GVO

Gentechnisch veränderte Organismen und Gentech-Lebensmittel

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Informationsseite - 20. Februar, 2013
Ein gentechnisch veränderter Organismus (GVO) ist ein Tier, eine Pflanze oder ein Mikroorganismus, dem neue, meist artfremde Gene eingefügt wurden. Durch diese Veränderung des Erbguts — so zumindest die Absicht — soll der Organismus neue, vom «Erbauer» gewünschte Eigenschaften erhalten, die er von Natur aus nicht hat.

Seit 1996 werden gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell angebaut. Die erste genmanipulierte Nutzpflanze war die vom US-Konzern Monsanto entwickelte «Roundup-Ready-Soja». Ihr wurden Gene von Bakterien und Viren eingefügt, um sie gegen das Monsanto-Unkrautvernichtungsmittel Roundup resistent zu machen. Somit können die Felder nach der Aussaat grossflächig mit dem Unkrautvertilgungsmittel gespritzt werden, ohne dass die Sojapflanzen geschädigt werden. Entsprechend ist der Einsatz von Roundup in Gentech-Anbaugebieten massiv angestiegen — und diverse Unkräuter haben mittlerweile Resistenzen gegen Roundup entwickelt. Sie müssen mit regelrechten Giftcocktails bekämpft werden. Je grosszügiger Herbizide und Pestizide eingesetzt werden, desto stärker ist die Belastung für andere Lebewesen. Das Herbizid Roundup steht im Verdacht, krebserregend zu sein, und ist hochgiftig für Fische und Insekten.

Folgen: unbekannt
Bald nach Roundup-Ready kam eine zweite Pflanzenkategorie auf den Markt, entwickelt hauptsächlich vom Schweizer Agrochemie-Konzern Syngenta. Diese Pflanzen wurden durch Genmanipulation dazu gebracht, ein bestimmtes Insektengift auszuscheiden, um einen bestimmten Schädling zu beseitigen. Auch dieses Gift greift andere Organismen an und bedroht das Gleichgewicht im lokalen Ökosystem, weil sich durch die Beseitigung eines Schädlings andere umso besser entwickeln können.
Schliesslich sind GVO unberechenbar: Einmal in die Umwelt entlassen, können sie nicht mehr beseitigt werden. Sie breiten sich aus, wandeln und vermehren sich und geben ihr künstliches Erbgut weiter. Die Folgen? Unbekannt!
Bis heute ist nicht klar, wie sich der Konsum von Gentech-Lebensmitteln auf die Gesundheit von Mensch und Tier auswirkt. Regierungen stützen sich in Gentech-Zulassungsverfahren nach wie vor hauptsächlich auf Daten der Industrie. Es gibt nur wenige unabhängige Langzeituntersuchungen. Ein weltweites gefährliches «Experiment» ist aber im Gang: Weltweit werden vor allem Gentech-Soja, -Mais, -Baumwolle und -Raps angebaut, grösstenteils in Nord- und Südamerika sowie in Indien oder China. Der allergrösste Teil der Ernten landet in der Futtermittelindustrie.

Schweizer Moratorium
In der Schweiz gilt ein Moratorium für GVO: Die kommerzielle Nutzung von Gentech-Pflanzen oder -Tieren ist hier verboten. 2005 wurde eine entsprechende Volksinitiative angenommen. Dieses Moratorium gilt bis November 2017. Ganz GVO-frei ist die Schweiz trotzdem nicht: Als Lebensmittel dürfen drei deklarationspflichtige genmanipulierte Maissorten und eine Sojasorte importiert werden sowie weitere gentechnisch veränderte Futtermittelzutaten. Aufgrund des anhaltenden Widerstands der Konsumentinnen haben die Grossverteiler bisher auf den Verkauf solcher deklarierter Gentech-Produkte verzichtet oder sie nach Protesten aus den Regalen entfernt. Auch die Schweizer Landwirtschaft verzichtet freiwillig auf den Import von Gentech-Futter.
Vor Verunreinigungen mit Gentech-Anteilen bist du in der Schweiz trotzdem nicht ganz sicher, da die Deklarationsbestimmung in der Schweiz und der EU eine Verunreinigung mit bis zu 0,9 Prozent ohne Kennzeichnung zulässt. Vor allem: Importiertes Fleisch oder Käse stammen oft von Tieren, die mit Gentech-Futter gemästet wurden.

Was du tun kannst

  • Kaufe biologische und möglichst lokal produzierte Lebensmittel. Das gilt besonders bei tierischen Produkten.
  • Meide stark verarbeitete Produkte, die Lezithin (E 322), Stärke, Glukose, Fruktose oder pflanzliche Öle und Fette enthalten, vor allem solche aus Soja, Raps oder Mais. Diese Produkte können von Gentech-Pflanzen stammen.
  • Engagiere dich in Debatten um eine gentechfreie und ökologischere Landwirtschaft.

Genmanipulation

Was ist anders?
Zwischen einer Genmanipulation und einer natürlich oder durch konventionelle Züchtung entstandenen Kreuzung besteht ein fundamentaler Unterschied: Bei der konventionellen Zucht werden die kompletten DNA-Sätze zweier Sorten zu einer neuen, dritten auf mehr oder weniger natürliche Weise kombiniert. Diejenigen Kombinationen, die sich in der Umwelt am besten bewähren, werden gezielt gefördert.
Genmanipulation hingegen greift direkt in die DNA ein, extrahiert Gensequenzen aus einem oft artfremden Organismus und fügt diese beispielsweise in eine Pflanze ein.

Gesundheitsrisiken

Nach wie vor ist nicht geklärt, welche Gesundheitsauswirkungen der Konsum von GVO auf Mensch und Tier hat. Es gibt zu wenig unabhängige Forschung. Trotzdem werden Bewilligungen zum Anbau und der Verwendung von GVO in Essen und Futter erteilt. All diese Marktzulassungen basieren zum grössten Teil auf Daten der Gentech-Firmen.
Hier drei bekannte Risiken:

  • Neu eingefügte Gene können natürliche Gene spalten oder verändern. Dadurch können sich neue Giftstoffe bilden.
  • Antibiotika-Resistenz-Gene können auch bei Mensch und Tier zu solchen Resistenzen führen. Das heisst, dass wir auf Antibiotika nicht mehr oder zumindest weniger gut ansprechen.
  • Da Gentech-Pflanzen meistens gegen eines oder mehrere Herbizide immun sind, werden diese Herbizide auf den Feldern grosszügiger versprüht — und die landen dann via Nahrung, Wasser und Luft im menschlichen Körper.

Golden Rice und andere falsche Versprechungen

Befürworter der Gentechnik behaupten, sie sei ein Mittel zur Bekämpfung oder gar Beseitigung des Hungers auf der Welt. Das ist scheinheilig: Nur ein verschwindend geringer Teil der angebauten Gentech-Pflanzen ist für den menschlichen Verzehr bestimmt. Gentech-Soja und -Mais werden zu 80 Prozent als Futtermittel für die Fleisch-, Milch- und Eier- oder Fischproduktion angebaut. Dämmten wir unseren Konsum von Fleisch & Co. entschieden ein, gäbe es auf der Welt genügend Nahrungsmittel. GVO beschleunigen also die globale Kalorienverschwendung und sind letztlich mitverantwortlich für den Welthunger.

Gentech-Pflanzen sind für eine industrielle exportorientierte Landwirtschaft konzipiert, die Böden und Gewässer vergiftet, das Klima belastet und wertvolle Ökosysteme und kleinräumige, der lokalen Lebensmittelproduktion dienende Agrarsysteme verdrängt. In den armen Ländern hängt das Überleben der ländlichen Bevölkerung von Kleinbauern ab. Diese können sich die teuren Agro-Chemikalien und Gentech-Pflanzen gar nicht leisten. Oft verschulden sie sich dadurch und verlieren ihr Land an Grossgrundbesitzer. Zudem verschwinden lokale Pflanzensorten, die sich über Jahrhunderte auf natürliche Art an die örtlichen Gegebenheiten angepasst haben — ganz im Gegensatz zu den Laborpflanzen von Monsanto, Syngenta & Co.
Im ersten Weltagrarbericht, der 2008 im Auftrag der UNO von über 400 Wissenschaftlern verfasst wurde, steht deshalb auch unmissverständlich: «Weiter wie bisher ist keine Option — die Zukunft liegt in einer ökologischeren und lokaleren Lebensmittelproduktion!»
Heftigt diskutiert wird der Gentech-Reis «Golden Rice», an dessen Entwicklung der Schweizer Konzern Syngenta und die ETH Zürich beteiligt gewesen sind. Er enthält mehr Betacarotin als unveränderter Reis und soll damit den Vitamin-A-Mangel bekämpfen helfen, der in Entwicklungsländern noch immer ein grosses Problem darstellt. Es gibt aber zunehmend erfolgreiche Hilfsprogramme, die beispielsweise mit einer abwechslungsreicheren Ernährung gute Resultate erzielen. Das vermeintliche Gentech-Wundermittel hingegen hat wie alle Gentech-Lebensmittel einen schwerwiegenden Mangel: Es ist unklar, wie sich dessen Konsum auf die Gesundheit auswirkt.

Welche abstrusen Wege die Forschung um das «Golden Rice Project» teils einschlägt, zeigt eine schockierende Nachricht von Greenpeace China und eine offizielle Studie vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium. Mit welchem Möglichkeiten Länder dem Vitamin-A-Mangel entgegnen können, zeigt der Greenpeace Report «Golden Rice’s lack of lustre, adressing vitami A deficiency without genetic  engineering» auf.

Patente & Saatgut-Monopole

Kontrolle vom Feld bis zum Teller
Die Agro- und Chemie-Konzerne halten Patente auf viele ihrer Produkte — und füllen damit ihre Kassen. Ursprünglich wurde die Patentgesetzgebung für den Schutz technischer Erfindungen erlassen. Heute kann sogar die Beschreibung der Gensequenz eines bereits bestehenden lebenden Organismus patentiert werden. In vielen Fällen erstreckt sich dieser Patentschutz auch auf die Nachkommen dieses Organismus. Was bedeutet das konkret?
Ein Bauer, der GVO anbaut, muss jedes Jahr neue Lizenzgebühren bezahlen, da die im folgenden Jahr ausgebrachten Samen — obwohl aus von ihm selber angebauten Pflanzen stammend — nicht ihm gehören, sondern Monsanto oder Syngenta. Dies kann sogar der Fall sein, wenn Wind, Insekten oder Regenwasser diese Samen ungewollt auf sein Feld gebracht haben. So wurde in einem Gerichtsfall in Kanada ein Bauer verurteilt, den Gewinn seiner Ernte Monsanto abzuliefern, obwohl er nie selber Gentech-Saatgut ausgesät hatte. Unzählige Bauern sind gerade in Nordamerika in ähnliche Rechtsfälle verwickelt, weil Gentech-Firmen sie bezichtigen, keine Patentgebühren zu bezahlen.
Auf dem Agrarmarkt herrscht eine starke Monopolisierung. Monsanto und einige wenige andere Konzerne kontrollieren immer mehr die weltweite Nahrungsproduktion: Sie bestimmen weitgehend, was wann wo angebaut wird und wie viel die Bauern und die Konsumenten zu bezahlen haben. Das gefährdet die globale Ernährungssicherheit. Die Auswirkungen von globalen Nahrungskrisen sind in der Schweiz kaum zu spüren. In ärmeren Ländern, wo der Kauf von Nahrungsmitteln einen Grossteil der Familienbudgets ausmacht, sind steigende Lebensmittelpreise mitunter existenzbedrohend.

Reisen im Ausland

Angebaut werden GVO (hauptsächlich Soja und Mais, Baumwolle und Raps) vor allem in den USA, Kanada, Argentinien und Brasilien, aber auch in Indien und China. Sie werden zum Grossteil zu Tierfutter oder Ölen verarbeitet, gelangen jedoch auch als Sojalezithin, Maisstärke, Maissirup, Fruktose, Laktose oder andere Zusatzstoffe ins Essen.
Auf Reisen in die genannten Länder ist es eigentlich unvermeidbar oder zumindest mit grosser Wahrscheinlichkeit so, dass du gentechnisch veränderte Lebensmittel oder Lebensmittelzusätze zu dir nimmst. In den USA gibt es auch keine Deklarationspflicht für Gentech-Lebensmittel. Wenn du auf Nummer sicher gehen willst, kaufe biologische und möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel!

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Yves Zenger sagt:

Der gentechnisch veränderte Golden Rice ist die falsche Antwort auf die in Asien grassierende Armut und die dortige Mangelernährung. Einseit...

Geposted 24. Februar, 2014 am 11:21 Missbrauch Reply

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(nicht registriert) Claudia sagt:

Dieser Artikel ist irreführend und falsch! Beispielsweise hat Syngenta sämtliche Rechte abgetreten! Es geht hier nicht um Gentech sondern um...

Geposted 18. Februar, 2014 am 19:26 Missbrauch Reply

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