Mobilität

Informationsseite - 24. Februar, 2013
Menschen lieben Mobilität, und die heutige Zeit könnte sogar als hypermobile Ära bezeichnet werden. Güter werden durch die Möglichkeiten des Transportes scheinbar mühelos zwischen Kontinenten verschoben. Menschen legen beim Arbeiten, zum Einkaufen und in ihrer Freizeit immer weitere Strecken zurück. Auch die Kommunikation ist durch eine grenzenlose Mobilität gekennzeichnet. Wir scheinen die Mobilität zu brauchen wie die Luft zum Atmen.

«Das Steinzeitalter ist nicht aufgrund eines Mangels an Steinen zu Ende gegangen.
Und so wird auch das Erdölzeitalter nicht wegen eines Mangels an Erdöl zu Ende gehen.»
Klaus Töpfer, ehemaliger deutscher Umweltminister
«Zukünftig wird es nicht mehr darauf ankommen, dass wir überall hinfahren können,
sondern, ob es sich lohnt, dort anzukommen.»
Hermann Löns (1866—1914), deutscher Schriftsteller

 

Verkehr und Klima
Problematische Aspekte unserer Mobilität sind der Verbrauch von — vor allem fossilen — Energieressourcen, der Lärm, die Luftschadstoffe (z. B. Feinstaub), wuchernde Agglomerationen, die Zersiedelung von Landschaften und natürlich klimaschädliche Treibhausgase (CO2, Stickoxid). Statt in lebendigen Dörfern und Quartieren leben immer mehr Menschen in unwirklichen Trabantenstädten, und eine rastlose, gestresste 24-Stunden-Gesellschaft überfordert sich und die Umwelt gleichermassen.
Ein Drittel des weltweiten Endenergieverbrauchs ist auf den Verkehr zurückzuführen. Da der Energiebedarf des Verkehrs zu rund 95 Prozent mit Erdölprodukten gedeckt wird, beträgt dessen Anteil am gesamten Erdölverbrauch 61 Prozent. In der Schweiz stammt etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen aus dem Verkehrsaufkommen. Die Sektoren Transport und Verkehr sind damit die Hauptverursacher des hiesigen klimaschädlichen CO2-Ausstosses. Dabei hätten wir gerade in der Schweiz beste Voraussetzungen, mit unserem Mobilitätsverhalten einen Beitrag zu einer umweltfreundlicheren Fortbewegung zu leisten. Die Schweiz verfügt über ein hervorragend ausgebautes ÖV-Netz, über allgemein kurze Wege und nahe, vielfältige Erholungsgebiete.

Zehntel

Mit einem Auto werden durchschnittlich nur 1,6 Personen (sagen wir: 150 Kilo mit Gepäck) befördert. Das Durchschnittsgewicht des Autos beträgt etwa 1500 kg (und steigt seit Jahren). Der Verhältnisblödsinn wird so deutlich: Nur ein Zehntel des Energieverbrauchs und CO2-Ausstosses dient der eigentlichen «Fracht».

Langsamkeit und Nähe
Es ist immer öfter von «intelligenter» Mobilität, von immer «smarter» gesteuerten Verkehrssystemen die Rede. Der öffentliche Verkehr wird zwar ständig weiterentwickelt, aber er scheint permanent an seine Grenzen zu stossen. Dabei wäre die nachhaltigste Lösung — im wahrsten Sinne des Wortes — naheliegend: eine Gesellschaft, in der mehr innerhalb kurzer Distanzen organisiert ist. Da bietet sich das Homeoffice (als eine teilweise Verlagerung des Arbeitsplatzes nach Hause) ebenso an wie das Revival von Regionalmärkten oder Lebensmittel vom benachbarten Bauernhof oder anders geartete Nachbarschaftsnetzwerke. Es sind kleine, aber wichtige Schritte weg vom «Hypermobilitäts»-Ideal des fossilen Energiezeitalters.
Weltweit sind Städte- und Verkehrsplanungen im Umbruch. Die Konstrukteure unseres Lebensraums scheinen mittlerweile realisiert zu haben, dass Mobilität viel mit Lebensqualität und diese viel mit Langsamkeit und Nähe zu tun hat. Radfahren und Zufussgehen werden in angesagten Medien als Ausdruck einer neuen Lebensart gepriesen. Die Politik debattiert, wie die Zersiedelung, die Blechlawinen und Pendlerströme zwischen den Grossstädten und die daraus resultierenden exorbitanten CO2-Ausstösse zu bremsen wären — um es einmal zweckoptimistisch auszudrücken.
Sei unbequem
Weniger optimistisch dürften dich Autostatistiken stimmen: In der Schweiz hat sich der Autobahnverkehr von 1990 bis 2010 auf 25 Milliarden gefahrene Kilometer verdoppelt. 2009 waren 4 009 807 Fahrzeuge in der Schweiz angemeldet, mehr als ein Fahrzeug auf zwei ­Einwohner!
Wichtig ist, es sich nie zu bequem zu machen und seine Mobilitätsgewohnheiten ständig zu überprüfen. Vielleicht wurde auf deinem Arbeitsweg ein neuer Radweg, eine neue Buslinie angelegt. Bietet der Supermarkt günstige Velolieferungen an? Vielleicht hast du mit dem Rauchen aufgehört und bist nun fit fürs Velo. Vielleicht kannst du dir mehr Zeit nehmen als noch vor einem Jahr.

Was du tun kannst

  • Reduziere das Fliegen auf ein striktes Minimum, auch beruflich. Wenn du innerhalb von Europa reist, fahre lieber mit der Bahn.
  • Wenn du ein Auto brauchst, wähle eines der bestmöglichen Energieklasse und fahre das Fahrzeug energieeffizient. Nutze Carsharing oder bilde Fahrgemeinschaften.
  • Setze dich für fahrrad- und fussgängerfreundliche Städte ein und unterstütze eine bessere Finanzausstattung des öffentlichen Nahverkehrs in deiner Gemeinde.


Agrotreibstoff

Abholzung in Sumatra

© 2008 Greenpeace / Natalie Behring-Chisholm

 

Agrotreibstoffe werden noch immer als Rezept für klimafreundliche Mobilität gehandelt. Zugegeben, sie verursachen wenig Schadstoffe und Feinstaub. Damit hat es sich aber schon mit den Vorteilen. Es gibt zu viele negative Aspekte, wenn man die Agrotreibstoffe der ersten ­Generation unter die Lupe nimmt.

«Bio-Sprit», erste Generation
Zu diesen gehören Bio-Diesel und Bio-Ethanol. Sie werden aus Rohstoffen und/oder auf Ackerflächen, die eigentlich für Nahrungsmittel bestimmt waren, produziert: Soja, Zuckerrohr, Palmöl. Dafür benötigt man riesige Anbauflächen, und um diese zu schaffen, werden Regenwälder abgeholzt, womit ungemein wichtige CO2-Speicher verloren gehen. Das Abbrennen von Torfböden für Ölpalmenplantagen setzt gigantische Mengen Treib­hausgas frei.

Von Klimafreundlichkeit also keine Spur. Ausserdem belasten Monokulturen die Umwelt zusätzlich, zum Beispiel durch ihren Wasserverbrauch. Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Menschen wird so vernichtet.
Indem aus Nahrung Treibstoff gemacht wird, werden die Preise für Lebensmittel in die Höhe getrieben: Die Lebensmittelkrise weltweit verschärft sich. Somit sind Begriffe wie Bio-Ethanol, Bio-Diesel oder Agrotreibstoff perfider Etikettenschwindel. Unter dem Vorwand des Klimaschutzes hat die EU bis 2011 bereits 5,75 Prozent der fossilen Treibstoffe durch Agrotreibstoffe ersetzt.

Public Eye

Immerhin hat der Agrotreibstoffkonzern Neste Oil 2011 den Negativpreis Public Eye Award für das übelste internationale ­Unternehmen bekommen.

Zweite Generation
Anders sieht es bei der Nutzung von Agrotreibstoffen der zweiten Generation aus: Hier werden Pflanzenreste, Abfall und feuchte Biomasse wie Schlick von Kläran­lagen, Gülle und Mist für die Produktion von Treibstoffen verwertet. Theoretisch neun Prozent des fossilen Treibstoffverbrauchs weltweit (den Flugverkehr ausgenommen) und zehn Prozent in der Schweiz könnten so gedeckt werden. Das Potenzial in der Schweiz wird auf 700 Millionen ­Liter Benzinäquivalente pro Jahr geschätzt. Für die Produktion von «Energiepflanzen» werden hierzulande noch keine Subventionen in Aussicht gestellt, und auch die Befreiung von der Mineralölsteuer ist an Bedingungen gebunden. So müssen die Agrotreibstoffe unbedingt den Nachweis einer ökologisch und sozial positiven Bilanz erbringen.

Leerläufe

Mit täglich 10 Minuten Leerlauf produziert ein Motor im Jahr eine Vierteltonne Treibhausgas (CO2-Äquivalent).

Warum der Gedanke aus grünen Rohstoffen Treibstoffe zu entwickeln nicht ökologisch ist und wie die Biotreibstoffe unsere Lebensmittelpreise und Nahrungsmittelversorgung der Weltbevölkerung bestimmen.

Auto

Das Auto steht für Beweglichkeit und Sicherheit, für Status und Freiheit. Es ist praktisch, komfortabel und für unzählige Tätigkeiten schier unverzichtbar. In keine menschliche Errungenschaft dürften so viel Erfindergeist und Energie geflossen sein. Seine Bedeutung reicht in sämtliche Sphären der Gesellschaft. Es symbolisiert wie kein anderes Kulturgut das 20. Jahrhundert. Sorgen wir dafür, dass es im 21. Jahrhundert einen geringeren ­Stellenwert einnimmt.
Zersiedelung
Wir zerstückeln unseren Lebensraum, um Platz für Strassen und Parkplätze zu schaffen. Der motorisierte ­Individualverkehr — nicht das Bevölkerungswachstum — ist wohl am meisten verantwortlich für die Zersiedelung auf Kosten der Natur. Unser Mobilitäts- und Konsumverhalten hat erst schwachsinnige Gebilde wie «Einkaufszentren auf der grünen Wiese» ermöglicht. In den Städten leiden viele Quartiere darunter, dass der Autoverkehr sich immer neue Schleichwege erschliesst.

Klima
Weltweit ist der Strassenverkehr für 13 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich, in der Schweiz sogar für knapp 29 Prozent. Die Schweiz hat nach Schweden die verbrauchsintensivste Fahrzeugflotte.

Einfachster Klimaschutz

Am Anfang der «Libyenkrise» im Frühjahr 2011 hat Spanien die Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h auf 110 km/h gesenkt, um Benzin zu sparen. Mit 120 km/h verbrauchst du 20 Prozent mehr Sprit als mit 100.

Luftqualität
Die Klimadebatte hat die Diskussion um andere Abgase verdrängt. Autoabgase tragen zu verschiedenen Formen von Smog bei, nicht nur in den Städten, auch auf dem Land. Grenzwerte werden immer häufiger erreicht. Die Durchschnittswerte sind in der ganzen Schweiz fast ständig hoch, winters wie sommers.
Deshalb kann man eigentlich nur einen Rat geben: Verzichte ganz aufs Auto! — Und falls das noch nicht geht, hier ein paar Dinge, die du beherzigen solltest:

  • Fahre energiesparend, lärm- und schadstoffarm und halte dich an Geschwindigkeitsbeschränkungen oder bleib darunter. Lass den Motor nie im Stand laufen.
  • Schrumpf dein Auto! Beim nächsten Autokauf gibt es nur noch ein Kriterium: Wie hoch ist sein CO2-Ausstoss? 4-Liter-Autos gibt es schon zu kaufen, 2-Liter-Autos sind möglich. Die Auto-Umweltliste des VCS hilft dir bei der Entscheidung.
  • Fahrzeuge mit Allradantrieb brauchen mehr Benzin und stossen mehr Treibhausgase aus als Autos mit Zweiradantrieb.

Wie Du am besten Energie und Sprit sparst, will die Seite benzinsparen.de zeigen. Dabei werden verschiedene Faktoren wie Fahrweise, Reifen oder eben das richtige Modell berücksichtigt.                                      

Super-Speicher

Intelligent vernetzt könnten die Batterien von Millionen von Elektro- und Hybridfahrzeugen die Rolle von Pumpspeicherseen übernehmen: Die Fahrzeuge würden dann geladen, wenn die Nachfrage nach Strom gering ist, und könnten bei Spitzenbe­darfszeiten einen Teil der in den Batterien gespeicherten Energie wieder ins Stromnetz abgeben.
Kraftwerke

Schon in naher Zukunft sollen immer mehr benzinfreie Autos das Strassenbild schmücken. Das Greenpeace-Magazin hat ihnen eine Ausgabe gewidmet. Die Alternative zum eigenen Auto bleibt immer noch das Car-Sharing. Privat mit Freunden und Bekannten oder Anbietern wie mobility oder in Kombi mit Bahnreisen.

Elektromobilität

Der Trend der letzten Jahre zu Hybridfahrzeugen (die Benzin- und Elektromotoren kombinieren) dürfte zum wiedererwachten Interesse an Elektrofahrzeugen beigetragen haben. Der durchschnittliche Verbrauch senkt sich dank dem zusätzlichen Elektromotor im zweistelligen ­Prozentbereich und ist vor allem im Stadtverkehr effizient.
Elektroautos fahren nicht mit Benzin, sondern ­beziehen ihre Kraft aus Strom. Sie sind leise, abgasfrei und günstig im Betrieb. Die meisten der grossen inter­nationalen Marken haben Elektroautos im Angebot, und es gibt Hersteller — auch aus der Schweiz —, die sich auf kleine Elektromobile spezialisiert haben wie den Kamoo Smile oder den Twike.
Ganz so ausgereift wie Benzinautos sind diese noch nicht: Mit einer Batterieladung kann man meist ­maximal 150 Kilometer fahren. Allerdings beträgt die durchschnittliche Fahrstrecke pro Tag in der Schweiz weniger als 40 Kilometer, das heisst, dass diese Reichweite für die meisten Fälle absolut ausreicht. Dafür ist der «Treibstoff» viel billiger: Ein E-Auto kommt bei den heutigen Strompreisen in der Schweiz für drei Franken 100 Kilo­meter weit.
Wie sinnvoll oder wie nachhaltig ein Verkehr mit Elektroautos wird, hängt davon ab, ob dessen Entwicklung in einem ökologisch sinnvollen Rahmen stattfindet. Das heisst vor allem zweierlei:

  • Die Elektromobilität muss aus erneuerbaren Energiequellen gespeist werden. Und nicht auf Kosten der Energiewende: Die Umstellung auf Elektromobilität muss kontrolliert geschehen, damit nicht neue AKW oder Gaskraftwerke die Folge sind.
  • Fahrzeuge müssen so leicht und energieeffizient wie möglich gebaut werden. Die Technologie sollte aber nicht dazu dienen, übermotorisierte Wagen zu rechtfertigen. Gerade Produzenten von absurd schweren und PS-starken Fahrzeugen waschen sich dadurch rein, dass der unverhältnismässig hohe Verbrauch durch die neuen Technologien ebenfalls gesenkt wird. Das Zeitalter der schweren Allround- und Allradwagen muss zu Ende gehen. Wer neben seinem leichten E-Mobil ein Auto für einen schweren Transport benötigt, sollte auf Carsharing-Fahrzeuge zurückgreifen.

Das Greenpeace-Magazin Deutschland hat den Autos der Zukunft eine Ausgabe gewidmet und legt die Vor- und Nachteile auf die Waagschale. Ganz konkret nach der Klimabilanz von E-Autos gegenüber konventionellen Fahrzeugen, fragt Greenpeace-Blog-Autor Wolfgang Lohbeck. Wer in die Autowelt von morgen reinschnuppern möchte, kann sich hier die gängigen Modelle aller alternativen Kraftstoffe anzeigen lassen. Neugierig auf das Hybridauto? Hier gibt es ein schönes Factsheet zu Bau und Funktionsweisen der Hybriden.

 

Bremsenergie

Die Lokomotiven der SBB speisen beim Bremsen Strom ins Netz zurück. ­Damit können drei Züge, die den Gotthard hinunter­fahren, genug Strom ­produzieren, um einen Zug ­hinaufzubringen.

Eisenbahn

Wer in Italien mit der Bahn reist, sieht auf dem ­Ticket, wie viel CO2 seine Fahrt produziert und wie viel mehr CO2 das Auto oder Flugzeug ausstossen würden. Auch für Bahnfahrten in der Schweiz kannst du diesen Vergleich machen: Im SBB-Onlinefahrplan findest du für jede Verbindung einen Umweltrechner, der dir sofort anzeigt, wie viel Energie für diese Fahrt mit Zug oder Auto verbraucht und CO2 produziert wird. Dort siehst du übrigens auch, wie viel nutzbare Zeit dir auf Fahrten im Zug, Auto oder Flugzeug zur Verfügung stünde.
Doch auch die Eisenbahn ist ein energieintensiver Mobilitätsträger. In der Schweiz ist die SBB der grösste Stromkonsument. Da sie über eigene Wasserkraftwerke verfügt, fährt sie mit rund 75 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien (Angaben: 2011) und hat angekündigt, bis zum Jahr 2025 ihren Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen zu erzeugen. Zum Vergleich: Der allgemeine Schweizer Strom-Mix enthält rund 57 Prozent Strom aus erneuer­baren Quellen.
In Frankreich und Deutschland aber stammen rund 80 Prozent aus AKW und fossiler Stromproduktion.
Es gibt deutsche Studien, die LKW- und Bahntransporte vergleichen. Zwar schneidet die Bahn da fast immer besser ab als die Strasse, aber der Vorsprung ist oft knapper, als man allgemein annimmt.
Die Hochgeschwindigkeitszüge sind besonders gierige Stromfresser, denn mit wachsender Geschwindigkeit nimmt der Verbrauch nicht linear, sondern überproportional zu. Im Pionierland Frankreich erreichte ein TGV (Train à grande vitesse) mit 574 km/h Spitzengeschwindigkeit nicht nur einen Weltrekord. Auch die zwölf Megawatt Spitzenleistung eines TGV dürften einen traurigen Energieverbrauchsrekord darstellen. Damit könnten eine Million Sparlampen brennen, in einem voll besetzten Zug 1000 pro Passagier. Nach inoffiziellen Schätzungen arbeiten in der Grande Nation drei AKW allein für das — allerdings faszinierende — TGV-Netz. Die vier Stunden kurze Fahrt von Zürich nach Paris hat also einen ökologischen Preis, der dem einer Flugreise durchaus ähnelt.
Nicht nur das Auto, auch die Eisenbahn hat zur Zersiedelung und zur «Erschliessung» unberührter Natur beigetragen. Die wuchernden Agglomerationen wären ohne S-Bahnen kaum denkbar.

Fliegen

SAC macht’s vor

Der Schweizer Alpen- Club weiss, dass im Berg- sport die Anreise beson- ders ins Gewicht fällt. Auf seiner Website hält er denn — neben vielen anderen Umwelttipps — Anregungen zu einer ökologischen Anfahrt bereit.

Freizeitmobilität

Ein Museumsbesuch in der Nachbarstadt, eine Skitour am Wochenende, das Sporttraining des Sohnes oder der Tochter im Nachbardorf: Die Freizeitmobilität trägt viel zu unserem unökologischen Fussabdruck bei, entfallen doch beinahe die Hälfte aller zurückgelegten ­Distanzen auf den Freizeitverkehr. Dass dabei das Auto beinahe 70 Prozent aller Distanzen ausmacht (die Bahn gerade mal magere 15 Prozent), macht die Sache noch drastischer. Die Freizeitmobilität birgt für jeden von uns also viel Potenzial, seine Aktivitäten umweltfreundlicher zu gestalten. Vielleicht kannst du einen Teil deiner Hobbys regionaler ausrichten. Weniger Anreise bedeutet übrigens auch, mehr Zeit vor Ort fürs Eigentliche zu haben.
Shopping «auf der grünen Wiese»: Der Einkaufstourismus treibt die Konsumenten mit der Überzeugung, dass «Geiz geil ist» (Werbeslogan) immer weiter weg. ­Dabei wäre es ganz einfach: Der Bauer aus der Region ­produziert naturnahes Gemüse und Milch- und Fleischprodukte und vermarktet diese direkt an im Umland wohnende Konsumentinnen (zu finden in allen grösseren ­Agglomerationen). In den Städten bieten grössere Einkaufszentren Velolieferdienste. Und für ländliche Gebiete gilt: zusammen, in der Nähe, mit Mass! So können Beziehungen aufgebaut oder gepflegt werden, regionale Anbieter gestärkt sowie der ökologische Fussabdruck einfach verringert werden.

Für einen möglichst realitätsgetreuen ökologischen Vergleich, müssen Faktoren wie Energieverbrauch, Schadstoff-Emissionen und Umweltschäden beim Strassenbau, die Herstellung der Transportmittel und ihr Kraftstoffverbrauch verglichen werden.                Das hat das Institute of Physics in London gemacht. Die umfangreiche Studie lässt sich hier nachlesen.

Fussgang

«... ein Fussgänger ist auf der Strasse vollständig frei, wo er gehen will, dass ferner nicht nur normalhörige, sondern auch schwerhörige Personen, ja sogar Taubstumme und Leute mit schweren Holzschuhen die Strasse betreten dürfen. Denn sie gefährden andere nicht; das ­Gefahrenmoment aber schafft das Automobil, das sich mit bedeutend grösserer Schnelligkeit als der Fuss­gänger fortbewegt».
(Rechtsprechung des aargauischen Obergerichts aus dem Jahr 1922)

«Einst waren die Menschen zu Fuss die Norm in Sachen Geschwindigkeit auf Strassen und Gassen. Mit der Verbreitung des Automobils wurde dieser öffentliche Raum viel zu sehr auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet. FussgängerInnen mussten von der Strasse weichen, wurden und werden an den Rand gedrängt. Rasche, flüssige Abwicklung des motorisierten Verkehrs war seither das primäre Ziel der Verkehrsplanung und -politik. Seit einigen Jahren beginnt sich ein Wandel abzuzeichnen», schreibt der Verband Fussverkehr Schweiz.
Die ökologischste Art der Fortbewegung, das ­Gehen, wird von vielen Menschen nur noch für die Wege benutzt, die nicht mit schnelleren Verkehrsmitteln bewältigt werden können. Sicher: Die Hektik, in der die meisten von uns eingebunden sind, erlaubt es nicht, in Ruhe zu Fuss zur Arbeit zu gehen und dafür vielleicht eine Stunde Zeit aufzuwenden. Problematisch ist, dass unsere Gesellschaft diesen Umstand als normal empfindet, und den Umstand nicht beklagt, dass eine Entschleunigung scheinbar nicht möglich ist.
Vielleicht gibt es Hoffnung. Der sogenannte Langsamverkehr liegt durchaus im Trend. Diese neue Langsamkeit erspart dir nicht nur überfüllte ÖV, sondern lässt dich die Welt ganz anders erleben. Strecken zu Fuss zurückzulegen macht autark und unabhängig. Wandern fördert unsere Beziehung zur eigenen Bewegung, zum eigenen Körper, zur eigenen Seele. Vielleicht ist Pilgern deshalb wieder so populär. Mystiker glauben sogar, dass man mit Gehen nicht nur jede Krankheit besiegen, sondern sogar die Welt retten könnte.
Im modernen Alltag stellen sich sehr pragmatisch technische, logistische und politische Fragen, bei denen es um Sicherheit, Fussgängerstreifen und Trottoirs, um Schulwege und um den Anteil der Fussgänger am öffentlichen Raum geht.

  • Nimm dir einmal wöchentlich die Zeit, um den ganzen Weg zur Arbeit oder zumindest einen Teil davon zu Fuss zurückzulegen.

Wer zu Fuss geht, bewegt sich höchst umweltfreundlich. Trotzdem sollte man die ein oder andere Regel beherzigen. Der SAC hat sie hier zusammengefasst.

 

Klimaschutz

René Estermann von myclimate schätzt, dass pro Jahr 4,5 Millionen Auto­kilometer, 2,6 Millionen Personenkilometer im ­öffentlichen Verkehr und 67 000 Tonnen CO2 eingespart werden könnten, wenn in der Schweiz 450 000 Personen einen Tag pro Woche zu Hause ­arbeiten würden.

Homeoffice

Homeoffice, also arbeiten zu Hause, ist ein Trend, der sich aus dem überlasteten Pendlerverkehr und den neuen Kommunikationsmöglichkeiten durch das Internet ergeben hat. Es geht darum, regelmässig einen Tag zu Hause zu arbeiten. Dadurch ergeben sich mehr Lebensqualität (weil man weniger Zeit mit Pendeln verbringt), eine gesteigerte Produktivität und Klimaschutz durch weniger Mobilität.
Du kannst mit Homeoffice auch Zeit sparen: Durchschnittlich brauchen wir jeden Tag 45 Minuten für den Weg zur und von der Arbeit. Pro Woche sind das ­bereits fast vier Stunden. Die Arbeitszeit kann damit flexibler eingeteilt werden — besonders für Mütter und Väter ist dies ein grosses Plus. Natürlich eignen sich nicht alle Berufe für Homeoffice. Manchmal ist es aber nur eine Frage der Organisation.

  • Beteilige dich am jährlichen Homeoffice Day, indem du deinen Arbeitgeber darauf aufmerksam machst und Kollegen dafür zu begeistern versuchst.

Mehr Infos zum jährlichen Homeoffice Day findest Du auf der eigens dafür initiierten Website. Sie zeigt die Vorteile für die Umwelt auf, und stellt Dir Tipps zur Verfügung, wie Du Deinen Homeoffice Day am produktivsten gestalten kannst.

Mitfahren

Ein eigenes Auto ist immer weniger nötig, seit es Carsharing gibt. Wie viel Auto lässt sich mieten für die über 12 000 Franken, die ein durchschnittlicher Haushalt jährlich für «Chlapf» ausgibt? Wie viele Taxifahrten sind das? Fast nirgends lässt sich ökologisch mehr Geld sparen als bei der Mobilität.
Autos teilen — Mitfahren — ist der Trend der Stunde.
Anhalter/Autostopp/Hitchhiken
Zugegeben, es ist etwas aus der Mode gekommen: Oft ernten Anhalterinnen ein müdes Lächeln und irritierte Blicke. Per Anhalter unterwegs zu sein ist wahrscheinlich einer der grössten Anachronismen der hypermobilen Ära. Aber gerade deswegen auch so spannend. Wer Zeit, Vertrauen und Nerven hat, sich der Herausforderung Autostopp zu stellen, wird unvergessliche Begegnungen geniessen und merken, wie vielfältig unsere Gesellschaft ist. Im Internet gibt es auch hierzu einschlägig bekannte Seiten.
Carsharing
Bist du unsicher, ob du wirklich ein eigenes Auto brauchst? Können die ca. 970 Franken, die ein Haushalt in der Schweiz durchschnittlich für sein(e) Auto(s) monatlich ausgibt, nicht anderweitig angelegt werden? Carsharing kann die Antwort auf diese Fragen sein, besonders wenn du in der Stadt lebst. Der grösste schweizweite Anbieter Mobility bietet eine beeindruckende Flotte von Fahrzeugen an. Günstig und zuverlässig. Auch in Kombination mit Bahnfahren.
Vielleicht ist dir eine private Fahrgemeinschaft ­innerhalb deiner Nachbarschaft oder deines Freundeskreises lieber. Weil du dein häufig unbenutzt rumstehendes Auto mit anderen teilen willst, inklusive Kosten.
Mitfahrgelegenheit
Eine entspannte und spannende Art, sich automobil fortzubewegen, ist die Mitfahrgelegenheit. Damit kommst du auch mal bis nach Spanien oder nach Norwegen. Auch in Deutschland und Frankreich bieten Websites kostenlos Mitfahrgelegenheiten an.

Die deutsche Seite mitfahrgelegenheit.de vermittelt auch schweizweite Fahrgemeinschaften.

Velo-Volk

In der Schweiz gibt es nach Schätzung von Velo Schweiz, dem Verband der Händler, 3,9 Millionen Velos, von denen allerdings nur drei Viertel regelmässig genutzt werden. Damit ist die Schweiz eines der Länder mit der höchsten Velodichte.

Velo

Das Fahrrad ist heute zum Lifestyle-Objekt geworden. Es gibt immer mehr verschiedene Modelle und Typen, immer vielfältigere Accessoires, Kleidung, Literatur, unzählige Medienberichte. Die Sportarten Mountainbike und BMX sind heute olympisch. Velokuriere sind ­moderne Grossstadthelden. Erstaunlicherweise hat aber der Alltagsgebrauch des Velos mit diesem Trend nicht mithalten können.
Im Durchschnitt legt jede Schweizerin, jeder Schweizer pro Tag knapp 37 Kilometer im Inland zurück. Zwei Drittel davon mit dem Auto, ein Viertel mit Bahn, Tram und Bus/Postauto und weniger als ein Zehntel mit dem Velo und zu Fuss. Zwar nimmt dieser Wert seit Jahren zu, aber da auch mit Auto und ÖV immer weitere Distanzen zurückgelegt werden, bleibt der Veloanteil im Verhältnis etwa gleich.
Mit dem Velo sind wir nicht viel langsamer als mit dem Auto: Laut TCS kostet ein Durchschnittsauto 970 Franken im Monat, wenn man im Jahr 15 000 Kilometer ­damit zurücklegt. Das sind fast 12 000 Franken im Jahr — rund zwei durchschnittliche Monatslöhne, für die wir 300 Stunden arbeiten. Wenn wir dann nochmals 300 Stunden für das Fahren selbst und all die Besorgungen rund ums Auto rechnen, also insgesamt 600 Stunden Lebenszeit im Jahr, dann bewegen wir uns mit 25 km/h fort — also unwesentlich schneller als mit dem Velo. Natürlich funktioniert diese Milchmädchenrechnung nur, wenn man ganz und gar aufs eigene Auto verzichten will. Aber genau das wäre sinnvoll.
Dass das Velo nicht häufiger genutzt wird, hat aber auch mit unserem Lebensraum zu tun. Die Arbeitswege sind zu lang geworden. Würden Städte nachverdichtet, könnten wieder mehr Menschen näher beim Job leben. Der Autor Philipp Löpfe schreibt: Verdichtetes Bauen ­würde «einen weiteren und bedeutenden Evolutionsschritt der Spezies Homo sapiens bedeuten. Der moderne Mensch steigt morgens weder ins Auto noch in die ­S-Bahn. Er steigt aufs Velo.»

  • Bei Fahrten bis sechs Kilometer bist du im städtischen Verkehr mit dem Fahrrad schneller als mit dem Auto. Velos werden immer leichter und komfortabler. Wenn du am Berg wohnst, kann ein E-Bike nachhelfen.

Was es bräuchte, damit mehr Leute auch in der Stadt Velo fahren und endlich das Auto ablösen.

«Die verrückte zeitgenössische Fahrradkultur und ihre Protagonisten», feiert der Fotoband «Velo – 2nd Gear. Bicycle Culture and Style».

Velo fahren ist auch Kunst. Besonders wenn sie beladen sind. Das findet auch der Künstler Alaine Delorme. Achtung, genau hinsehen.

 Welchen Gefallen Du der Umwelt tust, wenn Du mit dem Velo zum Einkaufen fährst, zeigt der Consumer Carbon Footprint (CCF), der Uni Giessen.

 Wer sich für ein E-Rad entscheidet, der kann hier stöbern. Neben allgemeine Infos finden sich hier über 500 Räder.