur konventionellen Landwirtschaft werden im biologischen Landbau keine chemischen Pflanzenschutzmittel verwendet. Unkrautbekämpfung erfolgt mechanisch, Förderung der Artenvielfalt gehört dazu. Abwechselnde Kulturen sind in einer bienenfreundlichen Landwirtschaft ein weiteres Instrument, um den Schädlingsdruck auf Äckern zu minimieren. Naturgärten und Parks mit einheimischen Pflanzen sind weitere Gewinne. Auch hier soll auf chemische Pestizide verzichtet und eine hohe Artenvielfalt gefördert werden.

Bienen würden «Bio» kaufen

Am meisten hilfst du den Bienen, wenn du konsequent biologische Lebensmittel einkaufst: Der Bio-Landbau verzichtet auf chemische Pflanzenschutzmittel und fördert die Biodiversität auf den Bauernbetrieben.
Unterstütze die Schweizer Imkerei: Kaufe Honig aus lokaler, möglichst biologischer Produktion. Honig aus lokaler Produktion hat einen wichtigen Zusatznutzen: Die hiesige Imkerei wird gefördert, was wiederum dem Obst- und Gemüseanbau zugutekommt. Ausserdem soll der Verzehr hiesigen Honigs Pollenallergien mildern.

«Urban Beekeeping» — Die Stadt als Lebensraum für Bienen

Die Landwirtschaft ist nach wie vor überwiegend von Monokulturen geprägt, immer weniger Bäume, Hecken und kleine Fliessgewässer sind vorhanden. Die vielen grünen Weiden sind für Bienen «grüne Wüsten». Blumenreiche Wiesen werden immer seltener. Grasland bietet den Insekten aber kaum Nahrung.
Damit gewinnen die Städte als Lebensraum für die Bienen an Bedeutung. Oft werden Stadt- und Schreber- gärten, Balkone und Parks blütenreicher angepflanzt als in ländlicheren Gegenden. Weil Ertrag oft nicht das oberste Kriterium ist, trifft man häufiger auf biologisches Gärtnern. Jede gemischte Blumenwiese, jeder bunte Garten ist ein wahres Paradies für Bienen.

 

Bienen halten und züchten kann man durchaus auch in der Stadt. «Urban Beekeeping» (wie auch «Urban Farming», das Anbauen von Gemüse und Früchten in der Stadt) hat an Interesse gewonnen. Es gibt immer mehr in Interessengemeinschaften organisierte Menschen, die sich mit diesem Thema befassen. Wenn du es versuchen willst, empfehlen wir dir unbedingt, vorab einen Kurs zu belegen. Und beachte, dass das Halten von Bienen recht viel Zeit braucht, besonders bis August erfordern Bienen viel Aufmerksamkeit. Die Kosten für ein Volk plus die benötigten Werkzeuge, Schutzkleidung und Bienenkasten belaufen sich auf etwa 700 bis 800 Franken. Hast du alles richtig gemacht und hast du auch das nötige Glück, kannst du pro Jahr durch die Arbeit deines Bienenvolkes bis zu 35 Kilo Honig gewinnen.
Wichtig ist dabei auch, dass du auf chemische Düngemittel und Gifte verzichtest. Aber auch Stoffe, die nichts mit der Garten- und Bienenzucht zu tun haben, können Bienen gefährlich werden: So gibt es beispielsweise Anti-Flohmittel für Hunde, die ein Gift enthalten, auf das Bienen sehr sensibel reagieren.
Erkundige dich zuerst bei Stadt-Imkern, wie viele Völker es bereits gibt und ob genügend Nahrungsquellen für die Bienen vorhanden sind. In gewissen Städten wie zum Beispiel Basel ist die Völkerdichte bereits recht hoch. Wenn dem so ist, kannst du trotzdem aktiv werden, indem du dich für eine bienenfreundliche Begrünung von Grünflächen, Verkehrsinseln oder Hinterhöfen einsetzt.

Eine faszinierende Spezies

In einigen Landstrichen Chinas sind die Bienen ausgestorben. Nachdem der frühere Staatspräsident Mao Zedong befahl, alle Spatzen zu töten, weil diese den Menschen das Getreide wegfressen würden, breiteten sich Insekten aus und wurden zu schlimmen Plagen. Mao verordnete darauf die Ausrottung der Insekten mit Umweltgiften und Pestiziden — und löschte so auch die Bienen aus. Nun bestäuben in diesen Regionen Menschen selber die Pflanzen mit Pollen. Allerdings um einiges weniger effi-
zient als die Bienen, wie die Universität Schanghai in einer Studie herausgefunden hat. Besonders ausgeprägt bei der Biene ist der Geruchssinn. Während wir mit den Augen eine Blume wahrnehmen, riecht die Biene diese. Sie findet Blüten quasi «mit der Nase», nicht mit den Augen. Selbst die Zugehörigkeit zu einem Volk wird per Duft kommuniziert. Bienen werden deshalb auch von Sicherheitsdiensten eingesetzt, etwa zum Aufspüren von Sprengstoff. Sie sind zuverlässiger als Spürhunde.
Bienen kommunizieren auf eine ganz besondere Art: Hat eine «Späher-Biene» eine besonders ergiebige Blumenwiese oder eine neue Heimat für ihr Volk gefunden, zeigt sie dies den anderen Bienen des Volks mit einem Tanz. Aus ihren Bewegungen können diese erkennen, in welcher Richtung und Distanz dieser Ort zu finden ist.

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