Textilien

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Informationsseite - 24. Februar, 2013
Unter Textilien versteht man Gewebe aus faserigen Rohstoffen. Diese Rohstoffe können natürlichen Ursprungs und aus Baumwolle, Jute, Schafwolle, Seide oder Leinen gefertigt sein, oder sie sind aus künstlich hergestellten Produkten wie Polyester, Polyacryl und Glasfasern.

Textilien finden heute nicht nur in Form von Bekleidung oder Heimtextilien (Decken, Vorhänge, Bettwäsche u. v. m.) Anwendung, textile Produkte gewinnen auch im Bau, im Ingenieurwesen und in der Medizin zunehmend an Bedeutung. Gewebe — vor allem aus synthetischen Stoffen — werden mit Bindemitteln wie Harzen zu leichten und dennoch soliden und fast beliebig formbaren Trag- und Verkleidungselementen verarbeitet. Sogar die Propeller von Windturbinen können daraus hergestellt werden.
In diesem Kapitel beschränken wir uns auf die ­Bekleidung.
Die Produktion eines herkömmlichen T-Shirts — von der Baumwollflocke bis zum fertigen Kleidungsstück — belastet die Umwelt gleich mehrfach. Das ökologisch und sozial «perfekte Kleidungsstück» wiederum wäre eines, das ohne den Einsatz von Giften und aus Stoffen hergestellt wird, die aus kontrolliert biologischem Anbau und fairem Handel stammen. Es wäre von Menschen hergestellt und verkauft worden, die gewerkschaftlich oder in einer Kooperative organisiert sind. Es würde vermarktet ohne üble Marketing-Tricks oder sexistische Werbung.
Leider ist dieses perfekte Kleidungsstück in den Läden fast nie zu finden. Du kannst aber trotzdem viel zu einem nachhaltigen Textilmarkt beitragen, wie dieses Kapitel dir zeigen wird.


Was du tun kannst

  • Nimm Abschied vom Geiz-ist-geil-Slogan und einer Wegwerfmentalität. Gib Qualität den Vorrang.
  • Achte auf Baumwollstoffe aus fairem Handel. Beachte die Labels Bio und Öko-Tex Standard 100.
  • Vermeide Kleidungsstücke, die mit Schmutz abweisenden Imprägnierungen versehen sind.
Import-Lawine

2010 wurden rund 290 000 Tonnen Textilien in die Schweiz importiert, rund 105 000 Tonnen als fertige Kleidungsstücke.

Bio-Baumwolle

Baumwolle deckt ungefähr 39 Prozent des Bedarfs an Textilfasern weltweit. Das ist mit grossen Umweltschäden verbunden. Baumwollplantagen brauchen generell intensive Bewässerung. Kein anderes landwirtschaftliches Produkt erfordert den Einsatz von derart vielen Pestiziden wie Baumwolle. Ein Sechstel der weltweit verwendeten Pestizide kommt beim Anbau von Baumwolle zum Einsatz. Arbeitern, die mit diesen Pestiziden in Berührung kommen, drohen Schädigungen des Nervensystems, Störungen des Hormonhaushalts und verschiedene Formen von Krebs. Die Pestizide haben verheerende Auswirkungen für die Umwelt: Sie vergiften Oberflächenwasser und Grundwasser, töten Fauna und Flora.
Konzerne wie Monsanto züchten genetisch ver­änderte Pflanzen, die resistent oder widerstandsfähiger gegen bestimmte patentierte Herbizide werden. Letztere können umso aggressiver eingesetzt werden, mit schrecklichen Folgen.

Inzwischen gibt es Läden und Warenhäuser, die Baumwollprodukte aus kontrolliert biologischem Anbau verkaufen. Aber Vorsicht: Das Zertifikat bezieht sich auf den Anbau der Baumwolle. Das garantiert nicht, dass die Verarbeitung der Faser oder die Herstellung des Kleidungsstücks nach sozial fairen Bedingungen geschieht.

Chemische Farbstoffe & Färbemittel

Erdöl hinterlässt auch in Form petrochemischer Farbstoffe und Färbemittel Verunreinigungen in unseren Gewässern und bedroht Arbeiterinnen und die Bevöl­kerung an den Produktionsstandorten. Es ist eine harte Forderung, aber soweit das möglich ist, sollte man keine gefärbten Kleidungsstücke kaufen, oder wenn, dann welche, die mit Farbstoffen auf Pflanzenbasis gefärbt worden sind. Allerdings können diese Farbstoffe bei der Wäsche ausfärben oder sich verfärben.

  • Besonders viel Färbemittel findet sich in schwarzen Kleidungsstücken. Deshalb, wann immer möglich, schwarze Kleidung meiden.
  • Seit 2011 kämpft Greenpeace erfolgreich gegen die schädlichsten Chemikalien in der Bekleidungsindustrie. Unterstütze die Detox-Kampagne! Chemische Imprägnierungen Zahlreiche Textilien werden mit Substanzen gegen Faltenbildung, Flecken oder Mottenfrass imprägniert. Sie enthalten nicht selten perfluorierte Tenside, die auch bei Antihaftbeschichtungen von Pfannen und Töpfen eingesetzt werden. Man findet in Kleidern auch noch andere schädliche Substanzen wie Formaldehyd.
  • Informiere dich im Laden über Inhaltsstoffe und ziehe Outdoor-Kleider vor, die du umweltschonend — zum Beispiel mit natürlichen Wachsen — imprägnieren kannst und die sich gut reinigen lassen.

Naturstoffe

Wähle haltbare Naturstoffe, die aus erneuerbaren Rohstoffen hergestellt sind, wie Leinen, Hanf oder Wolle. Diese traditionellen Rohstoffe können auf zahlreiche Arten verarbeitet werden. Gerade Wolle bietet enorme Vielfalt (Filz, Merino, Schurwolle etc.). Achte bei Trendprodukten (wie Sportwäsche aus Merinowolle) darauf, dass die Textilien zertifiziert sind, also die Schafe tierfreundlich gehalten und geschoren wurden.
Apropos Trendprodukte: Seit geraumer Zeit geistert die «Wunderpflanze» Bambus durch die Welt der Textilien. In der Tat braucht Bambus weder Pestizide noch Dünger. Er wächst von Natur aus schnell und benötigt keine Bewässerung. Diese Vorzüge werden entsprechend auch lautstark vermarktet. Jedoch ist das Prädikat «natürlich», das Textilien aus Bambus zuweilen angedichtet wird, oft irreführend. Die Zellulosefasern aus Bambus sind mit 2—3 mm nämlich zu kurz für eine direkte Verarbeitung. Die Bambuszellulose wird zuerst zu Viskose verarbeitet: selten maschinell, fast immer chemisch (meist in China). Trotzdem schneiden Gewebe aus Bambus ökologisch immer noch besser ab als synthetische.
Es gibt allerdings Wege, natürliche Bambusfasern ohne den massiven Einsatz von Chemikalien zu verarbeiten. Wenn du dich für Bambustextilien interessierst, frage nach der Produktionsart und der Herkunft. Achte darauf, dass der Bambus nicht von Plantagen stammt, die durch die Zerstörung natürlich gewachsener Wälder entstanden sind; das FSC-Label gibt einen Anhaltspunkt.

Der globale Giftkreislauf

© Greenpeace

 

Fair-Fashion-Guide

Die Organisation Erklärung von Bern bewertet in ihrem «Fair-Fashion-Guide» rund 80 Kleidermarken, die vor allem Produkte im Outdoor-Bereich anbieten, hinsichtlich Sozialstandards.

Outdoor-Bekleidung

Outdoor- und Hightech-Bekleidung wird oft aus Synthetikfasern hergestellt und aufwendig verarbeitet. Synthetikfasern wie Polyester oder Nylon werden aus petrochemischen Substanzen, also nicht erneuerbaren Rohstoffen hergestellt und sind für zahlreiche gefährliche Abfälle bei der Produktion verantwortlich. Als Naturliebhaberin musst du bei Outdoor-Bekleidung also besonders bewusst einkaufen. Die Situation ist nämlich zwiespältig: Kleidung, die uns bei intensiven Naturerlebnissen warm und trocken halten soll, ist aufgrund der Herstellung dieser aufwendig beschichteten Stoffe oft ökologisch besonders bedenklich.

  • Kaufe nur dann synthetische Kleidung, wenn natürliche Produkte nicht ebenso funktional sind.
  • Hightech-Kleidung ist nicht immer langlebig. Verwende sie deshalb nur, wofür sie gedacht ist. Für den Spaziergang im Regen oder die Gartenarbeit kann man ebenso gut auf herkömmliche Kleidung zurückgreifen.

Die Clean Clothes Campaign und Erklärung von Bern prüfen bisher alle drei Jahre die Hersteller von Outdoorkleidung auf die Produktions- und Umweltbedingungen der Herstellung ihrer Kleider. Die Ergebnisse sind teils überraschend und alle ernüchternd.

 

Secondhand

Es muss nicht neu sein: Es gibt unbegrenzte Möglichkeiten, deine Kollektion mit Kleidern aus zweiter Hand zu erweitern. Man findet immer häufiger schöne Kleidungsstücke guter Qualität secondhand. Das Panorama der Altkleiderläden ist breit: Manche sind auf Designer-Stücke spezialisiert, andere verramschen, was immer sie an sauberer, unbeschädigter Ware kriegen können. Es gibt kommerzielle Geschäfte und solche, die zu einem Hilfswerk gehören. Ausserdem werden Kleider auf Flohmärkten, in Brockenstuben und — wie heute fast alles — im Internet angeboten. Die Preise variieren gewaltig. Geld sparen lässt sich immer.
Bei Kinderkleidern scheint die Hemmschwelle niedrig zu sein, Gebrauchtes anzuschaffen. Warum nicht beim eigenen Outfit?
Umgekehrt ist es vielleicht an der Zeit, die Türen deiner Garderobe zu öffnen! Jede Wette, es gibt genug Kleidungsstücke, die du mühelos entbehren kannst. Andere können von gut erhaltenen Klamotten, die du nicht mehr trägst, profitieren. Sammelstellen gibt es immer häufiger. Die Hilfswerke sammeln auch regelmässig Altkleider vor der Haustüre ein. Du kannst selbst einen tollen Tag hinter einem Flohmarktstand verbringen. Die gepflegteren Secondhand-Boutiquen und viele Kinderkleiderbörsen nehmen deine guten, aber ausgedienten Stücke «in Kommission»; das heisst, dass du einen Teil des Erlöses bekommst, wenn es verkauft wird: verlockend!
Noch naheliegender: Kleider können auch unter Freunden getauscht werden. Wenn du den Tauschbereich ausweiten willst, empfiehlt sich der Besuch von Tauschbörsen. Und vergiss nicht, deine Freundin, dein Neffe, dein Kumpel freuen sich vielleicht über die Vintage-Jacke, von der du dich nicht trennen kannst, die aber seit vorvorletztem Herbst im Schrank hängt.
Aufgepasst auf den Rebound-Effekt: Ausgediente Kleider weiterzugeben ist kein Freibrief, sich weiterhin am modischen Kaufrausch zu beteiligen. Gleich­zeitig erzielt Qualitätsware secondhand die besseren Preise.

Ein Franken Lohn

Vom Verkaufspreis einer 100-Franken-Jeans entfällt nur gerade ein Franken auf die Löhne der Schneiderinnen.

Sweatshops & Co.

Das Modegeschäft ist knallhart, und leider bezieht das nicht nur Produzenten, Lieferanten und Händler mit ein, sondern auch Kunden, die viel Mode für wenig Geld einheimsen wollen. In keiner anderen Branche florieren Ausverkäufe derart. Leider schafft diese Geiz-ist-geil-Mentalität an anderen Orten unsägliches Leid. Billige Kleider in unseren Läden setzen voraus, dass anderswo zu günstigsten und selten menschenwürdigen Bedingungen produziert wird.
In diesem Zusammenhang ist oft von sogenannten Sweatshops die Rede. Gemäss der kalifornischen Organisation Sweatshop Watch sind solche Ausbeutungsbetriebe Arbeitsplätze, an denen Grundrechte missachtet werden. Die Folgen:

  • Löhne unter dem Existenzsicherungsminimum;
  • ungesetzlich lange Arbeitszeiten unter schlechtesten Bedingungen;
  • willkürliche Disziplinierung und Einschüchterung.

Trage also dazu bei, dass faire Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zum Standard werden. Das kannst du einerseits mittels kluger Kaufentscheide tun, was bedeutet, dass du dich über Marken und Produkte informierst. Leider gibt es kein ausreichendes Zertifizierungssystem.
Du kannst ausserdem Organisationen ideell und finanziell unterstützen, die für bessere Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern kämpfen. Organisationen wie die Erklärung von Bern und Sweat Free Communities haben Kleiderführer veröffentlicht, in denen Produzenten aufgeführt sind, die unter ethisch vertretbaren Bedingungen Kleider herstellen lassen.
Schliesslich: Greenpeace hat gezeigt, dass sich Modefirmen dem Wunsch der Konsumentinnen beugen, wenn der Druck genügend gross ist. Lass die Anbieter also wissen, was du willst. Frage im Laden nach den Produk­tionsbedingungen. Schreib Briefe. Poste auf den Social-Media-Profilen deiner Lieblingsmarken.

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