Fleischkonsum

gefährdet die letzten Urwälder

Informationsseite - 21. September, 2010
Der steigende Appetit des Menschen auf Fleisch verursacht schon jetzt ökologische und soziale Katastrophen. Hält der Trend an, könnte das System bald kippen. Und vielleicht geschieht das schon früher, als wir bisher gedacht haben.

Von Verena Ahne *

40 Kilo Fleisch konsumiert der statistische Welt-Durchschnittsmensch im Jahr, doppelt so viel wie vor 50 Jahren – und weil die Bevölkerung in dieser Zeit stark gewachsen ist, ist es insgesamt sogar die fünffache Menge. Bei ungleicher Verteilung: Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern verbrauchen mit rund 28 Kilo pro Kopf etwa einen Drittel der Fleischmenge von  Industrienationen. In Burundi sind es 3,5, in Brasilien 82, in Europa 92 und in den USA über 120 Kilogramm pro Jahr und Mund. Wobei verbraucht nicht gegessen bedeutet: Je nach Tierart ist mindestens ein Drittel des Verbrauchs Abfall. So kommen in Europa von den 92 nur gerade 60 Kilogramm auf den Teller.

Rinderfarm in Estancia Bahia

© Greenpeace / Daniel Beltrá

Die Herden, die wir uns dafür halten, sind riesig. Statistisch gesehen verfügt jede vierköpfige Familie heute über elf Hühner, ein Schaf oder eine Ziege, mehr als ein halbes Schwein und fast ein ganzes Rind – insgesamt 21 Milliarden Nutztiere, die gefüttert und getränkt werden müssen. Fast die Hälfte der weltweit produzierten Nahrung – Lebensmittel wie Weizen und Mais, Öle, Milch oder Fisch – werden an Huhn, Rind und Schwein verfüttert. «Veredeln» nennt die Fachwelt diese Verwandlung von viel in wenig.

Und der Trend zu höherem Verbrauch hält an. Laut der Welternährungs-organisation FAO soll sich der Fleischkonsum in Entwicklungs- und Schwellenländern bis 2030 fast verdoppeln, im Westen soll er um einen Fünftel steigen. Statt gut 260 bräuchten wir dann 373 Millionen Tonnen Fleisch pro Jahr – plus 40 Prozent. Dieser Anstieg ist nicht nur auf die wachsende Erdbevölkerung zurückzuführen: Menschen, die mehr Geld verdienen, können und wollen sich auch üppigere Gerichte leisten. In Indien wird heute um die Hälfte mehr Fleisch gegessen als noch vor drei, vier Jahren. Bei über einer Milliarde Menschen summiert sich das trotz des niedrigen Niveaus von 5,2 Kilo pro Person auf fast die Hälfte der Menge, die Afrika produziert.

Für unseren Hunger auf Tierisches (ver)brauchen wir momentan einen Drittel der gesamten Landmasse. Der Grossteil der Weiden und Anbauflächen für Futtermittel befindet sich in Gebieten mit unregelmässigem Niederschlag, die 40 Prozent der weltweiten Landflächen ausmachen und besonders anfällig sind für Erosion. Durch Überweidung, durch eine zu intensive, vielerorts nicht an die lokalen Verhältnisse angepasste Landwirtschaft gehen weltweit jedes Jahr Milliarden Tonnen fruchtbaren Bodens verloren, jedes Jahr werden aus einer Fläche grösser als die Schweiz unwiederbringlich Staub oder nackter Fels.

Mit dem Verzicht auf einmal Huhn wird mehr Wasser gespart, als bei täglichem Duschen in einem Monat verbraucht wird.

Weniger Fleisch zu essen, könnte hier Gewaltiges bewegen:

Während das Getreide für einen Laib Brot etwa 500 Liter Wasser zum Wachsen braucht, verschluckt ein Brathühnchen in seinem kurzen Leben mindestens die zwölffache Menge, hauptsächlich für den Anbau von Futtermitteln. Ein Kilogramm Rindfleisch ist das Produkt von acht Kilogramm Getreide – und etwa 20000 Litern Wasser. Mit dem Verzicht auf einmal Huhn kann also mehr des kostbaren Nasses gespart werden, als bei täglichem Duschen in einem Monat verbraucht wird. In einem Kilogramm Steak steckt Duschwasser für ungefähr ein Jahr! Und ein Stück Regenwald.

* Verena Ahne ist freie Wissenschaftsjournalistin in Österreich

 

 

Weitere Links

Kategorien