Fisch-Labels

Worauf muss ich achten beim Einkauf

Kommentare hinzufügen
Informationsseite - 28. Juli, 2010
Fairness beim Fischessen ist keine leichte Sache. Hier sind in der Schweiz erhältliche Fischlabels und deren Kriterien aufgelistet. Sie erfahren, welche Fischarten unter welchen Etiketts erhältlich sind und wo. Gleichzeitig erhalten Sie Informationen über die Kontrollorgane und Links auf verwandte Webseiten.

fair fish

Fair-Fish - unerreicht, aber unerreichbar

Der 2000 von Tierschutzorganisationen gegründete Verein fair-fish will «Fairness beim Fischessen» fördern. Die fair-fish-Richtlinien verlangen Fangmethoden, welche das Leiden der Tiere so klein wie möglich halten. Bei fair-fish dürfen Fische nur kurze Zeit an der Angel oder im Netz gefangen sein und müssen sofort betäubt und getötet werden. Mit derart rücksichtsvollen Fangmethoden kann kein Gewässer leergefischt werden. Damit die Fischer hier mitmachen (können), erhalten sie von fair-fish einen besseren Preis.

Die weltweit ersten Fischer, die nach fair-fish-Richtlinien arbeiten, leben in Senegal. Seit Frühling 2006 liefern sie «faire Fische» in die Schweiz. Mehr dazu unter www.fair-fish.ch

Fischzucht ist für fair-fish nur bedingt sinnvoll. Solange Zuchtfische mit Fischmehl gefüttert werden, wird die Ueberfsichung der Meere sogar noch beschleunigt. Und die Lebensbedingungen von Zuchtfischen lassen meist sehr zu wünschen übrig. Für fair-fish kommen nur Zuchtanlagen in Frage, welche den Bedürfnissen der betreffenden Art entsprechend eingerichtet sind. Einige der für das Tierwohl zentralen fair-fish-Kriterien sind von den Bio-Labels übernommen worden.

Betriebs- und Warenflusskontrolle: unabhängig und unangemeldet
Produkte: www.fair-fish.ch

 

bio labels

Bio-Labels: rücksichtsvoll gezüchtet (Bio-Suisse, M-Bio)

Bio-Fische stammen immer aus Zuchten; Wildfische können definitionsgemäss nicht Bio-zertifiziert werden. Im Gegensatz zu konventionellen Zuchten müssen Bio-Fischzüchter Richtlinien einhalten, welche den Tieren, der Umwelt und den Konsument/innen mehr Sorge tragen, genannt semi-intensive Zucht. Die Besatzdichte ist begrenzt auf max. 30 kg Fische pro Kubikmeter Wasser. Konventionell sind 50 kg/m3 und weit mehr üblich.

Die Anlagen müssen durch Schattendächer und Strukturen im Wasser so gestaltet sein, dass die Fische eine ihren Bedürfnissen entsprechende, vielfältige Umwelt zur Verfügung haben. Konventionelle Anlagen sind in der Regel Beton-Einöden. Der vorbeugende Einsatz von Antibiotika ist verboten. Bei der Schlachtung muss jeder Fisch sofort nach der Entnahme aus dem Wasser betäubt und getötet werden.- Gleichwertige Richtlinien gelten auch bei den Labels Naturland (D), biofisch/Ernte (A) und Soil Association (UK).

Leider werden auch in Bio-Zuchten vor allem Raubfische (Forelle, Lachs) gemästet, deren Futter zu einem Drittel aus Fischmehl bestehen muss. Dieses stammt auch in Bio-Zuchten zumindest zum Teil aus industrieller Fischerei. Darum sind auch Bio-Zuchten noch keine wirkliche Alternative zur Leerfischung der Meere. Die echte Alternative wäre die Zucht von Friedfischen wie Karpfen, welche in extensiver Teichhaltung auf pflanzlicher Basis gefüttert werden können. Leider sind Karpfenartige hierzulande wenig bekannt und werden auch von den Bio-Anbietern nicht gefördert.

Betriebs- und Warenflusskontrollen: unabhängig
Produkte: Forelle, Lachs u. a. m.
Bezugsquellen: Coop, Migros und bei www.biosuisse.ch

 

MSC-Label

MSC: schützt vielleicht die Art, aber nicht das Tier

MSC steht für Marine Stewardship Council («Meeresverwaltungsrat»). Das von WWF und Unilever (weltgrösster Tiefkühlfischhändler) ins Leben gerufene Label will eine nachhaltige Fischerei fördern: Beschränkung auf Fangmengen, bei denen die Fischbestände sich wieder erholen können. Eigentlich kein Anlass für ein Label, sondern eine Selbstverständlichkeit für jede Industrie, die sich den eigenen Ast nicht absägen will…

Das MSC-Label konzentriert sich auf den Erhalt der Bestände bestimmter Fischarten. Die Fangmethoden bleiben prinzipiell die gleichen wir in der übrigen industriellen Fischerei. Für den einzelnen Fisch ist es nicht angenehmer, in einem MSC-Netz hängen zu bleiben: Auch hier wird er in der Masse erdrückt oder qualvoll an Bord ersticken oder halb noch lebend in die Filettiermaschine geraten.

MSC setzt nicht bei schonenden Fangtechniken an, sondern bei der Überwachung der Fischbestände. Darum werden für das Label nicht einzelne Fischer oder Schiffe zertifiziert, sondern alle Fischereien einer ganzen Meeresregion und für bestimmte Fischarten. Entsprechend langwierig ist das Verfahren.

Betriebs- und Warenflusskontrollen: durch unabhängige, aber unter MSC-Einfluss stehende Zertifizierungsstellen
Produkte: Pazifik-Lachs, britische Makrelen, westaustralische Langusten
Bezugsquellen: Migros, Coop und bei www.msc.org

 

dolphin-safe

Dolphin-Safe: schützt Delfine, nicht Thunfische

Delfine tummeln sich oft an der Meeresoberfläche über Thunfischschwärmen, welche so leicht geortet und rasch mit einem Netz eingekreist werden können. Darum wurden beim industriellen Thunfischfang Delfine und viele andere Arten mitgefischt, die als «nutzloser Beifang» tot oder verletzt ins Meer zurückgeworfen wurden.

Die «dolphin-safe»-Kampagnen haben zu einer selektiveren Fischerei mit erheblich kleinerem Beifang geführt. Darum hat das heute meistverbreitete «dolphin-safe»-Label des kalifornischen Earth-Island-Institute (EII) trotz hoher Glaubwürdigkeit nur noch beschränkte Wirkung. Denn wie bei MSC setzt auch dieses Label nicht bei den Ursachen der Zerstörung an, nämlich bei der Logik der industriellen Fischerei, sondern versucht, deren Folgen zu mildern. Darum ist es auch für den Thunfisch egal, ob Delfine mit draufgehen oder nicht: Er krepiert so oder so qualvoll.

Betriebskontrollen: z. T. durch unabhängige Beobachter an Bord
Warenflusskontrolle: intern
Produkte: Thunfisch-Konserven
Bezugsquellen: Coop, Migros und weitere Detailhändler sowie bei www.eii.org und www.asms-swiss.ch

Kategorien
Noch keine Kommentare gefunden Kommentar hinzufügen

Schreiben Sie einen Kommentar 

Fülle diese Felder aus, um als unregistrierter User einen Kommentar zu hinterlassen.
Pflichtfelder sind mit einem Stern(*) gekennzeichnet.

info

Email