Milchprodukte

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Informationsseite - 24. Februar, 2013
Wenn es um Milchprodukte geht, haben wir es in der Schweiz im wahrsten Sinne des Wortes mit «heiligen Kühen» zu tun. Die Milchwirtschaft prägt unsere länd­liche Kultur ganz gewaltig. Die Kuhhaltung hat dem Landschaftsbild einen Stempel aufgedrückt. Ein Stück nationale Identität ist also damit verbunden. Umso schwieriger ist es, die ökologischen Schattenseiten von Milch, Käse, Butter, Rahm, Joghurt, Quark u. v. m. anzuprangern.

Man ist versucht zu rechtfertigen: Wenn man es den Anrainern der Meere nicht verdenken kann, täglich Fisch zu essen, dann soll man uns unsere Diät lassen. Aber es hat alles seine Grenzen.


Milchland Schweiz
Die Schweiz ist mit über 25 000 Milchproduktionsbetrieben — von denen nicht einmal zehn Prozent Bio-Betriebe sind — eines der Länder mit der höchsten Milchproduktion pro Einwohner. Auch der Konsum von Milchprodukten ist hierzulande mit jährlich 140 kg pro Kopf sehr hoch. In ­einem Land, das nicht mit Bodenschätzen gesegnet ist, hat das historische Gründe, und auch die Bedingungen für die Milchproduktion sind in der Schweiz von jeher gut. Raufutter nämlich, also Gras usw., das für den Menschen nicht ­direkt verwertbar ist, ist in grossen Mengen vorhanden, und die wiederkäuenden Kühe, Ziegen und Schafe wandeln dieses in reichhaltige Nahrung um. Technisch gesagt: Die Milcherzeugung der Kuh hat einen hohen Wirkungsgrad.Rund die Hälfte der Kalorien, die sie aufnimmt, gibt sie als Milch weiter. Das ist ein deutlich besserer Wert als bei der Produktion von Rindfleisch (für eine Rindfleisch-Kalorie braucht es sieben Futter-Kalorien). Wenn sich eine Schweizer Kuh mit hiesigem Gras ernährt, dann ist massvoller Milchkonsum vertretbar. Es sieht aber anders aus, wenn die Milchkühe Soja aus Brasilien gefüttert bekommen. Deshalb ist es so wichtig, bei Milchprodukten konsequent Bio zu kaufen (umso mehr, da der Preisunterschied gering ist).

Wirkungsgrade

Prozent der aufge­nommenen Nahrung umgewandelt in
Kuhmilch 49 %
Rindfleisch 14 %
Schweinefleisch 21 %
Eier 26 %

Trügerisches Idyll
Trotzdem beschränkt sich der klimaschädigende Beitrag der Rindviehhaltung leider nicht auf die Fleischproduktion. Global gesehen betreibt die Milchwirtschaft einen ähnlichen Raubbau an kostbaren Ressourcen und belastet die Atmosphäre mit grossen Mengen von Treibhausgasen. Ein immenser Methan- und CO2-Ausstoss, der Verbrauch von unverhältnismässig grossen Wassermengen und der Anbau von Soja als Futtermittel in riesigen Monokulturen schaden dem Klima wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig. Die Schweiz mit ihren idyllischen Kuhweiden muss sich im Klaren darüber sein, dass sie durch ihre Leibspeise für einen gewaltigen CO2-Ausstoss verantwortlich ist, der in den Statistiken leider nur zu oft unterschlagen wird.
Was wir im Kapitel Fleisch an Informa­tionen aufgelistet haben, gilt über weite Strecken auch für Milchprodukte. Was du punkto Fleischkonsum beachten solltest, kannst du bedingt auch auf den Milchverzehr übertragen: Je weniger, desto besser.

Was du tun kannst

  • Ersetze bei einer vegetarischen Ernährung Fleisch nicht durch Milchprodukte.
  • Wie beim Fleisch gilt es auch bei Milchprodukten, seinen Konsum zu drosseln. Vor allem Butter, Käse und Rahm haben eine schlechte Klimabilanz.
  • Kaufe Milch und Milchprodukte aus regionaler Produktion, die von Bio Suisse, Demeter oder KAGfreiland zertifiziert ist. Zusätzlich unterstützt du damit eine tierfreundliche Haltung.
  • Ersetze Butter durch Raps-, Oliven- und Sonnenblumenöl. Bei Margarine achte darauf, dass sie nicht aus Palmöl hergestellt ist.

Bio-Milch

Kühe in Bio-Betrieben geniessen bei einer durchschnittlichen Milchleistung von 5500 kg/Jahr in der Schweiz nicht nur zwischen 13 und 26 Weidetagen im Monat, sondern auch mindestens 90 Prozent Raufutter. Das Raufutter als faserreiches Grundfutter erhöht zwar den Methan-Ausstoss der Bio-Wiederkäuer und lässt deren Klimabilanz schlecht erscheinen. Kühe in konventionellen Betrieben aber sind auf eine Milchleistung von 12 000 kg/Jahr gezüchtet und kommen kaum ins Freie. Ihr geringes Raufaserkontingent lässt ihren Ausstoss an Methan zwar sinken. Trotzdem liegt die vernünftigere Entscheidung immer noch bei der Bio-Milch. Denn die Leistung der konventionell gehaltenen Kühe kann nur mit entsprechender Menge (Import-)Kraftfutter gehalten werden: Futtermittel auf Sojabasis sind mit Urwaldrodung, langen Importwegen und entsprechend hohen CO2-Emissionen verbunden. Ausserdem produziert der Bio-Landbau durch den Verzicht auf synthetische Düngemittel weniger Distickstoffmonoxid (N2O) und Kohlenstoffdioxid (CO2).

Klimakiller

Das von Wiederkäuern ausgestossene Methan hat eine rund zwanzigmal schädlichere Klimawirkung als CO2.

Klimabilanz

Hat Milch selbst noch eine einigermassen akzeptable Klimabilanz, wird diese bei der Weiterverarbeitung zu Butter, Rahm oder Käse dramatisch. Während bei Rindfleisch das durchschnittliche CO2-Äquivalent pro Kilo bei enormen 13,3 Kilo CO2 liegt, ist es bei Butter sogar bei gigantischen 23,8 Kilo! Käse bringt es auf 8,5 Kilo, also weit mehr als Schweinefleisch oder Geflügel.
Natürlich sind solche Berechnungen zu einzelnen Lebensmitteln mit Vorsicht zu geniessen. Doch auch wenn die obigen Zahlen nicht sakrosankt sind und ein Kilo Butter natürlich auch viel ergiebiger ist als ein Kilo Fleisch, ist es ökologisch sinnvoll, neben dem Konsum von Fleisch auch jenen von Milchprodukten herunterzufahren.
Transport und Lagerung erfordern meist Kühlung, was die Klimabilanz von Milchprodukten noch zusätzlich belastet, wie auch die Verpackung. Einmal mehr tust du also gut daran, regionale und möglichst frische Produkte zu kaufen.
Am Ende des Kapitels Fleisch findest du eine Tabelle, die für eine ganze Reihe von ­Lebensmitteln die CO2-Werte auflistet.

Labels

Die meisten Kriterien bei der Vergabe von Labels für die Fleischproduktion betreffen Haltung, Auslauf, Fütterung und andere Standards, die Betriebe einhalten müssen. Sie gelten auch für die Milchproduktion.

Wiesenmilch

Die von der Vereinigung der integriert produzierenden Bauern und Bäuerinnen IP-SUISSE zertifizierte «Wiesenmilch» ist ein Fortschritt und liegt, ökologisch gesehen, zwischen der nach biologischen Standards produzierten Milch und konventionell erzeugter. Der Name hält aber nicht wirklich, was er verspricht. Die Milch enthält einen ansehnlichen Kraftfutteranteil von bis zu 25 Prozent, während er bei Bio-Knospe-Milch 10 Prozent nicht übersteigen darf. Bio-Milch ist also immer auch die bessere «Wiesenmilch».
Milch mit hohem Raufutter-Anteil gilt als gesünder als solche von Kraftfutter-Kühen mit gigantischen Milchleistungen. Weidehaltung mit einem hohen Anteil an Grünfutter und Heu führt zu Milch mit höherem Gehalt an Omega-3- und anderen ungesättigten Fettsäuren. Gleiches gilt für das in der Milch enthaltene Provitamin A und Vitamin E. Je nach Grünfutter liegt der Vitamingehalt der Milch zwischen 30 und 100 Prozent über dem von «Turbokühen».

Greenpeace Schweiz fordert in seiner Kampagne "Stopppt den tierischen Wahnsinn" einen Ausstieg aus der Kraftfutterfütterung in der Tierproduktion. Vor allem, wenn es um Sojakraftfutter geht. Mach mit!

Wie der vollständige Ausstieg aus der Kraftfutterfütterung bei Milchkühen gelingen kann, erforscht das FIBL (Forschungsinstitut für biologischen Landbau) in ihrem Projekt "Feed no Food".

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