Reisen

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Informationsseite - 24. Februar, 2013
«Jeder will zurück zur Natur, aber keiner zu Fuss.» Alois Glück, deutscher Politiker u. Journalist

Reisen ist ein Ausdruck persönlicher Freiheit, eine unbestritten herrliche Beschäftigung, die die Menschen einander näherbringt. Aber eine umweltfreundliche Reise zu unternehmen ist eine ziemliche Herausforderung. Das gilt umso mehr, je weiter das Reiseziel von unserem Wohnort entfernt ist. Zwar können wir unseren Urlaub in Senegal in einem Öko-Resort verbringen – aber wie reisen wir nach Senegal?
Wir fliegen. Der Flugverkehr ist einer der grössten Klimakiller. An ihm wird das ökologische Missverhältnis zwischen reichem Norden und armem Süden besonders deutlich: Nur ein kleiner Teil der Menschheit fliegt; aber jene, die es sich nicht leisten können, die Menschen der armen Länder, leiden als erste unter den Folgen des Treibhauseffekts. Vielflieger können den grössten individuellen Beitrag zum Klimaschutz leisten, indem sie diesen Teil ihrer Mobilität drastisch reduzieren. Daran führt leider nichts vorbei.
Autoferien sind punkto ökologischer Fussabdruck gegenüber Flugreisen zwar klimafreundlicher, aber freilich keine echte Lösung. Die Bahn als eindeutig umweltfreundliches Verkehrsmittel zu bezeichnen stimmt nur bedingt: Es hängt davon ab, wie der Strom für die Zugfahrt produziert wurde. Aus Kohle? Aus Uran? Hochgeschwindigkeitszüge wie der TGV oder der ICE sind gierige Stromfresser. Kreuzfahrten, seit Jahren eine boomende Industrie, bringen eine neue Dimension der Luft- und Meeresverschmutzung mit sich. Sogar der Schweizer Alpen-Club SAC setzt sich vehement dafür ein, dass Freunde des Bergsports ihre Ziele klima­freundlich erreichen. – Damit haben wir nur von den möglichen Fortbewegungsarten gesprochen, die uns an unser Ziel bringen. Der oft schädliche Einfluss des Tourismus auf lokale Öko-, Wirtschafts- und Sozial­systeme entfaltet sich vor Ort, am Reiseziel selbst. Auch da können wir viel tun, indem wir unsere Ferien nachhaltig gestalten.
Verzicht ist gerade im Zusammenhang mit Traumferien und Fernreisen ein hässliches Wort. Trotzdem gibt es aus ökologischer Sicht kein anderes Rezept, als seine Flüge auf ein Minimum zu reduzieren. Weniger oft reisen heisst aber nicht weniger reisen. Vielleicht liegt die Lösung darin, sich im Leben wenige, aber erlesene und vor allem lange Ferien zu gönnen. Da winken echte Erholung und ein wirkliches Eintauchen in eine fremde Kultur. Wer lange im Voraus plant und spart, kann sich vielleicht alle paar Jahre einige Monate vom Job freimachen (und für die Zeit sogar die Kinder aus der Schule nehmen); auf diese Zeit verteilt, fällt ein langer Flug weniger ins Gewicht. Wer sich solche Perspektiven schafft, wird wahrscheinlich auf das Weihnachtsshopping in New York und die Städteflüge übers Wochenende einfacher verzichten können. Übrigens auch berufliche Auslandsaufenthalte können Fernweh befriedigen, wenn man bereit ist, die richtigen Prioritäten zu setzen.
Auch ökologisches Reisen ist eine Frage des
Taschenrechners: Ob du deine 2000 Watt für gelegentliche Flugreisen oder im Auto oder zu Hause für heisse Bäder und Haushaltsgeräte aufwenden willst, ist letztlich deine Sache. Aber alles gleichzeitig geht nicht, und mit Fliegen sind die 2000 Watt sehr, sehr schnell aufgebraucht.


Was du tun kannst

  • Mach weniger, aber längere Fernreisen. Erfülle dir nur echte, grosse Traumziele.
  • Verzichte für längere Strecken auch auf das Auto. Der Zug ist für die meisten Destinationen in der Schweiz und in Europa eine gute Alternative. Wenn du am Ferienort ein Auto brauchst, miete es dort.
  • Unterstütze ökologische und gemeinnützige Tourismusbetriebe.
  • Kompensiere den CO2-Ausstoss. Dies löst zwar nicht das eigentliche Problem, ist aber ein Anfang.


Auto

CO2-Kompensation

Kompensieren heisst ausgleichen und klingt gut. Die Idee: Wenn du verreist, kannst du mit einem Geldbeitrag an eine Kompensations-Agentur dafür sorgen, dass die gleiche Menge an CO2, die du durch die Reise ver­ursachst, an einem anderen Ort eingespart wird. Dafür ­finanziert die Agentur zum Beispiel Wind- und Solarkraftwerke, aber auch effizientere und umweltfreundlichere Kocher für die Bevölkerung in verschiedenen Ländern Afrikas. Der bekannteste Anbieter für freiwillige CO2-Kompensationen in der Schweiz ist myclimate. Auf ihrer ­Website lassen sich die CO2-Emissionen mit wenigen Mausklicks berechnen und ebenso einfach direkt mit einer finanziellen Abgabe abgelten.
Die Kompensation von CO2-Emissionen ist keine wirkliche Lösung und umstritten. Die Klimaauswirkungen unseres steigenden Konsums in den ärmeren Ländern wegkompensieren zu wollen ist zu billig. Echte Kompensation findet nur dann statt, wenn eine echte Reduktion stattfindet. Zum Teil wird aber mit «Einsparungen» ein CO2-Ausstoss kompensiert, der gar nie stattgefunden hätte. Greenpeace fordert deshalb, dass der Flugverkehr reduziert wird (zum Beispiel durch Lenkungsabgaben auf den Treibstoff) und die Schweiz (und andere Industrie­länder) ihre Kompensationen im eigenen Land umsetzt.
Nochmals: Von einem globalen Standpunkt aus gesehen, ist nur die tatsächliche Reduktion von CO2-Ausstoss wirksam. Das kann durch den Einsatz von erneuerbaren Energiequellen geschehen – oder durch Verzicht. Bei Flugreisen scheint nur die zweite Lösung in absehbarer Zeit machbar, weil Flugzeuge auf Brennstoffe ange­wiesen sind und «Bio-» oder «Agro-Kerosin» ein ökologischer Etikettenschwindel ist. Kompensation reicht also nicht: Der Flugverkehr muss drastisch abnehmen. Kompensations-Möglichkeiten können dem Klima sogar schaden, wenn Leute «mit ruhigem Gewissen» noch mehr fliegen als vorher.

Eisenbahn


Essen

Reisen soll man geniessen. Dazu gehören gutes Essen und Trinken. Auch unterwegs lassen sich regionale, saisonale und natürliche Produkte finden. Vielleicht gelingt das im Urlaub sogar besser, weil man Zeit und Lust hat, die regionale Küche kennenzulernen. Aber es bedarf einer eingehenden Beschäftigung, will man sichergehen, dass die Produkte, die man kauft, selbst zubereitet oder im Restaurant zu sich nimmt, so erzeugt worden sind, dass der Verzehr in jeder Hinsicht unbedenklich ist.
In bestimmten Ländern ist es schwierig, gentechnisch veränderte Lebensmittel zu erkennen, weil sie nicht gekennzeichnet sind und in Hotels oder Restaurants oft verarbeitet werden.

Mobilität

Buchtipp:

Sabine Reichen und Silvia Müller, Der andere Hotelführer. Umweltfreundlich logieren in der Schweiz, Rotpunktverlag, 2011

Übernachten

Wenn du nicht nur ökologisch anreisen, sondern auch so unterkommen willst, kannst du dich im Voraus über die diesbezüglichen Standards der Gasthäuser, Herbergen und Hotels informieren. Das Angebot wächst dauernd. Es gibt auf diese Art des Reisens spezialisierte Reisebüros. Bestimmte Formen von Urlaub sollte man schlicht vermeiden, will man ökologisch verträglich reisen: Grosse, hochklimatisierte Satelliten-Resorts, die einen gigantischen Energie- und Wasserbedarf haben, sind tabu. All-in-Angebote zu Billigpreisen haben mehr als einen Haken. Dort müssen, wegen des knallharten Preisdrucks, billige und unter ökologisch bedenklichen Bedingungen hergestellte Lebensmittel verarbeitet werden, und auch der Lohn und die Arbeitsbedingungen der lokalen Hotelmitarbeiter werden vergleichsweise schlecht sein. Sehr oft zahlt die lokale Bevölkerung den Preis für Massentourismus. Es profitieren aber nur wenige davon.
In der Schweiz existiert das Ökozertifikat ibex fairstay, früher als «Steinbock-Label» bekannt, das ­Anbieter auszeichnet, die ökologisch, regional und fair wirtschaften. Ein Hotel kann sich nach der Umweltnorm ISO 14 000 zertifizieren lassen, was dir einigermassen ­Gewähr bietet, dass dort auf Umweltfreundlichkeit geachtet wird. Natürlich gibt es eine Reihe Websites, die sich auf umweltfreundliches Reisen spezialisiert haben.

Wandern

Wandern und per Velo reisen braucht tatsächlich ein bisschen Abenteurerblut. Nicht alles ist vorhersehbar – aber genau dies ist das Schöne daran! Es muss keine Reise an die Atlantikküste sein. Der Reiz von Wanderungen und Velotouren liegt nicht in der Distanz, sondern im Tempo. Für ehrgeizigere Wanderer gibt es ein europä­isches Netz von Fernwanderwegen.
Viele Dichter und Denker waren passionierte Wanderer. Die Liste der Wanderliteratur ist endlos; ebenso jene guter Wanderreiseführer.

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