Gärtnern in der Stadt

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Informationsseite - 20. Februar, 2013
Du wohnst in der Stadt und hast keinen Garten — möchtest aber selber etwas anpflanzen: Selbst auf dem Balkon oder auf ein paar Fenstersimsen lassen sich Gemüse, Blumen oder Kräuter pflanzen und ein Minigarten anlegen, der dir Freude bereitet — und dir hilft, deinen ökologischen Fussabdruck ein wenig zu verkleinern.

Wer einen Schritt weiter gehen will, kann sich um einen Schrebergarten bemühen oder einer Gartengenossenschaft beitreten. Wer aber das Glück hat, einen eigenen Garten zu haben, sollte unbedingt die Gelegenheit nutzen, zu Biodiversität und mehr Lebensqualität beizutragen.

Was du tun kannst

  • Nutze die bescheidenen Platzverhältnisse, die du in der Stadt hast, für Pflanzen, die sich eignen. Etwa Küchenkräuter: Von denen brauchst du wenig, und sie bereichern deine Küche sehr konkret.
  • Eine Möglichkeit ist, dich um einen Schrebergartenplatz zu bewerben — eventuell gibt es lange Wartezeiten, aber es lohnt sich.
  • Wenn du mehr tun willst, such dir eine Gemeinschaft von Urban Farmers.

Balkon: das richtige Gefäss

Verwende Blumenkisten, die man von aussen ans Geländer montieren kann, um die Grünfläche auf deinem Balkon zu vergrössern. Besorge dir Töpfe in der richtigen Grösse. Pflanzen benötigen Platz. Eine Grundregel: Du solltest Pflanzen nie zu eng nebeneinandersetzen, denn man unterschätzt oft, wie gross sie noch werden. Pflanzt du zu dicht, sind die Gewächse gestresst, der Wurzelraum reicht nicht aus, sie leiden an Nährstoffmangel und werden anfälliger für Krankheiten. Eine Faustregel besagt, dass in eine Blumenkiste von 80 Zentimetern Länge etwa vier bis fünf Pflanzen passen.
Welches Gefäss das richtige ist, hängt davon ab, wie viel Erde die Pflanze braucht und wie tief die Wurzeln reichen. Durch die Wurzeln nehmen die Pflanzen ihre Nährstoffe auf. Wenn Pflanzen mehr Platz haben, können sie mehr Mineralstoffe aus der Erde ziehen. Flache Gefässe eignen sich nur für flach wurzelnde Pflanzen. Rosmarin zum Beispiel wurzelt tiefer als Basilikum oder Salat. Erkundige dich deshalb beim Kauf der Pflanzen oder Samen danach.
Beim Kauf der Behälter ist auch wichtig, ob du die Pflanzen im Winter draussen auf dem Balkon lässt. Denn es gibt (Terrakotta)-Töpfe, die nicht frostfest sind. Es sollte sich in den Gefässen keine Staunässe bilden, sonst können die Wurzeln abfaulen — einer der häufigsten Gründe, warum Balkonpflanzen eingehen. Um diese Nässe zu verhindern, muss das Gefäss im Boden ein Loch haben.

Biodiversität

Biodiversität ist nicht nur in der Natur, sondern auch im eigenen Garten wichtig. Durch die Artenvielfalt in deinem Garten kann die Bestäubung von Pflanzen gewährleistet und die Anzahl an Schädlingen gesenkt werden. Ein Nebeneinander vieler verschiedener Pflanzenartensorgtdafür,dassderBodenfruchtbarbleibt.Zahlreiche Studien belegen, dass sich im Durchschnitt auf biologisch bewirtschafteten Flächen über 50 Prozent mehr Individuen und 30 Prozent mehr Arten tummeln als im konventionellen Anbau. Darum heisst die Devise:

  • Setze so viele verschiedene Pflanzenarten wie möglich und pflege sie nach biologischen oder biodynamischen Regeln.

Garten und Gärtchen

Auch in deinem eigenen kleinen Stadtgarten hast du zahlreiche Möglichkeiten, ökologisch zu gärtnern und gleichzeitig Geld zu sparen. Beispielsweise indem du die Pflanzen mit Regenwasser giesst. Zumeist reicht ein Regenfass, um den Bedarf zu decken. Falls während eines heissen Sommers doch nicht genügend Wasser vorhanden ist, solltest du den Garten oder Rasen früh am Morgen oder spätabends giessen, da in der Tageshitze das Wasser rasch verdunstet.
Weniger Wasser verbrauchst du auch, wenn du Bodendecker wachsen lässt und Streu oder Mulch verwendest; Letzteres hilft nebenbei auch gegen Unkräuter. Natürliche Bodendecker absorbieren Regenwasser.
Wenn du einen Rasen anlegen willst, musst du ihn gelegentlich mähen. Der Rasenmäher sollte so eingestellt sein, dass das Gras mindestens 6,5 Zentimeter hoch stehen bleibt. Mit dieser Länge bietet der Grashalm den Wurzeln Schatten. Die Feuchtigkeit hält sich länger im Boden. Auch Unkräuter und Moose wachsen so weniger schnell als bei kurzem Rasen.
Bitte verzichte auf den Gebrauch von Benzinrasenmähern oder -trimmern: Die von ihnen ausgehenden Lärm- und Treibhausgasemissionen lassen sich durch den Einsatz eines Handrasenmähers oder einer Sense vermeiden.
Verwende Mutterboden als Gartenerde und dünge mit biologischen Düngemitteln oder selbst produziertem Dünger (Kompost).

Guerilla Gardening

Eine besondere Art, die Stadt zu begrünen, ist das sogenannte Guerilla Gardening. Ziel ist es, Verkehrsinseln und andere brachliegende Grünflächen in Städten und Dörfern mit sogenannten Saatbomben zu bepflanzen, denn: Der öffentliche Raum gehört uns allen! Saatbomben sind handgerechte Kugeln aus Erde, in denen Pflanzensamen enthalten sind. Sie können, ist man unterwegs, überall dort im öffentlichen Raum deponiert werden, wo es Erde gibt. Die Kugeln sind so gefertigt, dass die Samen so lange vor dem Austrocknen und vor hungrigen Vögeln geschützt sind, bis sie unter dem Einfluss von Regen zu keimen beginnen. Saatbomben kannst du auch ganz einfach selbst herstellen; im Internet findest du leicht Anleitungen.
Entstanden ist dieser Botanik-Aktivismus in den 1970er-Jahren in Manhattan. Seither gewinnt er weltweit immer mehr Anhänger. Selbst gewisse öffentliche Institutionen sind gegenüber dem Guerilla Gardening positiv eingestellt; die Zürcher Stadtgärtner wollen ab 2013 Saatmischungen produzieren und verteilen lassen.

  • Achte darauf, dass du Pflanzen säst, die den Verhältnissen angepasst sind und auch wirklich gedeihen können. Nimm Rücksicht auf die Nachbarn, indem du keine aggressiven Sorten säst.
  • Buchtipp: Richard Reynolds, Guerilla Gardening — Ein botani­ sches Manifest, orange-press, 2009. Mit grossem Handbuchteil zu Taktik, Ausrüstung und Wahl der botanischen Waffen.

Herbizide und Pestizide

Was für die «richtige» Landwirtschaft gilt, solltest du auch im Kleinen beachten: Verzichte auf chemische Herbizide und Pestizide. Sie sind schlecht für die Umwelt und im Nahbereich von Balkon und Stadtgarten eine ernsthafte Gefahr für deine Familie und dich.
Hier ein paar Vorschläge, wie du ohne chemische Produkte «Unkraut» und «Schädlinge» bekämpfen kannst:

  • Die richtige Auswahl und Kombination der Pflanzen ist das A und O des biologischen Landbaus. Grundsatz ist, dass man Pflanzen, die für bestimmte Schädlinge anfällig sind, direkt neben jene platziert, für die diese Insekten eher von Nutzen sind.
  • Locke Vögel mit passenden Futterplätzen in deinen Garten. Setze Pflanzen, die Vögel anziehen. Nichts ist besser geeignet als Vögel, um Insektenbestände so zu regulieren, dass sie nicht mehr stören.
  • Jäte von Hand, wenn sich Unkraut ausbreitet. In einem kleinen Garten macht dies nicht viel Arbeit.
  • Wenn es nicht anders geht, verwende biologische Herbizide und Pestizide. Vermeide Schneckenkörner, weil sie erstens die Schnecken auf grausame Weise töten und zweitens für Igel giftig sind.

Kollektives Gärtnern (Urban Farming)

Unsere Welt verstädtert immer mehr. Nicht nur in der Schweiz, wo die Agglomeration bald das ganze Mittelland bedeckt, sondern auch in allen anderen Ländern wächst die Bevölkerung in den Städten. Gleichzeitig vermissen immer mehr Menschen die Möglichkeit, einen Garten anzulegen. Deshalb stürzen sich Städter zunehmend ins Urban Farming, ins Stadtgärtnern: Dazu nutzen sie überbaute Flächen, vor allem auf Flachdächern, und temporäre Brachen in Innenstadtlage oder am Stadtrand, um ihre Gärten anzulegen.
Urban Farming praktizierst du am besten in einer Gemeinschaft mit Mitbewohnerinnen und Nachbarinnen, oder du schliesst dich einer bestehenden Gruppe an. Du profitierst in mehrfacher Hinsicht davon: Die Arbeit wird auf mehrere Menschen verteilt, und du kannst die Erfahrungen anderer nutzen. Ausserdem lassen sich innerhalb einer Gruppe auch Ferienregelungen finden, und keiner muss befürchten, dass die Pflanzen in seiner Abwesenheit womöglich verkümmern. Und du teilst mit anderen eine grosszügigere Infrastruktur und hast Möglichkeiten, die du alleine nicht realisieren könntest.

Saatgut

Bevor du zu gärtnern beginnst, beschäftige dich mit der Frage, welche Pflanzen für deinen Garten am besten geeignet ist: Wie willst du deinen Garten nutzen? Willst du Nutzpflanzen für die Küche oder schöne Blumen wachsen lassen? Wie viel Zeit hast du für deinen neuen Garten, und wie viel Energie und auch Geld willst du aufwenden? Welche einheimischen Pflanzen, die hier gut und robust gedeihen und die hiesige Biodiversität stärken, kommen für dich infrage? Ist dein Garten gut besonnt oder schattig? Wenn du das weisst, erstelle einen Pflanzplan.
Ob für den Gemüsegarten oder die Töpfe auf dem Balkon: Wähle Samen und Stecklinge (und auch Erde), die nach den Regeln des ökologischen Landbaus hergestellt worden sind. Du solltest auf grosse Rasenflächen verzichten: Ein Rasen ist ein künstliches Ökosystem, denn statt Vielfalt wächst eine einzige Pflanzenart, es sei denn, statt Rasen säst du eine Blumenwiese aus. Nur eine einzige Sorte Pflanzen auf einer grossen Oberfläche zu säen ist eine Einladung für Unkräuter und Schädlinge, sich auszubreiten. Es ist viel besser, eine bunte Auswahl heimischer Pflanzen zu wählen.
Verzichte auf Torf, um die Zerstörung von Moorlandschaften zu verhindern. Diese Moore sind nicht nur Jahrtausende alt, sie speichern auch enorm viel CO2. Werden sie zerstört, wird dieses CO2 freigesetzt. In der Schweiz stehen Moore und Moorlandschaften zwar seit 1987 unter Schutz, doch werden jährlich 150 000 Tonnen Torf aus dem Ausland, vor allem aus Norddeutschland, Lettland und Estland importiert.

Schrebergarten

Schrebergärten sind eine von Städtern sehr geschätzte Möglichkeit, einen eigenen kleinen Garten zu bewirtschaften. Viele Städte stellen dafür Land zur Verfügung, auf dem die meist genossenschaftlich organisierten Gartenpächter Parzellen von einigen Dutzend Quadratmetern bepflanzen können.
Wer sich einen Schrebergarten zulegt, sollte sich im Klaren darüber sein, dass ein Garten einige Stunden Arbeit pro Woche verursacht, wenn er gepflegt sein will. Schliess dich also allenfalls mit anderen zusammen, um einen Schrebergarten zu unterhalten. Auch hier gelten natürlich die in diesem Kapitel genannten Regeln.

Céline Müller sagt:

übrigens: von pro specie rara und bioterra gibt es super kurse für kleine und grosse Gärtnerinnen, z.B. wie man Setzlinge anzieht, sehr...

Geposted 11. Juli, 2013 am 20:30 Missbrauch Reply

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