CO2-Kompensation

Ablasshandel: Fürs gute CO2-Gewissen

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Informationsseite - 29. Juli, 2010
CO2 kompensieren ist keine Lösung, die Energiewende indessen hin zu Energieeffizienz und erneuerbaren Energien – das Gebot der Stunde. Der steigende Konsum von Flugreisen, Autofahrten und Fleisch in den Industrieländern mit entsprechender Klimawirkung lässt sich nicht einfach in den ärmeren Ländern wegkompensieren.

2009 © Greenpeace / Nicolas Fojtu

Climate Protest on Gorner Glacier in Zermatt

Auf privater Ebene ist der Kompensationsmarkt marginal, viel bedeutender sind die Industrieländer, die einen grossen Teil ihrer CO2-Reduktionsverpflichtungen nicht umsetzen und stattdessen auf die Kompensation setzen. Kompensieren heisst ausgleichen und klingt an und für sich gut. Die Idee:. Wenn Sie beispielsweise fliegen, können Sie mit einem Geldbeitrag dafür sorgen, dass die gleiche Menge an CO2, die in ihrem Alltag oder auf ihrer Reise entsteht, an einem anderen Ort eingespart wird. So viel zur Theorie.

In der Praxis sieht es leider etwas anders aus: Ziel des im Kyoto-Protokoll vorgesehenen Mechanismus wäre die CO2-Reduktion durch den Handel von  Zertifikaten, sogenannten "certified emission reductions (CERs)". Die Entwickler der Idee sind davon ausgegangen, dass es keine Rolle spielt wo CO2 reduziert wird, hauptsache es wird reduziert. So sollten die in den Industrieländern entstehenden Kosten zum Erreichen der durch das Kyoto-Protokoll vertraglich festgelegten Reduktionsziele gesenkt werden, in dem man Zertifikate in Entwicklungsländern einkauft und dort gleichzeitig die ökologisch nachhaltige Entwicklung durch den Zufluss an Geld und Technologien fördert. Diese, theoretisch eingesparten CO2-Emissionen werden im Gegenzug den Industrieländern angerechnet, sie brauchen also ihren CO2-Ausstoss entsprechend nicht zu senken und verschlafen weiterhin die Energiewende: unter dem Strich resultiert im besten Fall ein Nullsummenspiel. Spätestens dann wird die CO2-Kompensation kontraproduktiv, wenn sie dazu verleitet, vermehrt zu fliegen oder mit dem Auto statt mit dem Zug zur Arbeit zu fahren.

Kompensationen verschärfen die Problematik

Kommt hinzu: Die Erzeugung sogenannter Klimaschutzzertifikate ist hochkomplex und führt in den wenigsten Fällen dazu, dass die bisherige Verbrennung fossiler Energieträger aktiv gestoppt wird. NGOs wie beispielsweise CDM-Watch beobachten weitere Unstimmigkeiten: In vielen Projekten in Entwicklungsländern konnte nachgewiesen werden, dass sogar mehr CO2 produziert wurde, um sich mehr Zertifikate sichern zu können. Da Geld und Technologietransfer nun an die Menge der Emissionen gekoppelt sind, folgt man dem Prinzip, je mehr Emissionen desto mehr Investitionen erhält man. Eine fatale Umkehrung der Anreize, die umgehend revidiert werden muss.
Ausserdem schaffen Kompensationsmöglichkeiten falsche Anreize: Dringend notwendige strukturelle Änderungen verzögern sich, Industriegesellschaften fahren auf ihrem Hochenergiepfad weiter und gaukeln sich trotzdem Klimaschutz vor. Der Westen bleibt aufgrund seiner Inkonsequenz in Klimadebatten unglaubwürdig. Gleichzeitig etablieren sich milliardenschwere Kompensationsgeschäfte in den Entwicklungs- und Schwellenländer. Dadurch wird es immer unwahrscheinlicher, dass sich diese Länder auf CO2-Ausstosslimiten verpflichten werden.
Dies heisst nicht, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer vom Westen nicht unterstützt werden sollen. Im Gegenteil: Die Industrieländer als Hauptverantwortliche der Klimaerwärmung stehen in der Pflicht und müssen fairheitshalber für einen grossen Teil der bereits eingetretenen Schäden, aber auch für die Energiewende im Süden aufkommen: Energieeffizienz und erneuerbare Energien, anstelle den fossilen Sündenfall des Westens zu wiederholen. 

Energiewende hier und überall

Bloss eine weltweite Energiewende, wie sie beispielsweise Greenpeace in ihrer Energy (R)evolution  aufgezeigt hat, wird das Klimachaos verhindern. Gefordert ist die Politik, welche die entsprechenden Rahmenbedingungen stellt. Parallel dazu kann jeder Einzelne im Alltag Massnahmen ergreifen um den CO2-Ausstoss zu reduzieren. Auch Greenpeace bemüht sich international ihre Emissionen zu senken. In der Schweiz hat Greenpeace den CO2-Ausstoss in den letzten fünf Jahren bereits erheblich reduziert; einerseits mit Energiesparmassnahmen, andererseits durch die Nutzung von erneuerbaren Energien. Die wichtigste Massnahme war der Ersatz der Ölheizung durch eine Pelletheizung im Hauptbüro in Zürich, zu der wir unsere Vermieterin 2007 bewegen konnten. Weitere ökologische Verbesserungen waren: bauliche Isolierungsmassnahmen, Ersatz der alten durch effizientere Leuchten (mehr Licht mit weniger Stromverbrauch), Bezug von Ökostrom zusätzlich zur eigenen Fotovoltaikanlage auf dem Dach, Verhinderung des Standby-Modus auf Geräten.

Der steigende Konsum von Flugreisen, Autofahrten und Fleisch in den Industrieländern mit entsprechender Klimawirkung lässt sich auf Dauer nicht einfach in den ärmeren Ländern wegkompensieren

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