Greenpeace-Studie: wieviel Fleisch, Milch und Co. ist umweltverträglich?

Studien-Zusammenfassung:

Download-Seite - 6. März, 2013
Wie viel Fleisch und Milch können wir konsumieren, wenn nur noch so viele Nutztiere gehalten werden, wie sie die Umwelt verträgt und wenn Nutztiere nicht mit Ackerfrüchten gefüttert werden, welche die menschliche Ernährung konkurrieren? Im neuen Greenpeace-Report „Ecological Livestock“sind Kriterien für eine ökologische und zukunftsfähige globale Nutztierhaltung formuliert. Diese Kriterien wurden konkretisiert und auf die Schweizer Landwirtschaft angewendet[1]. Ergebnis: Im Jahr 2050 könnte die Schweizer Landwirtschaft trotz einer auf 10 Millionen Menschen angewachsenen Bevölkerung pro Kopf und Jahr 253 kg bis 320 kg Milch und 19 bis 25 kg Fleisch (Schlachtgewicht) produzieren.

Mittwoch, 27. Februar 2013

© Mauricio Bustamante / Greenpeace

Die Erzeugung von tierischen Lebensmitteln braucht viel mehr Fläche und Energie als die Produktion von Getreide oder Gemüse. Bereits heute beansprucht die Nutztierproduktion 75Prozent der globalen Grünland- und Ackerflächen[2].  Die FAO rechnet bis 2050 mit einer Verdoppelung der Fleisch- und Milchproduktion und entsprechend wächst die Menge Tierfutter vom Acker um weitere 42 Prozent Aufs Konto von Fleisch, Milch und Co. gehen auch der grösste Teil der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen, tragische Verluste artenreicher Ökosysteme und die grössten Phosphor- und Stickstoffeinträge in Böden, Gewässer und die Luft.

In der Schweiz wird mehr als die Hälfte der Ackerfläche für die Tierfutterproduktion genutzt, mehr als 1 Million Tonnen Futtermittel werden importiert.

Die Nutztierhaltung ist aus dem Ruder gelaufen. Es braucht ein radikales Umdenken.

Für Greenpeace ist eine Nutztierhaltung unter anderem dann ökologisch,

  • wenn sich Kühe, Ziegen oder Schafe praktisch ausschliesslich von Gras ernähren
  • wenn Schweine- und Hühnerfutter aus Nebenprodukten der Lebensmittelverarbeitung besteht
  • die dadurch viel tiefere Anzahl Nutztiere Treibhausgasemissionne stark reduzieren
  • Äcker- und Grünland werden mit organischem Dünger von Nutztieren gedüngt, auf chemische Dünger oder Pestizide wird verzichtet

Die entsprechend viel tiefere Anzahl Nutztiere reduziert Treibhausgasemissionen und erfordert aber in Ländern wie der Schweiz einen drastisch eingeschränkten Konsum von Fleisch und Milch.

Wenn tierische Lebensmittel nach oben genannten Kriterien erzeugt würden, stehen im Jahre 2050 pro Kopf weltweit noch 12 kg Fleisch (Schlachtgewicht) und 25 kg Milch zur Verfügung[3]. Heute ist global pro Kopf ein jährlicher durchschnittlicher Verbrauch von 40 kg Fleisch (Schlachtgewicht) und 80kg Milch, in der Schweiz 75 kg Fleisch und 380 kg Milch.  

Wie viele tierische und pflanzliche Produkte könnte die Schweizer Landwirtschaft im Jahr 2050 pro Kopf und Jahr nach den Kriterien von Greenpeace erzeugen?

Um dem langen Zeitraum bis 2050 Rechnung zu tragen wurden zwei Szenarien betrachtet:

  • Im pessimistischen Szenario gehen die landwirtschaftlich nutzbaren Flächen wie in den vergangenen Jahren zurück, und die Hektarerträge im Pflanzenbau bleiben unverändert.
  • Im optimistischen Szenario bleibt die landwirtschaftlich genutzte Fläche erhalten, und die Hektarerträge im Pflanzenbau nehmen um 50 bis 100 Prozent zu (Schätzungen von PflanzenbauexpertInnen am FiBL Forschungsinstitut für Biologischen Landbau).
  • In beiden Szenarien wird mit einer Bevölkerung von 10 Millionen Menschen im Jahr 2050 gerechnet. Gemeinsam ist den Szenarien zudem, dass weitere Ertragssteigerungen in der Tierhaltung ausgeschlossen sind, da sie mit dem Tierwohl oft nicht vereinbar sind.  

Ergebnisse der Szenarien: In der Schweiz geht das pro Kopf verfügbare Angebot an tierischen Produkten ebenfalls zurück, jedoch in geringerem Ausmass. Insgesamt könnten in der Schweiz pro Kopf 10-12 mal soviel Milch und 1-2 mal so viel Fleisch produziert werden wie im globalen Durchschnitt. Auch pflanzliche Lebensmittel könnten in beachtlichem Umfang erzeugt werden. Wenn die Schweizer Landwirtschaft nach solchen strengen ökologischen Kriterien arbeiten würde, könnte sie im Jahr 2050 pro Kopf und Jahr die folgenden Mengen an Lebensmitteln produzieren:

  • 56-71 Prozent der heutigen Milchproduktion (253-320 kg anstatt heute 450 kg pro Kopf/Jahr)
  • 31-41 Prozent der heutigen Fleischproduktion (19-25 kg Schlachtgewicht anstatt heute 62kg; bzw. 13-18 kg verkaufsfertiges Fleisch anstatt heute 44 kg)
  • 58-73 Prozent der heutigen Rindfleischproduktion (7-9kg anstatt heute 13kg verkaufsfertiges Fleisch pro Kopf/Jahr)
  • 22-32 Prozent der heutigen Schweinefleischproduktion (5-8kg anstatt heute 24kg verkaufsfertiges Fleisch pro Kopf/Jahr)
  • 0 Prozent der heutigen Mastpouletproduktion (0.01-0.02kg Althennen anstatt heute 6kg verkaufsfertiges Mastpoulet pro Kopf/Jahr)
  • 5-10 Prozent der heutigen Eierproduktion (5-10 Stk. anstatt heute 100 Stk. pro Kopf/Jahr)
  • 59-102 Prozent der heutigen Weizenproduktion (30-52kg Weichweizen in Mehl berechnet anstatt 51kg pro Kopf/Jahr)
  • 40-90 Prozent der heutigen Kartoffelproduktion (17-38kg anstatt 42kg pro Kopf/Jahr)
  • 65-146 Prozent der heutigen Gemüseproduktion (23-52kg anstatt 36kg pro Kopf/Jahr)
  • 35-79 Prozent Raps- und Sonnenblumenöl (1-3kg anstatt 4kg pro Kopf und Jahr)

Diese Ergebnisse zeigen, dass die Schweizer Landwirtschaft auch unter strengen ökologischen Vorgaben hohe Mengen an tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln produzieren kann. Um dieses Potential zu realisieren, braucht es aber die entsprechenden Investitionen. Einerseits müssen das landwirtschaftlich nutzbare Land und besonders die besten Ackerböden erhalten werden und andererseits braucht es entsprechende Forschung und Entwicklung in Pflanzenbau und Nutztierhaltung (robuste Sorten, neue Anbautechniken, Mischkulturen u.a. im Pflanzenbau; Zweinutzungsrassen, verbessertes Recycling von Lebensmittelabfällen für die Schweine- und Geflügelfleischproduktion u.a. in der Nutztierhaltung). Die Realisierung einer ökologischen Nutztierhaltung im Rahmen einer umfassenden ökologischen Agrarproduktion hängt stark von den politischen Rahmenbedingungen für die Betriebe und von entsprechenden Investitionen in die agrarökologische Forschung und Entwicklung ab.

Zur vollständigen Studie

 


[1] Ökologische Nutztierhaltung – Produktionspotential der Schweizer Landwirtschaft. Eine Studie im Auftrag von Greenpeace Schweiz, Agrofutura (Priska Baur, 2013)

[2] Solutions for a cultivated planet, Nature, 478:337-342 (Foley et al, 2011)

[3] Meat: A benign extravagance, Permanent Publications, Hampshire, UK (Fairlie, 2010)

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