Papier

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Informationsseite - 24. Februar, 2013
Erstaunlich: Obwohl heute vieles digital am Computer erledigt wird, ist der Papierverbrauch höher als vor ­Beginn des digitalen Zeitalters. 2003 wurden beispielsweise weltweit 330 Millionen Tonnen Papier verbraucht. Für die Produktion einer Tonne Papier werden ca. 24 Bäume benötigt. Gehen wir von dieser Zahl aus, hat 2003 jeder Schweizer ca. 5,5 Bäume gefällt, um seinen Papierbedarf zu decken.

Lag der weltweite Durchschnitt 2003 bei 50 Kilo pro Person, verbrauchte ein Schweizer je 224 Kilo — weit über dem westeuropä­ischen Durchschnitt. Seitdem hat sich der Verbrauch in der Schweiz reduziert. 2010 lag der Pro-Kopf-Verbrauch nur noch bei 194 Kilo. Aber auch diese Zahl ist noch hoch, und weltweit gesehen ist der Papierverbrauch ­immer noch massgeblich für das Schwinden der Wälder verantwortlich.
Aber nicht nur die Wälder sind Opfer der Papier­industrie. Bei der Papierproduktion entstehen Umweltgifte, die katastrophale Auswirkungen auf die Menschen in der Umgebung der Fabriken haben: Verschmutztes Trinkwasser und vergiftete Fauna und Flora sind die Folge und verschlechtern auch die Lebensqualität der vor Ort lebenden Bevölkerung. Ob für die Gesundheit oder die Umwelt, die negativen Auswirkungen der Papierindustrie sind zahlreich und wirken auf allen Stufen der Papierherstellung. In der Schweiz sind wir zwar Weltmeister im Papier-Recycling. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns zurücklehnen dürfen. Ausschlaggebend ist der Konsum, und dazu gehören Verpackungen, Wergwerfservietten und Werbung, die uns unaufgefordert zugeschickt wird. Das Recycling haben wir im Griff. Drosseln wir nun den Verbrauch.

Was du tun kannst

  • Spare Papier! Am Arbeitsplatz wie zu Hause.
  • Kaufe ausschliesslich Recycling-Papier!
  • Lies deine Morgenzeitung am Computer.
  • Verzichte auf chlorgebleichte und Einwegprodukte.

Analog oder digital?

Treiben wir den Teufel mit dem Beelzebub aus, wenn wir unsere Zeitung statt klassisch auf Papier digital am Computer (ob nun Laptop, Tablet, Smartphone oder E-Book) lesen? Es gibt keine klaren Antworten auf diese Frage, denn die Faktoren und Umstände sind zu komplex und zahlreich. Oft werden dabei Äpfel mit Birnen verglichen.
Die digitale Revolution ist eine Tatsache. Tatsache ist auch, dass unser digitaler Lifestyle einen enormen Mehrbedarf an Energie mit sich bringt. Fakt ist letztlich, dass viele Inhalte gar nicht mehr fürs Papier aufbereitet werden. Die «Zeitungs»-News, die mit einem Video multimedial aufgemotzt wurden, entsprechen immer mehr unseren Informationswünschen. Wir möchten unseren Informations-Mix selbst zusammenstellen, kommentieren, teilen, und das geht nicht mit einem traditionellen Zeitschriftenabo. Wirken wir vielmehr darauf hin, dass wir den Stromverbrauch beim Lesen auf ein Minimum reduzieren und mit erneuerbaren Quellen decken. Dies ist absolut möglich.

Urwälder, die der Papierindustrie zum Opfer fielen, sind im Gegensatz zu erneuerbaren Energien unwiederbringlich verloren. Die Brandrodung von Regenwäldern verursacht mehr CO2 als alle Computer dieser Welt.
Die Zeitschrift, die wir von A bis Z lesen, ist ökologisch vertretbar. Die Tageszeitung, die jeden zweiten Tag direkt ins Altpapier wandert, nicht. Bücher, die wir querlesen und weder behalten noch weitergeben wollen, sind im sparsamen E-Book (das auch offline funktioniert) besser aufgehoben. Gleichzeitig lohnt es sich, ein Wörterbuch oder einen Stadtplan zur Hand zu haben, statt immer wieder Google starten zu müssen.

  • Wichtig ist, dass wir in jeder Situation bewusst zwischen digital und Papier wählen, und zwar nach ökologischen Kriterien.

Chlor

Chlor ist eine hochgiftige Substanz und richtet beim Bleichen von Papier riesige Umweltschäden an. ­Gewässer verkommen zu trüben Kloaken: Die Folgen für Tiere, Pflanzen und Menschen in der Umgebung sind leicht vorstellbar. Die Arbeit mit Chlor bringt in den ­Papierfabriken hohe Gesundheitsrisiken mit sich: Mehr als 50 Chlorverbindungen haben sich als krebserregend erwiesen.
Deshalb Finger weg von chlorgebleichten Papierprodukten! Auf vielen Verpackungen steht, ob das Papier chlorfrei gebleicht wurde. Leider reicht es nicht, sich auf Recycling-Papier zu beschränken, denn auch Recycling-Fasern können chlorgebleicht sein. Um auf Nummer sicher zu gehen, orientiere dich am Label Blauer Engel</>.

Einwegprodukte

Unsere Gesellschaft ist vom Konsum von Wegwerfprodukten geprägt. Achtlos und reflexartig verwenden wir sie, was es uns umso schwerer macht, ökologisch bewusster mit Papiertaschentüchern, Haushalts- und WC-Papier & Co. umzugehen. Viele Einwegprodukte gibt es zwar als Recycling-Version. Aber sie lassen sich nach Gebrauch kaum wiederverwerten.

  • Verzichte deshalb auf den allmorgendlichen Pappbecher für den Kaffee im Zug und beschaffe dir eine langlebige Thermostasse.
  • Benutze waschbare Lappen statt Haushaltspapier.
  • Falte die Papierserviette auf der Restauranttoilette ganz aus, damit du nur eine brauchst.
  • Setze diese Liste fort.

Karton

Viel Karton wird aus Altpapier und Altkarton hergestellt. Gereinigt, zermahlen, mit Wasser, Bindemittel, Leim angereichert und zu Zellstoffbahnen gepresst, entsteht Graukarton. Das Recycling-Material kann diesen Prozess siebenmal durchlaufen, bevor wieder frische Holz-Zellulose zugeführt werden muss. Der Graukarton begegnet uns in den unterschiedlichsten Formen, von der Schuhbox bis zur Zügelkiste. Nur «edlere» Verpackungen setzen nach wie vor auf 100 Prozent frische Holzfasern. Der gute alte Eierkarton hingegen wird sogar nur aus Altpapier und Wasser, aber ohne andere Zusatzstoffe hergestellt.

  • Gemüse im Holzkörbchen, in der Plastikschale oder im Kartonbehälter? Müsli in der Schachtel oder in der Kunststoffverpackung? Karton ist in der Regel die bessere Wahl — sofern er aus Altpapier produziert wurde.
  • Vermeide aber Karton, der mit einer Plastik- oder Alufolie beschichtet ist. Getränkekartons sparen zwar gegenüber PET-Flaschen 45 Prozent CO2 ein, sind aber kaum wiederverwertbar.

Die Seite altpapier.ch informiert unter «Recycling Durchblick» ausführlich was ins Altpapier, zur Kartonsammlung und was in den Hausmüll gehört.

 

Papier sparen!

Jährlich wird dreimal die Fläche der Schweiz gerodet, 40 Prozent des kommerziellen Holzschlags dient der Produktion von Papier. Du kannst dem Trend durch kon­sequentes Papiersparen entgegenwirken. Hier ein paar Tipps für zu Hause und am Arbeitsplatz:

  • Bringe ein «Keine Werbung»-Schildchen an deinem Briefkasten an. Wenn es nicht hilft, melde dich bei der Verteilzentrale.
  • Bestelle Gratis- und unnütze Zeitschriftenabos ab.
  • Ändere die Konfiguration deines Druckers so, dass er automatisch Vorder- und Rückseite bedruckt.
  • Verkleinere die Schrift von Dokumenten und spare dadurch Papier.
  • Weise deinen Arbeitgeber darauf hin, dass er Recycling-Papier kaufen soll, das zu 100 Prozent aus rezyklierten Fasern besteht.
  • Achte auf die Dicke der Papiere.
  • Drucke E-Mails nicht aus. Drucke nur aus, was du unbedingt brauchst. Drucke bei umfangreichen Dokumenten nur die Seiten aus, auf die du unmöglich verzichten kannst.
  • Leih dir Bücher und Zeitschriften aus, statt alles immer neu zu kaufen.
  • Benutze Makulatur, also bereits einseitig bedrucktes oder be­­schriebenes Papier.
  • Lies häufiger Online-Zeitungen — das spart sogar Geld.
  • Verwende Einkaufstüten so oft wie möglich wieder.
  • Verzichte beim Einkauf auf unnötige Verpackung und wähle Produkte, welche keine aufwendige Verpackung haben.

Recycling-Papier

Zur Herstellung von umweltfreundlichem Recycling-Papier benötigt man nur ein Siebtel des Wassers und ein Drittel der Energie im Vergleich zur Papierherstellung aus frischem Holz. Da sich die Altpapierfasern jedoch nach etwa sechs Recycling-Durchläufen so stark verkürzt haben, dass sie nicht mehr zu Papier verfilzen, müssen ständig auch frische Fasern zugeführt werden.
Die alten Druckfarben, die das Recycling-Papier grau färben, werden mithilfe von Chemikalien entfernt. Deshalb kannst du leider nicht davon ausgehen, dass bei der Herstellung von Recycling-Papier auf den Einsatz von Chlor zum Bleichen verzichtet wurde. Das Label Blauer Engel ist ein Garant dafür, dass die Produkte nicht mit Chlor gebleicht wurden.
In der Produktion von Recycling-Papier werden ­einerseits Fasern aus Papierabfällen von Haushaltungen (Papiersammlung, Sammelstellen), andererseits industrielle und gewerbliche Papierabfälle verwendet. Erstere sind Letzteren vorzuziehen. Leider ist deren Anteil nur in den seltensten Fällen auf den Verpackungen ausgewiesen.

Verpackung

Karton und Papier gehören zu den wichtigsten Verpackungsmaterialien. Recyclet oder nicht, gebleicht oder ungebleicht, FSC oder nicht: Verpackung bedeutet eine zusätzliche Belastung für die Umwelt — und ist oft übertrieben. Hier zeigen wir dir, wie du zu viel Verpackung vermeiden kannst:

Zertifikate & Labels

Blauer Engel
Blauer Engel ist das bekannteste Umweltzeichen für Papier in Deutschland. Auch viele Produkte, die in der Schweiz erhältlich sind, tragen das Label. Die Kriterien für die Vergabe dieses Zertifikats werden von einer Fachjury regelmässig erweitert und kontrolliert. Blauer Engel garantiert ökologische Standards wie Altpapiergehalt, chlorfreie Bleiche und Einhaltung von Schadstoffgrenzen. Viele Produkte des täglichen Lebens tragen dieses Siegel: Schreibhefte, Toilettenpapier und Hygienepapiere wie Kosmetiktücher. Auf der Website des Labels können die Kriterien der einzelnen Produkte eingesehen werden. Die Seite verfügt zudem über eine Datenbank aller Blauer-Engel-Produkte.
FSC Recycled (Forest Stewardship Council)
Die Standards des Forest Stewardship Council zielen hauptsächlich auf den Schutz wertvoller Wälder ab. Im Spannungsfeld zwischen Umweltschutz und Wirtschaftsinteressen macht FSC aber regelmässig bei eigenen Standards Abstriche, was dem Label auch Kritik von Greenpeace einträgt. Das FSC-Label Recycled bekommen Holz- und Papierprodukte, die ausschliesslich aus Recycling-Fasern bestehen.

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