FSC am Scheideweg

Fallstudie 3 (Kanada)

Download-Seite - 5. September, 2013
Zwanzig Jahre nach seiner Gründung bleibt der FSC die derzeit beste Zertifizierung für eine nachhaltige Waldwirtschaft. Dennoch droht mit der starken Expansion der Organisation auch eine Verwässerung der Standards einherzugehen. Greenpeace nimmt diese Entwicklung genau unter die Lupe und veröffentlicht im Blog eine Reihe von positiven und negativen Fallbeispielen. Zudem veröffentlicht Greenpeace International Kritik und Verbesserungsvorschläge in einem FSC-Progressreport, der regelmäßig aktualisiert wird.

Eine neue Greenpeace-Fallstudie bewertet die Arbeit des FSC am Beispiel des kanadischen  Unternehmens Resolute Forest Products, dem größten Holzunternehmen Kanadas und weltweit größten FSC-Produzenten. Die Studie zeigt, wie kontroverses, sogenanntes „controlled wood“  (“kontrolliertes Holz“) ins FSC-System gelangt.
Zum Hintergrund: Ursprünglich vergab der FSC nur eine Zertifizierung, wenn das Produkt zu 100% aus FSC-Holz stammte. Mit der Zeit zeigte sich, dass diese Praxis bei Produkten, die aus einer Mischung von Hölzern hergestellt werden, wie Papier oder Spanplatten, schwer umzusetzen war. Daher entstand die Idee eines FSC-Mix-Labels. Dieses ermöglicht es, FSC-Produkte auf den Markt zu bringen, die neben FSC-zertifizierten Materialien auch Material aus nicht zertifizierten Wäldern enthalten – allerdings müssen auch diese bestimmte Mindestanforderungen erfüllen.


Das sogenannte FSC-Mix-Label ist nicht unproblematisch. Es zeigt sich immer wieder, dass nicht kontrolliertes Holz als “unstrittig” eingestuft wird, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Der Einsatz von FSC-Mix war ursprünglich auch nur als eine Übergangslösung angedacht. Leider nutzen jedoch viele Unternehmen das „kontrollierte“ Holz nun als Dauerlösung, um ihre Produkte als FSC Produkte auf den Markt zu bringen. Paradoxerweise wird das “kontrollierte Holz“ von den Holzfirmen meistens selber geprüft, während ein konsequenter Ansatz für die Risikobeurteilung fehlt und es keine Rechenschaftspflicht dafür gibt, wie die Unternehmen ihre eigenen Unbedenklichkeitsprüfungen durchführen. Das führt dazu, dass viele Wälder (aus denen die Holzlieferungen kommen) fälschlicherweise als Niedrigrisikogebiete eingeschätzt werden. Der Effekt, ist dass immer mehr bedenkliches Holz in das FSC-System gelangt.
Resolute Forest Products  – kontrolliertes Holz außer Kontrolle.

Die neue Greenpeace Fallstudie zeigt auf, dass das als „kontrolliert“ bezeichnete Holz der Firma Resolute Forest Products aus einer Region stammt, die verschiedene bedrohte Arten beherbergt. Zudem bestehen bisher ungelöste soziale Konflikte zwischen den indigenen Gemeinden vor Ort und dem Holzunternehmen.

Fallstudie zum Fall Kanada herunterladen

Das Gebiet, aus dem Resolute dieses Holz schlägt, ist enorm – 120 Millionen Hektar! Das entspricht in etwa der gemeinsamen Fläche von Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Greenpeace hat Karten erstellt, die zeigen, dass verschiedene Gebiete in dieser Region bedrohte Wälder sind, die unmittelbaren Schutzes bedürfen.
Es ist unverständlich und unverantwortlich, dass Holz aus einer Region dieser Dimension einfach pauschal in das FSC-System aufgenommen wird – insbesondere wenn dort bestehende Risiken und Konflikte bekannt sind. Das Risiko, dass dieses Holz aus bedenklicher Quelle – etwa aus dem Lebensraum des bedrohten Waldkaribu – in die Thunder-Bay-Fabrik von Resolute gelangt, ist entsprechend hoch. Der Zusammenhang zwischen Holzeinschlag, Zerstörung von Karibu-Lebensraum und dem Rückganz des Karibus ist gut dokumentiert. Vor diesem Hintergrund sollte der Firma Resolute nicht erlaubt werden, aus Karibu-Habitaten stammende FSC-zertifizierte Produkte zu verkaufen.


Was passiert beim FSC?


Dem FSC ist das Problem von den Lücken im Controlled-Wood-System bekannt. Derzeit berät man sich in der Organisation über Vorschläge zur Stärkung des „Controlled Wood“-Systems. Greenpeace beteiligt sich an diesen Konsultationen und wir hoffen, dass auch andere FSC-Mtglieder aktiv teilnehmen und Feedbac  zu den vogeschlagenen Verbesserungsmaßnahmen geben. Die Möglichkeit, den negativen Entwicklungen gegenzusteuern und das „Controlled Wood“-System zu stärken, bietet sich in dem bis zum 15 September andauernden Konsultationsprozess zur Risikobewertung des „Controlled wood systems“. Das ist einer der entscheidenden Schritte, die der FSC unternehmen muss, um die Stärke seines Systems zu garantieren und die Glaubwürdigkeit seines Siegels zu stärken.

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