Kraftwerke

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Informationsseite - 24. Februar, 2013
Kraftwerke halten die Zivilisation am Laufen: Sie pro­duzieren Energie in einer Form, die es dem Menschen erlaubt, viele Prozesse auszuführen, die er mit seiner eigenen Muskelkraft und mit der von Tieren nie bewältigen könnte: Kraftwerke produzieren Elektrizität. Diese ist praktisch und universell verwendbar.

Elektromotoren — also Geräte, die Elektrizität in Bewegung umwandeln — gibt es in allen Grössen: als mächtigen Antrieb mit Tausenden von PS oder Kilowatt, etwa in einer Lokomotive. Oder als Staubsaugermotor mit 1000 oder 1500 Watt. Nanomotoren (ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter) sind mit dem blossen Auge nicht zu sehen. Der derzeit kleinste besteht aus einem einzigen Molekül. Elektromotoren 
können aber nicht nur mit Elektrizität angetrieben werden, um Kraft zu erzeugen. Sie funktionieren auch in die umgekehrte Richtung: mit Kraft gespeist, können sie Elektrizität erzeugen. So funktionieren die meisten Kraftwerke: Sie erzeugen oder nutzen Wärme, verwandeln diese thermische Energie in kinetische und schliesslich mithilfe eines Generators in elektrische Energie, also Strom. Wasser- und Windkraftwerke ­nutzen direkt die Bewegungsenergie, um Strom zu produzieren. Photovoltaikanlagen funktionieren noch un­mittelbarer: Hier wird Sonnenlicht direkt in Strom umgewandelt.
Kraftwerkstypen unterscheiden sich hauptsächlich durch die Primärenergie, die sie verwenden: Uran, Kohle, Gas oder aber Sonne, Wind-, Wasserkraft usw. Sie unterscheiden sich ferner darin, wie riskant ihr Betrieb ist. Mit der Energiewende wird letztlich immer wichtiger, zwischen zentralen Grosskraftwerken und intelligenten dezentralen Produktionsanlagen zu unterscheiden. Hier ein Überblick:


Atomkraftwerke

Atomkraftwerke sind besonders mächtige Energieerzeuger, weil sie die Energie freisetzen, die in den Atomkernen gespeichert ist. In den heute gebräuchlichen Typen werden Uran-235-Atome gespalten. Die dabei ablaufenden Prozesse sind viel kraftvoller als die, die sich beim Verbrennen von Erdöl oder beim Herabstürzen von Wasser abspielen.
Atomkraftwerke sind meistens sehr grosse Kraftwerke. Es gibt sie mit Leistungen von 900 bis 1600 Megawatt. Aber sie sind auch schlechte «Verwerter»: Sie setzen die aus dem Uran freigesetzte Energie nur mit einem Wirkungsgrad von 30 bis 35 Prozent in Strom um. Eine Steigerung des Wirkungsgrades ist bei heutigen Reaktoren nicht möglich, weil gewisse Materialien bei den dafür nötigen höheren Temperaturen spröde werden und gefährliche chemische Reaktionen provozieren.
Atomkraftwerke sind im Betrieb nicht flexibel. Vom kalten Zustand dauert es einen bis zwei Tage, bis sie die volle Kapazität erreichen. Während des Betriebs kann die Leistung nur relativ langsam erhöht oder gesenkt werden. Neuere Reaktor-Konzepte sollen dies ändern, allerdings bestehen diese erst auf dem Papier.
Besonders problematisch ist jedoch eine andere prinzipielle Eigenschaft der heutigen Atomkraftwerke: Die Notkühlung. Zwar lässt sich der eigentliche Energieprozess, die Kernspaltung, innerhalb weniger Sekunden unterbrechen. Doch auch danach bleibt der Reaktor so heiss, dass er schmilzt, wenn er nicht weiterhin über längere Zeit aufwendig gekühlt wird. Und die dafür notwendigen Notkühlsysteme sind offensichtlich nicht bei allen AKW genügend leistungsfähig und sicher ausgelegt.
Kernstück eines AKW ist der Atomreaktor. Er besteht aus einem grossen dickwandigen Druckbehälter aus Stahl, in welchem sich der eigentliche Reaktorkern befindet und in welchem die Atomspaltung abläuft. Technisch sind diese Werke deshalb besonders anspruchsvoll, weil die gefährlichen radioaktiven Substanzen sicher eingeschlossen werden müssen.

Reaktortypen in der Schweiz:

Beznau I & II:
Druckwasserreaktoren
Mühleberg:
Siedewasserreaktor
Gösgen:
Druckwasserreaktor
Leibstadt:
Siedewasserreaktor

Es gibt zwei prinzipiell unterschiedliche AKW-­Typen: den Siedewasserreaktor und den Druckwasserreaktor. Sie unterscheiden sich darin, wie das erhitzte Wasser zum Antrieb einer Turbine verwendet wird: Im Siede­wasserreaktor wird das Wasser in Dampf verwandelt. Im Druckwasserreaktor wird das Wasser so stark unter Druck gesetzt, dass es nicht siedet und verdampft. Punkto ­Sicherheit ist folgender Unterschied wesentlich: Druckwasserreaktoren haben im Gegensatz zu Siedewasserreaktoren zwei getrennte Wasserkreisläufe. Das Wasser, das im Reaktorkern erhitzt und radioaktiv kontaminiert wird, ist von dem Wasser getrennt, das die Turbine antreibt. Das Ein-Kreis-System der Siedewasserreaktoren ist problematischer, weil grössere Teile der Anlage radioaktiv bestrahlt sind, wodurch die Unterhaltsarbeiten gefährlicher und die Materialien stärker belastet werden.
Neue Entwicklungen wie «schnelle Brüter» oder Hochtemperaturreaktoren sollen einige der Schwächen der heutigen Typen beseitigen. Allerdings wird an all diesen angeblich neuen Reaktor-Konzepten bereits seit vielen Jahren geforscht, doch bisher gibt es kein alltagstaugliches und sicheres Kraftwerk der neuen Generation. Es ist nicht zu erwarten, dass sich dies in absehbarer Zukunft ändert.


Biomasse

Biomasse-Kraftwerke gibt es in den unterschiedlichsten Arten. Sie nutzen Holz, Stroh, Laub, Biogas oder andere organische Materialien zur Energieproduktion.
Holzkraftwerke
Holz wird verbrannt und damit Wasser erhitzt und verdampft. Mit dem Wasserdampf wird eine Turbine ­betrieben. Das Biomasse-Kraftwerk Otelfingen ZH zum Beispiel hat eine elektrische Leistung von 2,6 Megawatt, produziert im Jahr 20,8 Millionen Kilowattstunden und ­verbraucht dabei 30 000 Tonnen Holz-Hackschnitzel. Es erreicht einen Wirkungsgrad von 16,8 Prozent.
Biogaskraftwerke
Gas wird aus allen möglichen organischen Reststoffen, aus Holz oder aus Gülle erzeugt. Mit dem Gas wird ein Explosionsmotor betrieben, der Strom erzeugt. In der Schweiz ist Biogas als «Kompogas» bekannt. Bei einem solchen Kraftwerk kann zudem die Abwärme des Motors zum Heizen benutzt werden.


Blockheizkraftwerke & Wärme-Kraft-Maschinen

Wärme-Kraft-Maschinen oder Wärme-Kraft-Kopplungs (WKK)-Anlagen sind Kombigeräte: Sie produzieren einerseits Strom (Kraft) und liefern gleichzeitig ­Wärme. Die Energie kann aus der Verbrennung von Öl, Holz, Kohle, Erd- oder Biogas, aber auch aus Sonnenlicht oder Erdwärme gewonnen werden. Damit wird wie in einem normalen Kraftwerk ein Generator angetrieben. Weil aus physikalischen Gründen nie die ganze Primärenergie in Strom umgewandelt werden kann, liegt der Wirkungsgrad immer unter 100 Prozent. Der Rest ist Abwärme, die zum Heizen oder für bestimmte industrielle Prozesse ­genutzt werden kann. Damit kann der Wirkungsgrad gegenüber einem normalen Kraftwerk auf gegen 90 Prozent ­gesteigert werden. WKK-Anlagen gibt es in den verschiedensten Grössen: von Kleinstanlagen mit einem Kilowatt für MINERGIE-Häuser bis zu Grossanlagen für industrielle Anwendungen mit fünf Megawatt.
Sinnvoll sind Blockheizkraftwerke vor allem dann, wenn erneuerbare Energien wie Biogas eingesetzt werden.

Wie die Blockkraftwerke, oder auch «Kraft-Wärme-Kopplung» funktionieren, fasst das Greenpeace-Magazin Deutschland hier schön anschaulich und einfach verständlich zusammen.

Fusionskraftwerke

Die Kernfusion ist der Prozess, der die Sonne zum Strahlen bringt und uns deren Wärme beschert. Den ­Prozess auf der Erde — kontrolliert — nutzbar zu machen, dürfte aus prinzipiellen Gründen ziemlich sicher auf immer und ewig eine Illusion bleiben. Seit 70 Jahren ver­suchen sich Forscher daran. Gelungen ist es bisher trotz Milliarden von Forschungsgeldern nur im Labormassstab für wenige Sekunden — und mit der Wasserstoff-Atombombe. Kurz: Eine kontrollierte und friedliche Nutzung der Fusion bleibt eine Utopie.

Gaskraftwerke

Gaskraftwerke sind thermische Kraftwerke, die hauptsächlich auf fossile Brennstoffe angewiesen sind. Sie verbrennen Erdgas, das Wasser in Dampf umwandelt. Der Dampf treibt eine Turbine an, die Turbine einen Generator, der Strom erzeugt. Moderne Gaskraftwerke haben üblicherweise eine Stromleistung von 400 bis 600 Megawatt und treiben sowohl mit der Gasverbrennung (in einer Gasturbine) als auch mit dem durch die Hitze enstandenen Wasserdampf Turbinen an. Gas- und Dampfkraftwerke erreichen einen Wirkungsgrad von rund 58 Prozent.
Erdgas ist unter den fossilen Energiequellen der sauberste und hochwertigste Brennstoff. Das gilt sowohl im Kraftwerkprozess selber als auch in Bezug auf den CO2-Ausstoss pro Kilowattstunde Strom. Gaskraftwerke sind sehr flexibel im Betrieb. Ihre Leistung kann ohne Probleme auf 20 Prozent der Vollleistung, also gewissermassen auf Stand-by-Betrieb reduziert werden. Von dort können sie innerhalb von 15 Minuten auf volle Leistung hochfahren.
Das klingt alles sehr positiv und mag mitunter ein Grund dafür sein, dass in der Schweiz Gaskraftwerke als Ersatz für AKW und als Lösung für den Atomausstieg ­gehandelt werden. Sie sind aber keine Lösung. Im Gegenteil. Sie bleiben massive CO2-Produzenten und damit Klimakiller. Sie verlängern die Abhängigkeit vom Ausland. Vor allem aber stünden sie der Energiewende im Weg, also einer einheimischen, hundertprozentig erneuerbaren Stromversorgung.

«Fracking» nennt man die raffinierte Methode zur Erdgasförderung.                            Warum, und was die Folgen für die Umwelt sind, zeigt uns das Greenpeace-Magazin Deutschland in einem Factsheet.

In den USA ist «Fracking» schon seit einigen Jahren Methode. Die US-Dokumentation «Gasland» zeigt die Folgen. Schockierend.

 

Geothermische Kraftwerke

Geothermische Kraftwerke nutzen die in der Erde gespeicherte Wärme, die — ähnlich wie bei einer Wärmepumpe [ S. 296 ] — an die Oberfläche geholt wird. Dafür gibt es verschiedene Kraftwerkstechnologien. Diese sind in der Schweiz aber noch kaum erprobt. Ein Versuch in Basel wurde aufgegeben, nachdem das Aufbrechen des Felses Erdbeben ausgelöst hat. Das Kraftwerk hätte etwa 20 Mega­watt Stromleistung gebracht, also relativ wenig. Zusätzlich wäre Abwärme für das Fernheizsystem angefallen. Trotzdem besteht ein beträchtliches Potenzial.
Hierzulande sind die geologischen Voraussetzungen allerdings weniger gut als in Gebieten mit Vulkanismus wie Island. In Larderello in der Toskana liegt heisses Magma so dicht unter der Erdoberfläche, dass die Hitze für ein Kraftwerk mit einer Leistung von 750 Megwatt ­genutzt wird.

CCS Carbon Capture and Storage

In Zukunft soll das CO2 bei Kraftwerken gleich «am Kamin» eingefangen, gebunden und in der Erde eingelagert werden. Die Technologie steht erst am Anfang. Ihr Potenzial für den Klimaschutz ist noch unklar. Trotzdem argumentiert die Energiewirtschaft schon jetzt damit.

«Weisswaschkraftwerke» wäre wohl der passende Name für CCS, wie das Greenpeace Magazin Deutschland zu Recht findet. Die EU-Kommission bemüht sich dagegen CCS-Projekte für Investoren attraktiver zu gestalten. 2020 sollen in Europa die ersten CCS-Werke ans Netz gehen.

Kohlekraftwerke

Kohlekraftwerke gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Sie verbrennen Kohle, um Wasser zu erhitzen und zu verdampfen. Der Dampf treibt eine Turbine an, wie bei AKW und Gaskraftwerken. Moderne Kohlekraftwerke erbringen Leistungen von etwa 1000 Megawatt — etwa so viel wie AKW. Unterschieden wird hier zwischen Braunkohle- und Steinkohlekraftwerken, je nach dem Brennstoff, den sie verfeuern: Steinkohle liefert mehr Energie, hat weniger Schadstoffe und ist besser transportierbar als Braunkohle.
Kohlekraftwerke sind gigantische Umweltverschmutzer: Ein modernes Braunkohlekraftwerk mit 1000 Megawatt Leistung verbrennt pro Stunde gegen 800 Tonnen Braunkohle und produziert fast fünf Millionen Kubikmeter Rauchgas. Der CO2-Ausstoss ist gewaltig. Alle Kraftwerke, die mit fossilen Energiequellen arbeiten, sind also wahre Klimakiller. Besonders beunruhigend: Im Gegensatz zu Erdöl und Uran ist ein Ende der Kohleressourcen nicht in Sicht.
Zwar gibt es in der Schweiz keine Pläne für hiesige Kohlekraftwerke. Aber Schweizer Investitionen fliessen in ausländische Projekte. Absurderweise sieht der Bundesrat darin keinen Widerspruch zu seiner Energie- und Klimapolitik.

Fernheizwerke — oder Nicht-Kraftwerke

Kraftwerke übersetzen Primärenergie in Strom. Kraft und Wärme werden als Elektrizität transportfähig und vielseitig einsetzbar gemacht. Fernheizwerke hingegen produzieren Wärme — zum Beispiel aus Kehrichtverbrennung oder mittels Sonnenkollektoren —, die dann direkt zu den Verbrauchern geleitetet wird. Ganze Stadtteile können so geheizt und mit warmem Wasser versorgt werden.

Ölkraftwerke

Ölkraftwerke funktionieren im Prinzip wie Kohle- oder Gaskraftwerke [ S. 294/291 ]. Statt Kohle oder Gas wird Erdöl verfeuert — mit den entsprechenden Konsequenzen für Klima und Luftqualität. Sie sind heute vor
allem noch in den Ländern in Betrieb, die über grosse Erdölvorkommen verfügen.

Desertec

Eine internationale Stiftung will vor allem in Wüstengebieten u. a. gigantische Photovoltaikanlagen bauen und so Unmengen von Strom erzeugen. Mehr dazu unter www.thoreau.ch/desertec

Solarkraftwerke

Solarkraftwerke lassen sich in zwei grundsätzlich unterschiedliche Typen unterteilen:
Photovoltaikkraftwerke
benutzen Solarzellen, um Sonnenlicht direkt in Strom umzuwandeln. Im Gegensatz zu den meisten anderen Stromerzeugern brauchen sie keinen Generator, der Bewegungsenergie in elektrische Energie umsetzt. Photovoltaikkraftwerke können in allen Grössen gebaut werden: von der Fünf-Kilowatt-Anlage auf dem Einfamilen­hausdach über 100- bis 250-Kilowatt-Anlagen auf Dächern von Fabriken, Lagerhallen, Fussballstadien oder Einkaufszentren bis zu Anlagen auf grossen Freiflächen mit Leistungen bis zu mehreren Tausend Megawatt.
Die Anlagen erzeugen über Mittag an sonnigen Tagen den meisten Strom. Nachts produzieren sie überhaupt nicht und bei stark bewölktem Himmel nur einen Teil der Spitzenleistung. Diese Art der Stromproduktion hat grosses Potenzial — auch bei unseren klimatischen Bedingungen. In Deutschland — das Solarstrom stark fördert — deckt Solarstrom an Sonnentagen bis zu 20 Prozent des Bedarfs.

Andasol

In der spanischen ­Provinz Granada ist ein ­photothermisches ­Kraftwerk im Bau, das dereinst eine Leistung von 150­ ­Megawatt erbringen soll.

Photothermische Kraftwerke
nutzen die Wärme der Sonnenstrahlung, um eine Flüssigkeit wie Wasser zu erhitzen. Quadratkilometergrosse Anlagen bestehen aus mehreren Hunderttausend Spiegeln, die das Sonnenlicht sammeln und gebündelt auf einen sogenannten Absorber richten. Dieser nimmt die Energie auf, erzeugt Dampf und leitet diesen in eine Turbine, die Strom erzeugt.

Pumpspeicherkraftwerke

Pumpspeicherkraftwerke spielen in der schweizerischen Stromwirtschaft eine zentrale Rolle. Heute dienen sie dazu, überschüssigen Strom im europäischen Netz zu speichern, bis er benötigt wird. In Zukunft sollen diese Kraftwerke (und Stromspeicherung überhaupt) eine zentrale Rolle spielen bei der Integration von Wind- und Solarenergie; denn diese erneuerbaren Energien richten sich nicht dannach, wann wir sie am meisten benötigen. Pumpspeicherkraftwerke sind aber auch ein Geschäftsmodell: günstiger Niedertarif-Strom wird in teuren Hochtarifstrom «verwandelt».

Sie verfügen über einen hochgelegenen Stausee und ein tiefer liegendes zweites kleineres Wasserbecken. Sie können wie Speicherkraftwerke [ Wasserkraftwerke, S. 297 ] das Wasser aus dem Einzugsgebiet in Stauseen sammeln und werden oft mit diesen kombiniert. Zusätzlich zu den Turbinen verfügen sie über leistungsstarke Pumpen. Damit wird nachts, wenn viel überschüssiger Strom von Kohle- und Atomkraftwerken im Netz ist, Wasser vom tiefer liegenden Becken in den Stausee hochgepumpt. Pumpspeicherkraftwerke können also jeden Tag in den Nachfragespitzen morgens, mittags und abends teuren Strom liefern, ohne den Stausee endgültig zu leeren.

Doch ein Pumpspeicherwerk ist kein Perpetuum mobile. Die Umlagerung hat ihren Preis. Bei der Überwindung der Schwerkraft gehen 25 bis 30 Prozent der eingesetzten Energie verloren. Pumpspeicherkraftwerke sind also grosse Stromvernichter. Ökonomisch lohnen sie sich nur, wenn der Preisunterschied zwischen Pumpstrom (im Ankauf) und Spitzenstrom (im Verkauf) 30 Prozent übersteigt. Ökologisch sind sie nicht unbedenklich, weil den vom Speicherwerk genutzten Flüssen über lange Zeit das Wasser entzogen und dann abrupt zurückgegeben wird.

Wärmepumpen

Wärmepumpen sind umgekehrte Wärme-Kraft-Maschinen [ Blockheizkraftwerke, S. 291 ]. Statt Wärme in Kraft umzuwandeln, holen sie mit Kraft Wärme aus der Erde und bringen diese mit zusätzlichem Energieaufwand auf die gewünschte Temperatur. Dazu holen sie Wasser aus einer Tiefe von 50 bis 300 Metern. Dort hat das Erdreich das ganze Jahr hindurch eine konstante Temperatur. Liegt sie zum Beispiel bei 10 Grad, ist das im Winter wärmer als Luft, Wasser und Boden an der Erdoberfläche. Mit Druck — also mechanischer Kraft — wird das Wasser dann auf Heizwärme gebracht. Wärmepumpen erreichen im Idealfall einen Wirkungsgrad von 100 Prozent und sind eine ideale lokale Energiequelle.


Wasserkraftwerke

In Wasserkraftwerken fliesst Wasser ein Gefälle hinunter und wird in eine Turbine geleitet. Die Turbine erzeugt mittels eines Generators Strom. In der wasser- und bergreichen Schweiz spielt die Wasserkraft eine herausragende Rolle. Aber auch im und am Meer gibt es Wasserkraftwerke. Hier die wichtigsten Typen:

Lac de Dix

Der grösste Stausee der Schweiz mit dem Kraftwerk Grande Dixence im Wallis fasst 400 Millionen Kubikmeter Wasser.

Speicherkraftwerke
stauen hinter einer Talsperre — einer grossen Mauer oder einem Damm — das Wasser eines Flusses und leiten es durch Leitungen über ein grosses Gefälle ins Tal ­hinunter zum Kraftwerk. Dort werden Turbinen unter hohem Druck angetrieben. Die Energie wird also dank der Schwerkraft erzeugt, die in dem gestauten Wasser gespeichert ist (daher der Name). Ohne Stauseen wäre die Nutzung dieser Kraft — wie bei einer alten Mühle — vom schwankenden Wasservolumen abhängig: Im Winter aber, wenn wir viel Strom brauchen, führen die Flüsse wenig Wasser. Stauseen helfen, das Wasser von Frühling bis Herbst zu speichern und im Winter einzusetzen.
Wasserkraftwerke sind sehr flexibel: Sie können innerhalb weniger Minuten von null auf Höchstleistung hochgefahren werden und so Schwankungen im Netz wie den Spitzenverbrauch über Mittag (wenn viel Strom fürs Kochen benötigt wird) ausgleichen.
Die Nutzung der natürlichen Schwerkraft geschieht sauber und ohne Emissionen. Dass sie in der Schweiz so viel genutzt werden kann, hilft uns auf dem Weg zu einer Gesellschaft, die ihren Strombedarf aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen deckt. Trotzdem ginge ein weiterer Ausbau auf Kosten unserer Landschaft und ist deshalb wenig sinnvoll. Bestehende Anlagen können mit den richtigen Investitionen aber effizienter genutzt werden.
Ein besonderer Typ der Speicherkraftwerke sind die Pumpspeicherkraftwerke [ S. 295 ].
Flusswasser- oder Laufkraftwerke
liegen in einem grossen Fluss. Mit einem Stauwehr wird dessen Wasser aufgestaut. Bis zur Turbine fliesst es nur wenige Meter hinunter. Flusswasser-Laufkraftwerke haben deshalb typischerweise eine eher geringe Stromleistung von 10 bis 50 Megawatt. Sie produzieren sogenannte Bandenergie, da der Fluss ständig fliesst. Übers Jahr schwankt die Produktion: Im Frühling wegen des vielen Schmelzwassers oder nach Regenperioden produzieren diese Kraftwerke mehr als im niederschlagsarmen Winter oder während der heissen Sommerperioden.

Gigawatt

Für das Projekt «London Array» sollen im Endausbau rund 300 Windturbinen zusammen 1000 Megawatt Strom ­erzeugen, so viel wie ein AKW. Genug für ein ­Viertel der britischen Hauptstadt.

Wasserwirbelkraftwerke
sind Klein- und Kleinst-Wasserkraftwerke, die an Bächen und kleinen Flüssen gebaut werden können. Das Wasser wird nicht aufgestaut, sondern fliesst seitlich in ein rundes Becken, das über einen Abfluss mit einer damit verbundenen Turbine verfügt: Dieses Wasserrad pro­duziert Strom. 50 Liter Wasser pro Sekunde und ein bescheidenes Gefälle reichen schon aus, um so rationell Strom zu erzeugen. Es ist allerdings Gegenstand von ökologischen Untersuchungen, ob diese Kraftwerke eine Barriere für Wasserlebewesen sind oder nicht. Ein Wasser­wirbelkraftwerk hat typischerweise eine Leistung von 3,5 bis 15 Kilowatt, was den Bedarf von etwa 3 bis 15 Haushalten deckt.
Gezeitenkraftwerke / Meeresströmungskraftwerke
sind prinzipiell gleich gebaut wie Flusskraftwerke: Eine Turbinenanlage wird im Meer angelegt, um den durch die Gezeiten bedingten Höhenunterschied und die dadurch entstehende Strömung des Wassers zu nutzen. Im Gegensatz zu Flusskraftwerken fliesst hier das Wasser einmal in die eine, dann in die andere Richtung, und die Turbinen laufen entsprechend einmal links- und einmal rechtsherum.
Wasserkraft [ S. 139 ]

Windkraftwerke

Der Wind versetzt den Propeller einer Turbine in eine Drehbewegung. Die Turbine treibt einen Generator an, der Strom erzeugt. Windkraftwerke bestehen allerdings zumeist aus mehreren Turbinen, die zu sogenannten Windparks zusammengefasst werden. Je nach Standort wird unterschieden zwischen On-Shore- und Off­-Shore-Anlagen; die Ersteren stehen auf dem Festland, die Letzteren vor der Küste (englisch: shore) im Meer. Dies deshalb, weil dort der Wind kräftiger und regelmässiger weht — und natürlich viel Platz vorhanden ist. Erste Off-Shore-Windparks hatten eine Leistung von 160 Megawatt (mit 80 Windrädern), geplant sind Windparks mit bis zu 9000 Megawatt.
In der Schweiz rechnet Greenpeace damit, dass zukünftig 2,5 Prozent des Strombedarfs mit hiesiger Windkraft gedeckt werden kann — ohne dass bedeutende Abstriche am Landschafts- und Naturschutz gemacht werden müssen.


Geschäftsmodell Grosskraftwerke vs. dezentrale Stromproduktion

Eigentlich sind Grosskraftwerke — wie AKW, Kohle- und Gaskraftwerke — ein ­absurdes Phänomen. Die Primärenergie muss oft über weite Strecken an einen zentralen Ort transportiert werden, wo dann der Strom hergestellt wird. Dieser Strom wird dann wieder über weite Strecken zu den Verbraucherinnen transportiert. In beide Richt­ungen entstehen erhebliche Verluste. Grosskraftwerke sind «Klumpenrisiken»: Wenn eines ausfällt, bekommen das viele zu spüren. Auch punkto Sicherheit sind Grosskraftwerke — allen voran AKW — viel riskanter als kleine dezentrale Anlagen. Des Weiteren profitieren gesamtwirtschaftlich nur wenige vom Bau von Grossanlagen. Arbeitsplätze und eine nachhaltige Wertschöpfung entstehen dann, wenn das Gewerbe dezentrale Energie­lösungen vorantreiben kann.
Trotzdem hat sich die Energiewirtschaft — gestützt von der lobby-anfälligen ­Politik und dem Finanzsektor — für diese ineffiziente und riskante Art der Stromgewinnung entschieden. Nach wie vor sollen die Investitions-Milliarden vor allem in immer grössere zentrale Kraftwerke fliessen. Warum?
Die Logik, die dahintersteckt, ist eine andere: Es geht um ein Geschäftsmodell. Die Energie-Lobby verdient vor allem an den grossen, kapitalintensiven «Stromfabriken» und an einem monopolistischen Verteilungsnetz. Deshalb sollen in der Schweiz grosse Gaskraftwerke die immer gefährlicheren und unrentableren AKW ersetzen. Das mag der Logik des Big Business entsprechen, widerspricht aber dem gesunden Menschenverstand. Wir alle bezahlen den hohen Preis für diesen Unsinn — finanziell und ökologisch.
Greenpeace propagiert zusammen mit anderen Umweltverbänden eine dezentrale Energieversorgung. Indem die Strom- und Wärmeproduktion möglichst nahe zur Verbraucherin gebracht wird, minimieren sich Verluste und Risiken. Vor allem aber öffnen wir den erneuerbaren Energien die Türe, die sich zwar weniger gut transportieren lassen als die fossilen Energien und Uran, dafür aber sauber und unerschöpflich sind. Schon ­heute könnten viele Gebäude mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen, und den Überschuss ins allgemeine Netz speisen. Nur: Die Energie-Lobby befürchtet, daran kein gutes Geld mehr verdienen zu können und ihre Dominanz zugunsten von Energie-Regionen, Genossenschaften und kleinen Dienstleistern zu verlieren. Vor allem in der Schweiz entdeckt die Stromwirtschaft zu zögerlich, dass die Energiewende auch für sie Chancen bereithält.

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