Einkaufen

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Informationsseite - 14. Februar, 2013
Vielleicht kennst du das Phänomen: Du besuchst dieses grosse schwedische Möbelhaus, betrittst den Laden wegen einer bestimmten, durchaus sinnvollen Sache — um ihn mit einem überfüllten Einkaufswagen wieder zu verlassen. All die Schnäppchen, die einmaligen Angebote! Und wenn man schon mal hier ist ... Die Magie der Supermärkte besteht darin, unseren Weg durch die Angebote mit Versuchungen zu spicken. Es ist die Kunst des bewussten Einkaufens, ihnen zu widerstehen.

Die Menschheit konsumiert immer mehr. Ökologisch nachhaltig ist das nicht: Die Konsequenzen sind in diesem Buch eingehend beschrieben. Konsum ist ein Motor der auf ständiges Wachstum getrimmten Marktwirtschaft. Aber er ist auch einer der Bereiche, wo wir einfach und direkt einen wertvollen Beitrag zum Umweltschutz leisten können. Das klingt nach Verzicht, und oberflächlich betrachtet ist es das auch: ein Verzicht auf die eiligen, billigen Käufe, die uns selten lange Freude bereiten.

Einkaufen bereitet eine eigene Lust. Damit mögen wir uns für Strapazen und Frustrationen belohnen. Aber ist diese Lust nicht umso grösser, wenn wir nach dem genau richtigen Produkt forschen, das uns wirklich guttut und von dem wir vielleicht lange geträumt haben? Ansonsten gibt es ja Flohmärkte, um sich ökologisch bedenkenlos einem Anfall von Kaufrausch hinzugeben.

Was du tun kannst

  • Kaufe nur, was du wirklich brauchst. Mach dir immer eine Einkaufsliste, bevor du in ein Geschäft gehst ... und halte dich daran.
  • Nimm dir Zeit, plane Anschaffungen und freue dich darauf. Aber kaufe nicht das Erstbeste, sondern setze dich mit Herkunft, Machart, Materialien usw. auseinander.
  • Kaufe Dinge, die sich reparieren lassen und bei denen sich die Reparatur auch lohnt. Und wenn sie sich einmal nicht mehr flicken lassen, sollen sie wiederverwertbar sein.

Bewusst einkaufen

Hier sind zehn Tipps, die das bewusste Einkaufen erleichtern sollen:
1 Vorfreude
Nimm dir für deine Kaufentscheidungen Zeit. Vielleicht kannst du dir dann sogar das qualitativ bessere und nachhaltigere Produkt leisten. Oder vielleicht stellt sich heraus, dass der Kaufwunsch nicht nachhaltig war.

2 Einkaufslisten
Mach dir Gedanken darüber, was und wie viel du wovon wirklich brauchst, und schreib dir immer eine Einkaufsliste, bevor du einkaufen gehst. Die Herausforderung besteht darin, sich daran zu halten. Vielleicht hilft dabei die Einsicht, dass fast nichts sofort gekauft werden muss und auch beim nächsten Ladenbesuch noch da sein wird.

3 Lies die Etiketten
Lies die Zutatenlisten und stelle fest, ob Siegel und Zertifikate auf den Produkten zu finden sind, die gewisse ökologische Qualitätsstandards garantieren. Wähle Produkte mit Bio-Siegeln, aus fairem Handel oder mit dem FSC-Zertifikat bei Produkten aus Holz und Papier. Stelle sicher, dass die Verpackung aus Recycling-Fasern hergestellt oder zumindest recycling-fähig ist. Misstraue Versprechungen: Gib dich am besten nur mit anerkannten Zertifikaten zufrieden. Heute kannst du dich dank Internet schon vor dem Einkauf über bestimmte Produkte informieren.

4 Mache dir über Produktionsbedingungen Gedanken
Stelle dir folgende Fragen, bevor du dich für ein Produkt entscheidest:

  • Wie ist es hergestellt worden? Woher stammen die Rohstoffe? Wie weit ist es gereist?
  • Gibt es alternative Produkte, deren Herstellung die Umwelt schont?

Interessiere dich für die Produktionsprozesse und für die Menschen, welche die Produkte herstellen und verkaufen. Das ist am einfachsten bei Produkten aus deiner Umgebung,denndannstehenMenschendahinter,diedu persönlich kennenlernen kannst. Diese Produzenten und Händler können flexibler auf die Wünsche und Vorlieben ihrer Kunden eingehen als Grossfirmen, und dein Einfluss ist entsprechend grösser.

Grösseren Unternehmen und Supermärkten kannst du einen Brief oder ein Mail schreiben, um Auskünfte zu bekommen. Viele haben Kundendienste und telefonische Hotlines. Sei bei deinen Recherchen beharrlich und denke immer daran, dass Geschäfte grundsätzlich auf Druck ihrer Kunden reagieren.

  • Kaufe fair gehandelte Produkte.

5 Netzwerke & Märkte
Von Händlern und Produzenten zu kaufen, zu denen du eine persönliche Beziehung aufbaust, kann Einkaufen zu einem Genuss machen. Dadurch entsteht Respekt, Vertrauen und Dialog. Mit der Zeit bewegst du dich in einem faszinierenden Netzwerk aus Lieferanten, Händlern und Handwerkern — aus Menschen, Geschichten und Fähigkeiten. Wenn du Kinder hast, stell dir vor, wie sie Anteil haben an dieser Welt der Nähe und der Vielfalt, und wie das ihre Erfahrungen prägen wird. Märkte sind temporäre Netzwerke, die auf einen Platz konzentriert sind. Hier kannst du vergleichen und diskutieren. Oft ist ein direkter Kontakt zum Produzenten möglich. Aber auch da braucht es ein kritisches Auge, denn in der malerischen Gemüseauslage muss längst nicht alles vom Marktfahrer selbst und in der Umgebung angebaut worden sein.

Wer aber steckt in der Produktionskette, wenn das Gemüse und Obst nicht vom heimischen Hofladen kommt?
Das zeigt Dir der Slavery-Footprint und fragt «How many slaves work for you».

6 Reparatur
Vielen Dingen kannst du zu einem zweiten Leben verhelfen. Deshalb sollte die Lebensdauer und die Frage, ob sich etwas sinnvollerweise reparieren lässt, ein Kriterium für die Anschaffung sein. Möbel aus Massivholz, zum Beispiel, lassen sich viel besser reparieren als solche aus Spanplatten oder Kunststoffen. Es lohnt sich auch, ein kritisches Auge darauf zu werfen, welche Dienstleistungen ein Laden oder ein Hersteller anbieten, wenn die Garantie abgelaufen ist, und zu welchem Preis.

7 Recycling & Upcycling
Muss das Produkt, wenn es ausgedient hat, in die Verbrennungsanlage, oder lässt es sich wiederverwerten? Ist es allenfalls selbst schon aus Recycling-Rohstoffen gefertigt? «Upcycling» ist ein Trend zu einer Herstellung, die aus an sich fast wertlosen Stoffen hochwertige (Design-)Produkte macht.

8 Entsorgung
Die Waren, die du kaufst, sollen später bedenkenlos entsorgt werden können.

9 Vermeide Verpackungsmaterial
Wenn du das gesuchte Produkt nicht unverpackt finden kannst, wähle eins, das so wenig wie möglich verpackt ist. Wichtig ist, wie viel von der Verpackung recycelt werden kann. 10 Mieten und Leihen Eine Menge Leute kommen zu Besuch und es sind nicht genügend Stühle und Teller da? Also schnell ins Billigmöbelhaus fahren und ein paar Klappstühle aus Kunststoff und preiswerte Keramik aus Billiglohnländern kaufen? Da gibt es Alternativen. Man kann sich Dinge ausleihen, von der Nachbarin, vom Arbeitskollegen. Und für den, der nicht fündig wird, gibt es für beinahe alles ein Vermietgeschäft. Sei grosszügig zu anderen und leihe aus, was du nicht gänzlich für dich brauchst. Auch so entstehen Netzwerke, wie sie weiter oben erklärt sind.

Kauf-nix-Tag (Buy Nothing Day)

Jeweils der letzte Freitag im November ist der «Buy Nothing Day (BND)» oder zu Deutsch «Kauf-nix-Tag». 1992 hatte der Künstler Ted Dave die Idee, kurz nach dem amerikanischen Thanksgiving eine Shopping-Pause einzulegen. Er rief dazu auf, einen Tag lang weder einzukaufen noch anderweitig zu konsumieren. Heute führt eine gemeinnützige, konsumkritische Organisation die Kampagne für den BND. In Europa findet der Kauf-nix-Tag am letzten Samstag im November statt. Es macht zwar nicht wirklich einen Unterschied, ob wir neue Schuhe heute kaufen oder erst nächste Woche. Doch es ist auch nicht das, worum es beim Kauf-nix-Tag geht. Dieser soll vielmehr aufwecken, inspirieren und uns dazu bringen, Fragen zu stellen wie: Brauchen wir das wirklich, was wir kaufen? Müssen wir wirklich so viel konsumieren? Müssen wir uns als Konsumentin definieren? In Amerika nehmen immer mehr Leute den BND als Anlass, aktiv zu verzichten. Mit frechen wie kreativen Ideen wird der Konsum angeklagt.

Wer dem Konsum selber mal zuvorkommen möchte, findet hier die aktuellen Daten und gute Ideen!

Regional & Saisonal

Achte bei der Wahl von Produkten auf den Produktionsort: Obst und Gemüse aus der Region zu kaufen heisst nicht nur mit den Jahreszeiten zu gehen und heimische Produzenten zu unterstützen, sondern auch einen unverhältnismässig hohen CO2-Verbrauch durch weite Transportwege zu umgehen. Schau dich in deinem Wohnort und der näheren Umgebung nach Läden mit Direktverkauf um. Viele Bauernhöfe, aber auch kleinere Lebensmittelläden verkaufen Produkte aus eigenem oder zumindest ortsansässigem Anbau. Aber auch bei Gebrauchsgegenständen kann sich der Blick auf das Herkunftsland lohnen. Entscheide dich für das Land, das am wenigsten weit entfernt ist. Informiere dich auch über die politische Situation im Produktionsland. Auch wenn du als Käuferin nur ein kleines Glied in der Kette bist, ist es sinnvoll, keine Länder mit menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen zu unterstützen.

Einen Saisonkalender für Obst und Gemüse kannst Du Dir hier downloaden.

Secondhand kaufen

Versuch so viel wie möglich gebraucht zu kaufen. Viele Leute wollen Dinge loswerden, die jemand anders wiederum gut gebrauchen kann. Es gibt nichts, das sich mittlerweile nicht im Internet ersteigern liesse, wo ein weitgehendtransparenter,ehrlicherMarktentstandenist. Aber auch beim Einkauf aus zweiter Hand gelten die gleichen Prinzipien wie für Neuwaren: Vermeide lange Transportwege, kaufe Qualität und unterstütze in erster Linie dein lokales Netzwerk aus Brockenstuben, Flohmärkten, Kinderbörsen etc. Der ökologische Nutzen ist allerdings dahin, wenn du das eingesparte Geld einfach dazu nutzt, deinen Konsum hochzuschrauben. Investiere in langlebige Produkte, die oft repariert und von Hand zu Hand weitergegeben werden.

Wer gerne in Second Hand Shops und Brockis stöbert, kann seine Zielobjekte zukünftig hier lokalisieren.

Tauschen & Schenken

Anstatt etwas wegzuwerfen, kannst du es auch verschenken. Es gibt meistens jemanden, der funktionstüchtige oder nur leicht defekte Geräte wieder reparieren und gut gebrauchen kann. In der Schweiz ist es erlaubt und mancherorts auch üblich, aussortierte Gegenstände mit einem «Zu Verschenken»-Schild an die Strasse zu stellen. Probier es einfach mal aus. Du wirst deine alten Dinge wahrscheinlich schneller los, als du denkst. Das Internet bietet viele Möglichkeiten zum Tauschen und Verschenken. Neben den klassischen Verkaufsforen gibt es Web-Plattformen, in denen explizit Dinge zum Tausch oder Verschenken angeboten werden. Die Tauschforen sind besonders interessant. Hier können nicht nur Gegenstände getauscht werden, sondern auch Dienstleistungen wie Schreib- und Gartenarbeiten, Haareschneiden oder Kinderhüten.

Weil Schenken viel schöner ist als wegwerfen, gibt es Seiten wie fleedoo.ch und die Gruppe «Zu verschenken» bei Facebook.
Im dem Luzerner Tauschnetz kann man schweizweite Tauschangebote lesen. Klettereinstieg gegen Haareschneiden, Katzensitting gegen Bücher und viel mehr.

Ratgeber

Besitzt Du ein Smartphone oder Ipad, lad Dir unsere «Einkaufshilfen» runter.

  • Ist die Fischart bedroht oder Palmöl aus Urwaldzerstörung enthalten? - Mit dem Codecheck kannst Du die Produkte in Deinem Einkaufswagen scannen und schnell und einfach Informationen wie Herkunft und Zusammensetzung abrufen.
  • Kommt bei Dir Fisch auf den Tisch? Dann ist der Fischratgeber genau das Richtige: Lieber Zander als Seeteufel und Egli als Aal.

Weitere Links

  • Bewusst Einkaufen heisst vor allem Entscheidungen zu treffen. Dabei will wegreen.de helfen. Gibt man in die Suche ein Produkt ein, spuckt die Maschine «grüne» Alternativprodukte aus.Die Seite ist sicher nicht die einzige Lösung, aber ein interessanter Anfang.
  • Das Schweizer Portal topten.ch listet die besten Produkte in Punkto Energieverbrauch, Umweltbelastung und Qualität auf.
  • Nachfüllbare Kaffeekapseln, Kronleuchter aus Plastik-Rührstäbchen oder Solarladehüllen fürs Iphone und noch mehr spannendes Zeug vertreibt der Schweizer Internethandel rrrevolve.

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mspring sagt:

Ich hab mir gleich bei rrrevolve.ch eine "Coffeeduck" (wieder-auffüllbare kaffe kapsel) bestellt! :)

Geposted 3. März, 2013 am 22:31 Missbrauch Reply

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