Kunststoffe

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Informationsseite - 24. Februar, 2013
Kunststoffe sind allgegenwärtig. Man findet sie in Baustoffen genauso wie in Lebensmittelverpackungen oder Spielsachen. Die meisten Kunststoffe werden aus nicht erneuerbaren petrochemischen Stoffen gewonnen und mit zahlreichen giftigen Zusatzstoffen ver­sehen.

Viele dieser Stoffe sammeln sich in der Natur und im menschlichen Körper an. Die «Plastik-Insel» (ein Müllstrudel, fast zwanzigmal so gross wie die Schweiz) im Pazifik ist zu einem Symbol dafür geworden, wie Kunststoffe sich in der Natur anhäufen und kaum mehr zu beseitigen sind. Aber auch viel subtiler, auf molekularer Ebene, durchdringen Kunststoffe als Nanopartikel den lebenden Organismus, beispielsweise wenn sie, in giftigen Dämpfen gelöst, eingeatmet werden. Aber es ist nicht immer der Kunststoffgegenstand selbst, der bedenklich ist, sondern vor allem auch die Herstellung und die Entsorgung. 

Verschiedene Arten von Kunststoffen bergen mehr oder minder grosse Gefahren. Neben dem ehrgeizigen Ratschlag, möglichst ganz auf Kunststoffe zu verzichten, insbesondere im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln, listet dieses Kapitel einige der wichtigsten Kunststoffe im Alltag auf und gibt Hinweise auf deren Schädlichkeit.

Was du tun kannst

  • Vermeide die drei giftigsten Kunststoffe: Polyvinylchlorid (PVC), Polycarbonat und Styropor.
  • Verzichte wann immer möglich auf Getränke — auch Mineralwasser — aus PET- und anderen Kunststoffflaschen. [Wasser]
  • Vermeide Kunststoffe generell und suche nach gleichen Produkten, die aus nachwachsenden und unbehandelten Materialien hergestellt sind.

Das Recycling-Symbol, das sich zum Beispiel auf Plastikbehältern befindet, enthält oft eine Nummer. Es dient zur Sortierung, zum Beispiel hinsichtlich Rezyklierbarkeit. Die Nummern entsprechen zwar nicht dem Schädlichkeitsgrad. Trotzdem kann die Konsumentin sich grob daran orientieren:
1, 2, 4, 5: weniger schädlich bis sicher
3, 6, 7: unbedingt zu vermeiden
Leider finden sich diese Kategorien nicht auf allen Etiketten, und manchmal musst du Informationen vom Hersteller anfordern.

Acrylnitril (ABS)

Bewertung: unbedingt vermeiden
Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymerisat (ABS) ist ein harter Plastikwerkstoff, der zur Herstellung von Rohren, Stossstangen und Spielsachen wie Konstruk­tionsbausteinen verwendet wird. Acrylnitril ist ein hoch­giftiger Stoff, der leicht in den Organismus gelangt, sei es durch Atmung oder Hautkontakt. Die flüssigen oder gasförmigen Zustände dieser Verbindung sind hochgradig giftig. Acrylnitril und Styrol werden als möglicherweise krebserzeugend für den Menschen eingestuft.

Outdoor-Kleidung

Im Oktober 2012 hat Greenpeace führende Hersteller für Outdoor-­Kleidung unter die Lupe genommen und dabei in wasser- und schmutz­abweisender Kleidung von vielen Marken zu hohe Konzentrationen von PFC festgestellt.

Bisphenol A

Bewertung: unbedingt vermeiden
Als Bestandteil von Lebensmittelverpackungen, Innenbeschichtungen von Getränke- und Konservendosen, Thermopapieren wie Kassenbons, Fahrkarten oder Parktickets ist Bisphenol A allgegenwärtig. Seit Jahren ist seine gesundheitsschädigende Wirkung, insbesondere auf das Hormonsystem, bekannt, Bescheid wissen jedoch nur die wenigsten. Bisphenol A kann bei Männern und männlichen Tieren zu Fortpflanzungs- und Entwicklungsstörungen führen. Auch steht es unter Verdacht, die Entstehung bestimmter Krebstumore zu fördern. 2008 erklärte Kanada Bisphenol A zur gefährlichen Substanz und verbannte es damit als Giftstoff aus einer Reihe von Produkten. Auch Frankreich hat es verboten. Babyflaschen ohne Bisphenol A werden auch bei uns als unbedenklicher angepriesen. Das Schweizer Bundesministerium für Gesundheit hingegen behauptet, Bisphenol A in Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen stelle kein Gesundheitsrisiko dar; auch nicht für Säuglinge und Kleinkinder.

PE-HD — High-Density-Polyethylen

Bewertung: möglichst vermeiden
PE-HD wird für lichtundurchlässige Behältnisse, insbesondere für Milch, aber auch zur Herstellung von Waschmittel- und Shampoo-Flaschen und bestimmten Plastiktüten und Verpackungsfolien verwendet.

PE-LD — Low-Density-Polyethylen

Bewertung: möglichst vermeiden
Polyethylen mit geringer Dichte (PE-LD) dient zur Herstellung von Getränkekästen, Plastiktüten, Cellophan, Schüsseln, Deckeln und bestimmten Flaschentypen.

Perfluorcarbone (PFC)

Pfannen mit Antihaftbeschichtungen und fettabweisende Verpackungen in Schnellrestaurants werden genauso wie wasserdichte Bekleidung und bestimmte fleckenabweisende Imprägniermittel unter Verwendung von Perfluorcarbonen (PFC) hergestellt. Einige dieser Verbindungen sind äusserst giftig. Vor allem aber sind sie bio-akkumulativ, das heisst, sie bauen sich nicht ab und sammeln sich dauerhaft in organischen Geweben an. In der Umwelt sind sie daher mittlerweile weltweit nachweisbar: Sogar im Eis der Arktis oder im Blut von Eisbären oder Pinguinen. Trotz ihrer grossen Verbreitung ist über die Toxizität nur wenig bekannt.

Antihaft-Pfannen
Antihaftbeschichtete Pfannen werden unter Verwendung von Perfluorcarbonen hergestellt. Wenn sie zu hoch erhitzt werden, setzen sie giftige Gase in der Luft frei. Steht eine antihaftbeschichtete Pfanne ohne Inhalt für fünf Minuten auf der heissen Herdplatte, beginnt bereits die Zersetzung der Beschichtung. Die dabei entstehenden Gase sind sehr giftig.

  • Wenn du auf Nummer sicher gehen willst: Entsorge alle Antihaft-Pfannen und koche mit solchen aus Chromstahl oder Gusseisen.
Apropos PET

Das Earth Policy Institute hat errechnet, dass die Plastikflaschen-Hersteller allein in den USA jährlich 1,5 Millionen Barrel Erdöl verbrauchen. Das ist die Menge, die ungefähr dem Jahresverbrauch von 200 000 Autos entspricht.

PET
— Polyethylenterephthalat

Bewertung: möglichst vermeiden
Polyethylenterephthalat (PET) dient der Herstellung von Wasser-, Saft- und Softdrink-Flaschen, von Verpackungen für Lebensmittel und Kosmetika und durchsichtigen Plastikdosen. Die Recycling-Quote liegt bei etwa 30 Prozent. Aber Achtung: Die genaue chemische Zusammensetzung bleibt oft unbekannt. Mit der Zeit, durch Hitze und UV-Strahlung lösen sich schädliche Stoffe aus dem Kunststoff, beispielsweise Acetaldehyd (Ethanal).

Polycarbonat

Bewertung: unbedingt vermeiden
Polycarbonat wird für hitzebeständige Trinkgefässe wie Babyflaschen und mikrowellenfestes Geschirr verwendet. Auch harte Kunststoffgegenstände wie wiederverwendbare Wasserflaschen, Kindertassen und CDs und DVDs bestehen aus Polycarbonaten. Es dient auch zur Auskleidung von Konservendosen. Polycarbonat enthält Bisphenol A.

Polyurethan (PU)

Bewertung: unbedingt vermeiden
Aus Polyurethan (PU) werden Isoliermaterialien hergestellt, und es wird als Bestandteil zum Beispiel von flexiblen Stoffen wie Schäumen für den Bau, Schuhsohlen, Küchenschwämmen und Unterteppichmatten verarbeitet. Bei der Herstellung werden verschiedene giftige Hilfsstoffe eingesetzt. Es entstehen dabei diverse giftige Abfallprodukte. Bei der Verbrennung — aber auch bei der Zersetzung auf Mülldeponien — von PU werden zahlreiche gefährliche Chemikalien wie Blausäure und Dioxine freigesetzt.
Polyurethan (PU) ist wie PVC ein Chlor-Kunststoff. Für seine Herstellung wird etwa elf Prozent des weltweit produzierten Chlors benötigt. Auch eine chlorfreie Produktion beruht auf gesundheitsgefährlichen Stoffen. So wurde bei Arbeitern in Produktionsstätten von PU das sogenannte Isocyanat-Asthma diagnostiziert.

Polyvinylchlorid (PVC)

Bewertung: unbedingt vermeiden.
Sowohl die Herstellung als auch der Gebrauch und die Entsorgung von Polyvinylchlorid (PVC) ist hochgiftig. Bei seiner Produktion werden krebserregende Substanzen freigesetzt. Seine Verbrennung erzeugt gefährliche Dioxine auf Chlorbasis. PVC findet breite Anwendung. Es findet sich u. a. in diversen Frischhaltefolien und Lebensmittelverpackungen, in Baumaterialien, Bodenbelägen (Novilon), in Spielzeugen, Handtaschen und (Dusch-)Vorhängen.
PVC ist nur schwierig bis gar nicht zu recyceln — aufgrund der Chloranteile und der Zusatzstoffe (u.a. Weichmacher), die darin enthalten sind. Zu beachten ist ausserdem: Weich-PVC enthält giftige Phthalate, welche die Gesundheit zusätzlich schädigen!

PP — Polypropylen

Bewertung: möglichst vermeiden
Polypropylen (PP) dient zur Herstellung von Tiefkühldosen, Joghurtbechern und anderen halbtransparenten Behältnissen. Auch in Sitzbezügen, Gartenmöbeln und medizinischen Geräten kann Polypropylen enthalten sein. Die verwendeten Rohstoffe Ethylen und Propylen gelten, relativ gesehen, als harmlos für die Umwelt. Aber auch ihnen sind nachwachsende Materialien vorzuziehen.

Styropor oder Polystyrol, Polystyren, «Sagex»

Bewertung: unbedingt vermeiden
Styropor oder Expandiertes Polystyren (EPS) wird als Füllstoff für Transporte, Polsterungen und Isolierung in verschiedenen Gegenständen verwendet, so bei Einwegkaffeetassen und einigen Spielzeugen. Seine Herstellung erfordert den Einsatz von krebserregendem Benzol. Die Verarbeitung von EPS führt zur Freisetzung des karzinogenen Styroloxids (DTI 1993).
Theoretisch kann Styropor recycelt werden, doch der effektiv recycelte Anteil ist eher gering. Styrol ist zudem hochgradig brandgefährlich. Aus ökologischer Sicht könnte Polystyrol weniger problematisch erscheinen als PVC — es enthält weniger Zusätze und kein Chlor —, doch ein Einsatz als PVC-Alternative ist aufgrund der Risiken der verschiedenen Rohstoffe nicht empfehlenswert.

Kategorien

(nicht registriert) Fritzli sagt:

Das sind schon schwerwiegende Bedenken, die hier geäussert werden. Ich vermisse sehr die Angabe auch nur einer seriöser Quelle, um die These...

Geposted 13. Mai, 2014 am 11:42 Missbrauch Reply

Mehr... Weniger...

(nicht registriert) Matthias sagt:

Hallo Jeschuah. Das ist eine sehr gute Frage. Leider können wir nicht alle Kunststoffsorten hier abhandeln, und wenn Du hier eigene Recherchen an...

Geposted 4. März, 2014 am 12:15 Missbrauch Reply

Mehr... Weniger...

(nicht registriert) jeschuah sagt:

Wie gefährlich ist Ethylenvinylacetat ( EVA ) z.B. in Schuhen ?

Geposted 2. März, 2014 am 16:24 Missbrauch Reply

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